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Schwänzen schützt vor Strafe nicht

Zum zweiten Mal ist ein Türke nicht zu seinem Prozess in Burgdorf erschienen. Nun verurteilt das Regionalgericht ihn in Abwesenheit. Die Frage ist nur noch, wofür.

Kommt er, oder kommt er nicht? Das war am Regionalgericht Emmental-Oberaargau am Dienstag die grosse Frage. Dem ersten Prozesstermin Ende Januar blieb der Angeklagte unentschuldigt fern. Zwei Polizisten, die von Gerichtspräsidentin Nicole Fankhauser losgeschickt wurden, um ihn an seinem vermuteten Aufenthaltsort abzuholen, kehrten unverrichteter Dinge ins Verwaltungszentrum in der Neumatt zurück.

Nun nahm das Gericht einen zweiten Anlauf. Auch diesmal fehlte von dem Mann jede Spur. Das Gericht entschied, das Verfahren trotzdem durchzuziehen.

Landi-Filialen betrogen

Als schwerstes Delikt wirft die Staatsanwaltschaft dem 28-jährigen Türken den Raub in einer Bieler Bijouterie vor. Mit einer Waffe habe er die Verkäuferin im Sommer 2012 gezwungen, ihm Schmuck und Geld im Wert von 8000 Franken auszuhändigen. Weiter seien durch ihn und einen Komplizen 17 Landi-Filialen um total 180'000 Franken betrogen worden.

Die Männer hätten jeweils Getränke für ein bevorstehendes Kulturfest bestellt, abgeholt – und dann an Kebab-Läden, Saunaclubs, Cabarets und Restaurants weiterverkauft. Die Landis hingegen seien leer aus­gegangen. Darüber hinaus soll der mehrfach vorbestrafte Beschuldigte gefälschte Parfüms und Handys verkauft haben.

Indizien und Aussagen

In ihrem Plädoyer forderte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von 38 Monaten. Der Familienvater habe sich des Raubes, des mehr­fachen gewerbsmässigen Betrugs und einer Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz schuldig gemacht, sagte sie. Was die Landi-Geschichten und den Handel mit gefälschten Waren betreffe, sei er weitgehend geständig. Den Raub in Biel streite er zwar ab.

Doch Aussagen der Verkäuferin, Fingerabdrücke und andere Indizien würden keine Zweifel daran aufkommen lassen, dass er auch dafür verantwortlich sei. Der amtliche Verteidiger erwiderte, dass eine bedingte Freiheitsstrafe von 22 Monaten reiche. Nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» müsse sein Klient wegen des Raubes freigesprochen werden. Die Verkäuferin habe ihn auf Fotos weder kurz nach der Tat noch Wochen danach wiedererkannt.

Der Verteidiger sprach von Veruntreuung: Die Männer hätten ihre Lieferanten nicht mit raffinierten Tricks hinters Licht geführt. Wenn die Geschädigten ein Minimum an Vorsicht hätten walten lassen und kurz im Internet nachgeprüft hätten, ob in ihrer Umgebung ein Kulturfest stattfinde, hätten die Alarmglocken bei ihnen zu schrillen begonnen, so der Anwalt.

Im selben Atemzug schob er nach, dass es ihm fernliege, die Geschädigten als entfernt mitschuldig zu bezeichnen und so dazu beizutragen, dass «wir uns zu einer von Misstrauen geprägten Gesellschaft entwickeln».

38 Monate unbedingt, 22 Monate bedingt – oder etwas darunter, darüber oder dazwischen? Am Donnerstag eröffnet das Regionalgericht sein Urteil.

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