Sie sind gekommen, um zu bleiben

Burgdorf

Das Forumsgespräch machte die Integration von Migranten zum Thema. Auch vorläufig Aufgenommenen Chancen im Erwerbsleben bieten sei das Ziel. Doch ganz so einfach ist das nicht.

Eduard Gnesa zeigte am Forumsgespräch auf, was es braucht, um Migrantinnen und Migranten zu integrieren.

Eduard Gnesa zeigte am Forumsgespräch auf, was es braucht, um Migrantinnen und Migranten zu integrieren.

(Bild: Thomas Peter)

Sie flüchteten vor dem Krieg, vor Umweltkatastrophen oder wurden politisch verfolgt. Zwar sind die Zahlen der Asylsuchenden in der Schweiz und in ganz Europa rückläufig. Asylunterkünfte werden geschlossen, so auch in der Region. Die Zentren in Hindelbank und Burgdorf wurden Ende Mai 2017 aufgelöst. Doch ein Teil der Flüchtlinge bleibt. 90 Prozent der vorläufig Aufgenommenen etwa kehren nicht zurück.

In Burgdorf haben derzeit 156 Menschen diesen Aufenthaltsstatus, können beispielsweise wegen eines Krieges nicht in ihre Heimat zurückkehren. Was passiert mit jenen Menschen, die nun eigenständig in Wohnungen leben? Wie werden sie in unsere Gesellschaft integriert? Antworten auf diese Fragen suchten die Teilnehmer des Forumsgesprächs der Universität Bern.

Am Mittwoch fand dieses im Museum Franz Gertsch in Burgdorf statt. «Die Erwerbslosenquote ist hoch, die Sozialhilfequote ebenso», sagte Thomas Wullimann, Direktor des Bildungszentrums Emme und unterlegte seine Aussage mit Zahlen des Staatssekretariats für Migration. Diese zeigen, dass auch nach zehn Jahren in der Schweiz weniger als 30 Prozent der vorläufig Aufgenommenen erwerbstätig sind.

Die Ausbildung

Nun setzen Bund und Kantone auf die Ausbildung. In diesem Sommer startet die Vorlehre Integration für anerkannte Flüchtlinge. Auch am Bildungszentrum Emme läuft der Pilotversuch an. 75 Auszubildende beginnen im August. An zwei Tagen besuchen sie die Schule, drei Tage sind sie im Betrieb. Etwa auf dem Bau, in der Logistik oder im Detailhandel. «Ziel ist es, dass 60 Prozent danach eine Lehre beginnen können», so Wullimann.

Betriebe an Bord holen

Damit die Integration in die Arbeitswelt gelingen könne, müsse man die Betriebe mit an Bord holen, betonte Eduard Gnesa, ehemaliger Sonderbotschafter für internationale Migrationszusammenarbeit. Und dafür brauche es Jobcoaches. Personen also, die zwischen den Unternehmen und den Migranten vermitteln. Gnesa berichtete von einem Bauarbeiter, der trotz der Fastenzeit Ramadan auf Gerüste klettern musste. «Sein Vorarbeiter konnte dieses Risiko nicht mehr in Kauf nehmen.»

Weil ein Vermittler den Kontakt zu einem Imam hergestellt habe, hätten sie dann eine Lösung gefunden. «Der Imam sagte dem Mann, dass Muslime in solchen Fällen die Fastenzeit unterbrechen könnten und trotzdem tagsüber etwas trinken dürften.» Doch nicht nur über Betriebe und Ausbildungsstätten wird Integration angestrebt. In Burgdorf engagieren sich Freiwillige etwa im offenen Haus oder im Projekt Patenschaft für Migranten der reformierten Kirche. Projektleiterin Anette Vogt hielt fest, dass die Nachfrage nach Deutschkursen oder Begleitpersonen in Burgdorf nach wie vor gross sei. An Freiwilligen hingegen mangle es.

«Als die Flüchtlingswelle kam, haben sich ganz viele gemeldet, heute muss ich aktiv auf die Leute zugehen.» Das Thema sei in den Köpfen der Leute nicht mehr so stark präsent. Probleme mit Flüchtlingen, die aus patriarchisch geprägten Gesellschaften kommen, hat Vogt hingegen nicht erlebt. Anders sieht das eine Frau aus dem Publikum, die als Jobcoach arbeitet. Sie vermittle vor allem in Berufen mit vielen Chefinnen. «Ich höre oft, dass die Männer Anweisungen von Frauen ignorieren», sagte sie. Dieses Problem dürfe man nicht schönreden. Nun gilt es Lösungen zu finden. Einige wurden am Forumsgespräch aufgezeigt.

Berner Zeitung

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