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Steht der EHC Burgdorf vor dem Ende?

Was muss der Eishockeyclub tun, um aus der Schuldenfalle rauszukommen? Präsident Thomas Bichsel sagt, der Verein müsse mehr Gönner finden, die kleinere Beträge beisteuerten. Und der Club will in der Stadt präsenter werden.

«Sportlich sieht die Zukunft des EHC Burgdorf dank unserer guten Nachwuchsabteilung sehr gut aus», sagt Vereinspräsident Thomas Bichsel.
«Sportlich sieht die Zukunft des EHC Burgdorf dank unserer guten Nachwuchsabteilung sehr gut aus», sagt Vereinspräsident Thomas Bichsel.
Thomas Peter

Herr Bichsel, vergangene Woche teilten Sie mit: «Der Verein ist faktisch zu einem Sanierungsfall geworden.» Steht der EHC Burgdorf kurz vor dem Ende?Thomas Bichsel *: Er ist eigentlich schon lange ein Sanierungsfall. Wir haben Altlasten, zum Teil seit 1995. Es handelt sich um ein verzinstes wie auch um zinslose Darlehen. Unsere schwierige finanzielle Situation hat drei Ursachen: Wir haben Schulden; der laufende Betrieb kann mit den Einnahmen nicht gedeckt werden; die Eiskosten des EHC Burgdorf sind sehr hoch. Wir haben mit der Localnet-Arena zwar eine gute Infrastruktur. Aber die Eiskosten müssen irgendwie finanziert werden. Die Stadt zahlt einen Beitrag, uns bleiben aber immer noch 160 000 Franken pro Saison. Für einen Verein mit zweihundert Mitgliedern ist das ein Riesenbetrag.

Wie ist es zu dieser finanziell unvorteilhaften Entwicklung gekommen?Es geht mir nicht darum, Schuldige für die finanziellen Probleme zu suchen, sondern Lösungen. Eine erste Lösung ist, dass wir versuchen, mit der Aktion «Zämeha Burgdorf» die bestehenden Schulden zu tilgen. Der nächste Schritt muss sein, die finanzielle Zukunft zu regeln.

Im Communiqué von letzter Woche stand auch: Wenn Sie das nicht schaffen, wird der Verein Kompromisse eingehen müssen. Was bedeutet das?Das würde zum Beispiel bedeuten, dass der Nachwuchs weniger trainieren könnte. Nur, hinter dieser Lösung könnte ich nicht stehen. Wir müssen den laufenden Betrieb endlich kostendeckend finanzieren können. Trainer werden bei uns sehr be­scheiden entschädigt. Dank guter Trainer und Spieler in der Region fanden wir immer Leute, die sich stark engagiert haben. Doch wir müssen unsere Trainer entsprechend ihrem Engagements entschädigen können. Heute können sie damit nicht einmal die Spesen decken.

Warum ist der Vorstand jetzt an die Öffentlichkeit getreten?Der Vorstand und im Besonderen ich hatten das Gefühl: Jetzt müssen wir endlich aufräumen. Als ich vor fünf Jahren Präsident wurde, sagte ich: Wir müssen die finanzielle Situation in den nächsten fünf Jahren bereinigen. Das habe ich leider nicht geschafft. Die bisherige «Pflästerlipolitik» bringt uns aber nicht weiter.

Sie haben in der Person von Fred Bächer (Ex-CEO von Wacker Thun) externe Hilfe geholt. Weshalb?Ich habe ihn vor einiger Zeit kennen gelernt, und er hat mich überzeugt. Er kennt die Sport­szene, vor allem im Kanton Bern. Genau so eine Person brauchen wir. Jemand, der mithilft zu kämpfen. Denn es ist als Verein ein steter Kampf ums Überleben. Ich habe die Idee dem Vorstand unterbreitet, der damit einverstanden war. Bächer erhält zwar eine Entschädigung, aber es sind klare Konditionen und keine Vorinvestitionen nötig.

Der Verein soll breiter abgestützt werden. Wie viele Gönner und Sponsoren gibt es heute?Wir haben einen sehr guten Bu­sinessclub, den Club 99. 72 Mitglieder unterstützen uns mit namhaften Beträgen. Uns mangelt es an kleineren Gönnern. Wir haben nicht so viele, die jährlich um die 100 oder 200 Franken zahlen. Da fehlt uns die Breite. Diesbezüglich haben wir noch viel Potenzial. Das hat die Analyse von Fred Bächer klar aufgezeigt. Aber das müssen wir aufbauen, es geht nicht von heute auf morgen.

Die Gönner sollen mitbe­stimmen können, wofür ihr Geld genutzt wird. Was ist die Idee dahinter?Gönner können zum Beispiel sagen, sie wollen sich an den Eiskosten beteiligen oder für die ­Hockeyschule einzahlen. Damit wollen wir Nähe zum Verein schaffen. Der Gönner weiss genau, wohin sein Geld fliesst.

«Das würde zum Beispiel bedeuten, dass der Nachwuchs weniger trainieren könnte. Hinter dieser Lösung könnte ich nicht stehen.»

Der Club will sein «Vertriebspotenzial» und den «Event­bereich» optimieren. Was muss man sich darunter vorstellen?Die Vermarktung des EHC Burgdorf muss besser werden. Auch da haben wir noch Potenzial. Wir wollen zum Beispiel an Anlässen in der Stadt vertreten sein und somit Geldquellen erschliessen. Als Nächstes werden wir mit Vereinsmitgliedern beim Sky Festival in der Markthalle mitarbeiten. Als positives Beispiel sehen wir den Rittercup, der zu einer Institution geworden ist und uns einen namhaften Betrag in die Kasse bringt.

Welchen Einfluss hat die finanzielle Situation auf die sportliche Zukunft des Vereins?Sportlich sieht die Zukunft des EHC Burgdorf dank unserer guten Nachwuchsabteilung sehr gut aus. Jetzt muss der Rest aber auch Schritt halten können.

Der EHC Burgdorf hat sich im Februar entschieden, nicht an der neu höchsten Amateurliga, der My Sports League, teilzunehmen. Hat das mit den finanziellen Schwierigkeiten zu tun?Wir haben entschieden, unsere anfängliche Interessensbekundung für die neue Liga zurückzuziehen. Das ist natürlich schlecht, denn wir spielen künftig «nur» noch in der zweithöchsten Amateurliga. Hier mussten wir die Vernunft walten lassen. Wenn man das Geld nicht hat, kann man auch einige Spieler nicht verpflichten, die es dafür gebraucht hätte. Das wäre für die My Sports League nötig gewesen. Letztlich haben wir uns aber sportlich sowieso nicht qualifiziert.

In welcher Liga sieht der Vorstand den EHC Burgdorf mittel- bis langfristig?Es ist unser Ziel, mittel- bis langfristig wieder in der höchsten Amateurliga zu spielen – aber nicht um jeden Preis. Denn wir wollen in Burgdorf nicht nur Spitzensport finanzieren können, sondern vor allem den Nachwuchs- und Breitensport fördern. Nur wenige schaffen es im Eishockey letztlich bis ganz nach oben. Doch alle anderen sollen ihrem Hobby ebenfalls nach­gehen können. Genau dafür hat die Stadt doch eine tolle Eishalle gebaut.

* Thomas Bichselist seit 2012 Präsident des EHC Burgdorf. Der 56-Jährige lebt mit seiner Familie in Goldbach und betreibt in Burgdorf, Bern und Uetendorf drei Firmen, die in der Tankrevisionsbranche tätig sind.

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