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Ueli der Knecht lebt im Löwenstock weiter

Der Wohnstock, der zum traditionsreichen Landgasthof Löwen gehört, hat neue Besitzer: Christof und Andrea Oesch wollen zur geschichtlichen und filmischen Vergangenheit des 1768 gebauten Gebäudes Sorge tragen.

Lilo Lévy-Moser
Ein geschichtsträchtiges Gebäude: Der markante Löwenstock in Heimiswil ist in neue Hände übergegangen.
Ein geschichtsträchtiges Gebäude: Der markante Löwenstock in Heimiswil ist in neue Hände übergegangen.
Thomas Peter

Es ist, als würde man direkt in den Film «Ueli der Knecht» einsteigen. In der Vogt-Stube im historischen Löwenstock in Heimiswil scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. In einer Ecke befindet sich ein Kachelofen, darauf eine uralte Bibel, in der Mitte ein ausladender Holztisch, und an den Wänden grüssen die Ahnen.

In Bildern präsent sind auch der verstorbene Fürst Rainier von Monaco und die altbekannten Protagonisten aus dem Franz- Schnyder-Film «Ueli der Knecht» aus dem Jahr 1950. Es sind dies Vreneli (Lilo Pulver) und Ueli (Hannes Schmidhauser) sowie die Glunggenbäuerin (Hedda Koppé) in der berühmten Versöhnungsszene. Der aufmerksame Betrachter erkennt dabei zweifelsohne, dass die Filmszene in dieser Stube gedreht worden ist.

Am Interieur hat sich seither nicht viel geändert, genauso wenig wie in der benachbarten Walther-Soom-Stube. In dieser steht ein uraltes Bett, in der Mitte des Raumes thront ein Tisch, daneben bewegt sich ein betagtes Schaukelpferd. Der anderthalbjährige Mattheo Oesch hat ihm einen Schubs gegeben. Hilfe bekommt er dabei von seinem Vater Christof.

Wo die Schafe grasen

Christof Oesch und seine Frau Andrea sind seit kurzem die neuen Besitzer des geschichtsträchtigen Gebäudes von 1768. Zuvor gehörte der Wohnstock zum benachbarten Landgasthof Löwen, der bis letzten Herbst vom Besitzer Daniel Lüdi und zuvor von seinem Vater Peter Lüdi («Löiepeter») geführt worden war. Inzwischen hat das weitherum bekannte Restaurant, das Gäste aus der ganzen Welt begrüssen konnte, neue Pächter (wir berichteten) – und der Filmstock nun neue Besitzer.

Dass das Haus eine filmträchtige Vergangenheit hat, wussten Oeschs vor dem Kauf nicht. Die gebürtigen Oberaargauer, die aktuell in Rüegsauschachen wohnen, kannten weder den Löwenkomplex noch das Dorf Heimiswil. Trotzdem waren sie sofort angetan vom alten Haus mit den achtzig Aaren Umschwung inmitten der dörflichen Idylle. Als Nichtlandwirte mussten sie allerdings sicherstellen, dass die Fläche auch weiterhin landwirtschaftlich genutzt wird.

Bisher weidete ein Landwirt seine Schafe darauf, und ein weiterer Bauer bestellte das Land. Einer regierungsrätlichen Auflage entsprechend, muss der ehemalige Bauernsohn nun Schafe kaufen und einen Schafskurs absolvieren. «Ansonsten hätten wir das Haus nicht erhalten», sagt Christof Oesch und schmunzelt. Darüber hinaus lassen die jungen Besitzer auch die Heimiswiler Hornusser weiterhin auf ihrem Land spielen.

Wohnungen einbauen

Mit dem Kauf der beiden «musealen Filmstuben» haben Oeschs gleichsam ein gewisses Bewahrungserbe angetreten. «Wir haben sämtliche Infrastruktur, also die ganze Möblierung der beiden Stuben übernommen», sagt der 34-jährige Holzingenieur und Schreiner Christof Oesch.

Allerdings sei ihnen freigestellt worden, ob sie diese in der bisherigen Form weiterführen wollen. Bislang waren die beiden Stuben, der Garten und der Weinkeller für Anlässe in das Gastronomieangebot des Löwen miteinbezogen. Dabei gab es auf Wunsch immer auch Anekdoten des geschichtsversierten «Löiepeter» zu hören.

Das Angebot solle vorderhand auch so bleiben, sagt die 31-jährige Andrea Oesch. In einem ersten Schritt wollen die neuen Eigentümer die Erdgeschosswohnung, die sie ab April selbst bewohnen werden, vergrössern und energetisch sanieren lassen. Später würden dann die ehemaligen Personalzimmer und das Studio zu Wohnungen umgebaut werden.

Eine nicht sanierte Wohnung sei momentan noch bewohnt. «Wir sind uns durchaus bewusst, dass mit dem Umbau eines alten, denkmalgeschützten Gebäudes in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz so einiges an Unerwartetem auf uns zukommen könnte», betonen die beiden. Insofern sei eine mögliche spätere Nutzung der Räume als Bed and Breakfast vorerst nur vage angedacht worden. «Lüdis würden dies sehr begrüssen, da die Gäste des Landgasthofs immer wieder nach einer Übernachtungsmöglichkeit fragen», so Christof Oesch.

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