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Unfall auf der Insel

Die Seniorin ­hätte die Busse bezahlt, die sie für das Demolieren eines Mittelleitpfostens erhielt. Doch ihre Familie riet ihr, sich dagegen vor Gericht zu wehren. Kein guter Ratschlag.

Die Autolenkerin fuhr in Zollbrück auf eine Verkehrsinsel auf (Symbolbild/Google Street View)
Die Autolenkerin fuhr in Zollbrück auf eine Verkehrsinsel auf (Symbolbild/Google Street View)

Ein halbes Jahrhundert lang war die Frau unfallfrei mit ihrem Auto unterwegs gewesen. Jetzt sitzt die Südländerin vor Gericht. Sie versteht kaum ein Wort Deutsch. Vor und neben ihr warten ihr wildfremde Menschen ­darauf, dass die Verhandlung ­beginnt. Die Situation ist ihr erkennbar nicht geheuer.

Laut der Staatsanwaltschaft überrollte die bald 90-Jährige in Zollbrück eine Verkehrsinsel. Dabei demolierte sie gemäss dem Strafbefehl einen Mittelleitpfosten. Sekunden später habe sie gemerkt, dass an ihrem Fahrzeug etwas nicht stimmte, und den Schaden mit Klebeband geflickt. Mit einem platten Reifen, einer eingedrückten Felge und einer verstellten Achse sei sie dann weiter in Richtung Burgdorf gefahren.

Einem Traktor ausgewichen

Die Anklagebehörde büsste die Frau wegen einfacher Verkehrsregelverletzung, Nichtgenügen der Meldepflicht und Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeugs mit 600 Franken. Dagegen erhob die Frau auf Anraten ihrer Familie Einsprache. Deshalb musste sich am Mittwoch Einzelrichter Roland Richner vom Regionalgericht Emmental-Oberaargau mit dem Fall beschäftigen.

Vor Gericht erklärt die Frau, auf der Strasse sei ihr ein Traktor entgegengekommen. Beim Versuch, ihm auszuweichen, habe die Sonne sie geblendet. Sie habe «einen Fehler gemacht», sagt die Beschuldigte und ergänzt: Sie akzeptiere die Strafe.

Für den Verteidiger der Frau wäre jetzt ein guter Moment, die Einsprache zurückzuziehen und der verwitweten Rentnerin so weitere Unkosten zu ersparen. Entsprechende Anstalten trifft er jedoch nicht. Stattdessen lässt er zwei Augenzeugen aufmarschieren. Sie bestätigen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft.

Die Busse bestätigt

Richter Richner gönnt den Verfahrensbeteiligten nun eine Pause. Vor dem Saal warten weitere Zeugen auf ihren Auftritt – darunter jene zwei Polizisten, die sich an jenem Dezembermittag 2016 um die Bruchpilotin gekümmert hatten. Doch bevor auch sie zur Sache befragt werden können – oder müssen –, erkennt der Anwalt die Aussichtslosigkeit seiner Bemühungen doch noch: Er rät seiner Kundin, die Einsprache fallenzulassen.

Dann geht alles schnell: Der Gerichtspräsident bestätigt die von der Staatsanwaltschaft ausgesprochene Busse und auferlegt der Frau die Verfahrenskosten von 300 Franken.

Ob die Dame je wieder Auto fahren wird, entscheidet das Strassenverkehrsamt.

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