«Unsere Chancen stehen nicht schlecht»

Burgdorf

Der Verein Gesundheitswirtschaft Burgdorf will die Region als attraktiven Unternehmensstandort vermarkten. Noch fehlen die grossen Erfolgsmeldungen, aber der Geschäftsführer glaubt an das Potenzial.

Patrick Roth ist überzeugt vom Emmental als Wirtschaftsstandort.

Patrick Roth ist überzeugt vom Emmental als Wirtschaftsstandort.

(Bild: Christian Pfander)

Wer sich im Internet etwas umschaut, findet in der Region diverse zur Vermietung ausgeschriebene Büro- und Gewerbeliegenschaften. Ein Beispiel dafür ist das Firmengebäude an der Kirchbergstrasse 190 in Burgdorf. Bis zum Umzug nach Langenthal 2016 war dort der Grosskonzern 3M eingemietet. Der Grossteil des Hauses steht derzeit leer. Über 2500 Quadratmeter Bürofläche stehen auch in einem Gebäudekomplex im Industriequartier Neuhof in Kirchberg zur Verfügung. Solche Gebäude zu vermieten, ist offenbar nicht so einfach.

Dieser Bürokomplex in Kirchberg ist leer. Foto: Raphael Moser

Das bestätigt Patrick Roth, Geschäftsführer des Vereins «B. for Health» (Gesundheitswirtschaft Burgdorf). Der 2014 von Wirtschaftsvertretern und der Stadt Burgdorf gegründete Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Firmen über die Vorzüge einer Ansiedelung in der Region zu informieren und solche Leerstände damit zu verringern. Ein besonderes Augenmerk legt der Verein auf die Gesundheits- und Medizinalbranche, denn in diesem Bereich sei die Region Burgdorf bereits stark, erklärt Roth. Davon zeugten Unternehmen wie Ypsomed, Gloor Medical, Ivers-Lee, das Spital Emmental oder auch kleinere Gesundheitsdienstleister.

Chinesisch und japanisch

Um die Attraktivität des Standorts Burgdorf hervorzuheben, hat «B. for Health» zusammen mit der Stadt eine Broschüre ausgearbeitet. Das Dossier gab es zuerst nur auf Deutsch. «Wir haben im Verein dann entschieden, auch englische, chinesische und japanische Unterlagen zu erstellen.» Denn angesprochen werden sollen auch ausländische Unternehmen, die sich hier niederlassen könnten. «Wenn wir Interessenten Unterlagen in ihrer Sprache überreichen können, schätzen sie das sehr. Das kann Türen öffnen», sagt Roth.

Die Gesundheitswirtschaft Burgdorf setzt sich dafür ein, dass ausländische Unternehmen den Standort als attraktiv wahrnehmen. Roth ist überzeugt, dass der Kanton Bern und das Emmental geeignet sind für Firmenansiedlungen. In Burgdorf gebe es mit dem Areal Suttergut beim Bahnhof oder dem Entwicklungsschwerpunkt (ESP) Buchmatt interessante Gebiete für Unternehmen.

Beim Suttergut würden zum Beispiel 40000 Quadratmeter für Dienstleistungen, Gewerbe und Wohnen direkt am Bahnhof entwickelt. Und die Buchmatt werde zurzeit vielleicht nicht so wahrgenommen, aber dort bewege sich ebenfalls einiges. «Es stehen spannende Ideen zur Entwicklung im Raum», so Roth. Im Sommer werde dazu eine Studie der Berner Fachhochschule präsentiert.

Ein harter Wettbewerb

Roths Aufgabe als Geschäftsführer der Gesundheitswirtschaft Burgdorf ist es, Firmen zu vernetzen und die erwähnten Gebiete und Gebäude zu vermarkten, ohne aber die Immobilienfirmen zu konkurrieren. Im Gegenteil: Er will diesen zudienen, damit sich die Besitzer oder Verwalter der Grundstücke und Liegenschaften vor allem um Details und Verträge kümmern können. «Es gibt Immobilienbewirtschafter, die keinen Bezug zu Burgdorf haben und daher die Vorzüge auch nicht hervorheben können. Da kann ich helfen.»

Der Kanton Bern und somit auch das Emmental stehen in direktem Wettbewerb mit anderen Kantonen und sogar mit europäischen Ländern, wenn es um Firmenansiedlungen geht. Dessen ist sich Roth bewusst. «Der Wettbewerb ist hart.» Doch die Schweiz habe trotz Ruf als Hochpreisinsel auch viele gute Argumente: politische Stabilität, zentrale Lage, flexibles Arbeitsgesetz oder qualifizierte Arbeitskräfte.

Die Kritik des Präsidenten

Doch wie sieht es in Sachen Steuerbelastung aus? Simon Michel, CEO der Ypsomed AG und Präsident des Vereins «B. for Health», kritisierte kürzlich in dieser Zeitung die Steuerpolitik des Kantons Bern und verkündete, sein Unternehmen werde Stellen von Burgdorf nach Solothurn verlegen. Später relativierte er seine Aussagen zwar. Doch die Kritik an den hohen Steuern bleibt bestehen.

Patrick Roth sagt, es stehe ihm nicht zu, Simon Michels Aussagen zu kommentieren. «Es ist klar: Wenn man nur die kantonalen Steuersätze miteinander vergleicht, dann sieht Bern nicht gut aus.» Aber es gebe eben auch noch andere Aspekte. Als Beispiel nennt Roth die Berner Standortförderung, die Firmen oft unbürokratisch unterstütze. «Der Zugang für Unternehmen mit innovativen Ideen ist hier wirklich unkompliziert.»

Zweimal knapp daneben

Mit der Standortförderung arbeitet Roth oft zusammen. Die Kontakte zu den ausländischen Firmen entstehen durch die nationale Organisation Switzerland Global Enterprise und die überkantonale Greater Geneva Bern Area. Dadurch kommt es zu etwa 50 Besuchen von ausländischen Delegationen im Kanton Bern. Wenn Anfragen in den Bereich Gesundheit/Lifesciences fallen, wendet sich die Standortförderung an Roth. «Ich helfe dann, Kontakte zu knüpfen, Treffen zu organisieren und Liegenschaften zu besichtigen.»

Zwischen 8 und 15 ausländische Delegationen im Jahr könne er in der Region Burgdorf empfangen. Das variiere stark. 2015 nach dem Frankenschock seien fast keine Anfragen eingetroffen, mittlerweile habe sich die Situation wieder verbessert, so der 53-jährige Geschäftsführer. «Die grosse Erfolgsstory können wir leider noch nicht präsentieren.» Zweimal hätten Grosskonzerne Burgdorf als möglichen Standort von Filialen in Betracht gezogen. Es habe sich dabei um eine Grossbank und einen Technologiekonzern gehandelt. Die Bank habe sich letztlich für eine andere Stadt im Kanton entschieden, beim Technologieunternehmen wisse er nicht, welcher Ort den Zuschlag erhalten habe.

Aufgeben ist für Roth jedoch keine Option. «Unsere Chancen für Firmenansiedlungen stehen nicht schlecht», sagt er überzeugt. Es habe auch schon Erfolgsmeldungen gegeben, zum Beispiel das Raiffeisen-Unternehmerzentrum, das sich für Burgdorf und gegen andere Städte im Kanton entschieden habe. Wichtig sei, den Standort nach und nach weiterzuentwickeln. Da erwähnt er nochmals das Areal Suttergut und den ESP Buchmatt. Häufig entstehe um Bahnhöfe herum eine Dynamik. Das erhofft er sich auch von beiden Gebieten in Burgdorf.

Berner Zeitung

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