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«Viele sind erstaunt, alle fasziniert»

Zuerst spielte sie acht Jahre Klavier, seit 2015 Orgel: Die Königin der Instrumente hat es Helena Sallmann an­getan. Zum Beruf machen will die 17-Jährige die Musik allerdings nicht.

Das Orgelspiel übt die Schülerin Helena Sallmann in der Kirche Lützelflüh.
Das Orgelspiel übt die Schülerin Helena Sallmann in der Kirche Lützelflüh.
Thomas Peter

Wie wunderschön dieses Instrument doch klingt. Mal sind es hohe und höchste Töne, die zu Gänsehaut führen. Dann wieder tiefe Töne, die das Kirchenschiff mit mächtigem Bass erfüllen und das Gotteshaus zu Lützelflüh in seinen Grundfesten zu erschüttern drohen. Es muss eine Meisterin ihres Fachs sein, die den sonst so stillen Raum der 1505 erbauten spätgotischen Saalkirche mit Leben erfüllt. «Nein, nein», winkt Helena Sallmann ab, «eine Meisterin bin ich noch lange nicht.» Aber die junge Frau freut sich trotzdem über das Kompliment.

Sie sitzt auf dem Bänklein vor der 1962 von der Firma Kuhn erbauten Orgel und drückt mit beschwingter Leichtigkeit die Tasten der beiden Manuale sowie die Pedale. Und sie zieht die Register, so, als würde sie tagein, tagaus nichts anderes tun. Dabei ist die 17-Jährige vor allem eines: Schülerin. In Burgdorf besucht sie das Gymnasium, Schwerpunktfach Spanisch.

Acht Jahre hat Helena Sallmann an der Musikschule Region Burgdorf den Klavierunterricht besucht. Dann wurde ihre Musiklehrerin pensioniert. Der Zufall wollte es, dass sie just in dieser Zeit von Susanne Bieri, der Organistin der Kirche Lützelflüh, ­gefragt wurde, ob sie sich schon einmal überlegt habe, Orgel zu spielen. Nein, das hatte sie nicht. Aber ausprobieren wollte sie es. In der Stadtkirche Burgdorf konnte die Pianistin bei Nina Wirz eine Schnupperlektion besuchen. «Es gefiel mir so gut, dass ich eingestiegen bin», erinnert sich die junge Frau.

Das war vor ziemlich genau drei Jahren. Bereits in der zweiten Orgelstunde konnte sie ein Präludium von Johann Sebastian Bach, das Nina Wirz von der Klavier- in eine Orgelversion umgeschrieben hatte, spielen. «Es tönt sehr schnell sehr gut», sagt die Neo-Organistin. Wobei sie sich als Pianistin ganz sicher einen ­guten Boden für das Orgelspiel geschaffen habe, «das empfiehlt sich auf jeden Fall».

Die Unbarmherzige

Seit Helena Sallmann bei Nina Wirz den Unterricht besucht, tut sie dies in der Stadtkirche: «Manchmal darf ich auch nach der Schule auf dieser grossen Orgel üben.» In der Regel spielt die Gymnasiastin aber in der Kirche Lützelflüh, wo sie feste Probezeiten hat. Da sie nur wenige Minuten entfernt wohne, gehe sie ab und an auf gut Glück zur Kirche. In der Hoffnung, dass die Tür zum Gotteshaus nicht abgeschlossen ist.

Dass sich die Orgel an ihrem Wohnort von jener in Burgdorf unterscheidet, macht der Musikschülerin nichts aus. In der Stadtkirche habe es drei Manuale, also drei Tastenreihen, mehr Pfeifen und mehr Register. Wer dieses Instrument beherrsche, könne auf jeder Orgel spielen. Aber sie sagt auch und lächelt verschmitzt: «Die Orgel in Lützelflüh verzeiht gewisse Fehler, jene in Burgdorf nicht – sie ist unbarmherzig.»

Die Zuhörer

Hat sie stets Spass am Üben, oder ist es auch einmal ein Muss? Helena Sallmann sagt dazu weder Ja noch Nein, sondern: «Wenn ich nach einem langen Schultag noch in die Kirche gehe und mich dabei total auf das Orgelspiel konzen­trieren muss, braucht dies ab und an schon Nerven.» Auch darum, weil sie nach dem Üben oft noch Schulstoff büffeln muss.

Apropos Schule: Alle in ihrem Freundeskreis hätten ihr schon einmal beim Spielen zugehört. Nie habe sie dabei Negatives ­gehört. Viele seien erstaunt, aber alle fasziniert und interessiert. Auch etwas Bewunderung schwinge mit. Weil das Gotthelfmuseum gleich neben der Kirche stehe, «kommen manchmal auch Besucher in die Kirche und hören zu». Und natürlich gehören auch Helenas Eltern und ihre Geschwister immer wieder mal zu den Zuhörern. Übrigens: Musi­kalisch ist auch ihr Bruder, der über Jahre Waldhorn spielte; die ältere Schwester spielte Querflöte und die jüngere Cello.

Die Macht

Auf ihre Hobbys angesprochen, nennt Helena Sallmann nebst dem Orgelspiel auch den Sport. Zudem sei sie viel mit Freunden im Zug unterwegs. Sie hätten sich einen Spass daraus gemacht, die Orte des Monopoly in der Schweiz zu besuchen: «Wir würfeln und fahren dann dorthin.»

So zierlich die Frau, so mächtig das Instrument. Was ist das Faszinierende? «Es heisst nicht umsonst», sinniert Helena Sallmann, «dass die Orgel die Königin der Instrumente ist.» Gerade in den Wintermonaten, wenn es draussen schon dunkel und in der Kirche ganz still sei, spüre sie beim Spielen die Macht der Orgel. «Es fasziniert mich, dass man zum Beispiel ein Präludium mit den Registern so verschiedenartig interpretieren kann, obwohl es das gleiche Stück ist.» Doch so begeistert sie auch ist, Musik studieren will sie nicht. Sie favorisiert Medizin oder Sprachen.

Der Wunsch

In welche Richtung sich die junge Frau beruflich auch entwickeln wird, fest steht für sie, dass sie der Orgel die Treue halten will. Gerne würde sie einmal ein kleines Pensum übernehmen und Gottesdienste begleiten. «Bis ich dies kann, dauert es schon noch etwas – da muss ich noch mehr Choräle üben.» Doch es macht ihr auch einfach Spass, irgendwo in einer kleinen Kapelle an die Orgel zu sitzen: «Im Tessin habe ich einmal auf einer Orgel mit nur einem Manual einen Gottesdienst im kleinen Kreis begleitet.» Und wer weiss, vielleicht sitzt Helena Sallmann auch an der heutigen Solätte an der Orgel in der Stadtkirche zu Burgdorf. Denn sie verrät: «Vor einem Jahr habe ich an der Solätte gespielt.»

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