Zum Hauptinhalt springen

Vom Kindergarten zum Altersheim

Seit 75 Jahren ist der Gemeinnützige Frauenverein Lützelflüh-Goldbach schon am Werk. In den letzten Jahren hat er einige neue Ideen umgesetzt: VomKafihüsli bis zum Flickatelier.

Sie haben viel zu erzählen: Verena Mathis und Sylvia Eichenberger (v.l.) blicken auf eine bewegte Vereinsgeschichte zurück.
Sie haben viel zu erzählen: Verena Mathis und Sylvia Eichenberger (v.l.) blicken auf eine bewegte Vereinsgeschichte zurück.
Olaf Nörrenberg

Nach zwölf Jahren im Vorstand des Gemeinnützigen Frauenvereins Lützelflüh-Goldbach tritt Verena Mathis zurück. Ihre Nachfolgerin, Sylvia Eichenberger, übernimmt das Amt der Präsidentin in einem besonderen Jahr: Der Verein feiert heuer sein 75-jähriges Bestehen.

«Was die Gründerfrauen 1943 auf die Beine gestellt haben, wäre heute in dieser kurzen Zeit ein Ding der Unmöglichkeit», sagt die neue Präsidentin.Innerhalb eines halben Jahres nach der Gründung eröffnete der Verein den ersten Kindergarten in Lützelflüh. «Die Frauen waren in den Kriegsjahren angespannt, denn oft mussten sie sich allein um die Familie und das Haus kümmern», erklärt Verena Ma­this.

Der fortschrittliche Frauenverein entlastete mit dem Kindergarten die Familien und rief eine Mütterberatungsstelle ins Leben. «Er kümmerte sich aber auch um die Internierten», ergänzt die 66-Jährige. Sogar Weihnachtsgeschenke hätten die Frauen für die ausländischen ­Armeeangehörigen organisiert.

Und der Verein ging mit der Zeit: Nach Kriegsende bot er Kochkurse für Männer an und eröffnete in den Sechzigerjahren die Brockenstube. «Sie ist noch heute unsere Haupteinnahmequelle», sagt Verena Mathis.

Das Dändlikerhaus

Doch ein anderes Geschäft machte den Frauenverein Lützelflüh über die Dorfgrenze hinaus bekannt: 1983 kaufte er das ­Dändlikerhaus in Ranflüh, ein ehemaliges Ferienheim für Diakonissinnen. Daraus entstand ein Alters- und Pflegeheim, das noch heute in Betrieb ist.

«Im Jahr 2010 haben wir uns dafür entschieden, das Dändlikerhaus in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln», erzählt Verena Mathis. Denn die Verantwortung über ein siebenstelliges Budget und den Infrastrukturausbau sei für den gemeinnützigen Verein zu gross geworden.

«Frauenvereine haben ein Imageproblem: Viele ­fühlen sich zu jung, um im Vorstand mitzuwirken.»

Verena Mathis, abtretende Präsidentin

«Wir sind aber Alleinaktionär», ergänzt sie. Laut Sylvia Eichenberger, die die letzten vier Jahre als Kassiererin amtete, wird keine Dividende ausbezahlt. Im Gegenteil: Der Gemeinnützige Frauenverein spendet den Reingewinn der Brockenstube ans Dändlikerhaus.

Auch etwas für Jüngere

Nebst dem jährlichen Beitrag von zwanzig Franken leisten viele der knapp 200 Vereinsmitglieder auch heute noch freiwillige Einsätze im Heim. «Sie kochen und spielen, helfen beim Einkaufen und besuchen die Bewohner an Geburtstagen», sagt Verena ­Mathis. Und auch für ältere Personen in Lützelflüh selbst engagieren sich die Frauen: Sie organisieren unter anderem Seniorennachmittage.

«Wir möchten aber vermehrt auch etwas für Familien und jüngere Dorfbewohner bieten», sagt die 40-jährige Sylvia Eichenberger. Denn der Verein habe auch unter 30-jährige Mitglieder. Deshalb sponsert er beispielsweise Schülerinnen und Schülern der Mitglieder das Jahresabo fürs dorfeigene Freibad.

Dekorierte Torten

Die ehemalige Wirtin Marianne Läderach initiierte letztes Jahr das Projekt Kafihüsli. Im ehemaligen Platzgerhüsli bietet der Verein an zwei Nachmittagen pro Woche einen Treffpunkt für Familien, Wanderer und Velofahrer.

«Es ist auch als Begegnungsort für junge Frauen und ihre Kinder gedacht, die alleine nicht in eine Beiz gehen würden», sagt Verena Mathis. Zudem organisiert der Verein jährlich den Mühlimärit, ein Kürbissuppenessen und seit vier Jahren einen Tortenbasar, bei dem jeweils über 25 dekorierte Torten aufgetischt werden.

«Letztes Jahr mussten wir sogar noch nachbacken», freut sich das zuständige Vorstandsmitglied, Claudia Partzsch. Und auch eine andere Idee findet grossen Anklang: «Das Flickatelier läuft wie verrückt», sagt Verena Mathis. Einmal im Monat können die Dorfbewohner den Service nutzen. «Manche bringen einen Sack voller Kinderkleider, die Löcher haben.»

Im Flickatelier werden die Kleider gegen eine Spende auf Vordermann gebracht. «Hauptsächlich kümmern sich unsere Frauen dort aber um kaputte Reissverschlüsse», ergänzt Verena Mathis.

Schwierige Suche

Obwohl ihre Arbeit geschätzt werde, sei es schwierig, neue Mitglieder zu gewinnen. Nächstes Jahr würden zwei weitere Frauen aus dem Vorstand zurücktreten. Findet der Verein keine Nachfolgerinnen, wäre der vierköpfige Vorstand nicht mehr beschlussfähig.

«Frauenvereine haben ein Imageproblem: Viele fühlen sich zu jung, um im Vorstand mitzuwirken», sagt Verena Mathis. Und oft wollten heute junge Frauen nebst Job und Familie nicht noch mehr Verantwortung übernehmen.

Denn das Berufsspektrum der Mitglieder ist breit: Es reicht von Hausfrauen über selbstständige Tortenbäckerinnen bis zu Bankangestellten.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch