Vom Souterrain auf den Laufsteg

Burgdorf

In einem Kelleratelier in Burgdorf entsteht Mode für die grossen Laufstege. Hinter dem Label Nina Yuun steht die Jungdesignerin aus Südkorea.

«Der Designprozess beginnt stets bei mir selbst, bei meinen Erfahrungen und Emotionen», sagt Nina Yoon. Foto: Nicole Philipp

«Der Designprozess beginnt stets bei mir selbst, bei meinen Erfahrungen und Emotionen», sagt Nina Yoon. Foto: Nicole Philipp

Eine steile Treppe führt hinunter in Nina Yoons Reich. Auf wenig Raum stehen Nähmaschine, Bügelbrett und Büsten. An Kleiderstangen hängt die Mode der aktuellen Frühjahr/Sommerkollektion, dahinter die Entwürfe für die Herbst/Winterkollektion. «In meiner Mode verarbeite ich immer auch etwas, was mich persönlich beschäftigt», sagt Nina Yoon.

«Der Designprozess beginnt stets bei mir selbst, bei meinen Erfahrungen und Emotionen», so die Modeschöpferin. Das Thema der neusten Kollektion: Migration. Yoon, die erst seit vier Jahren in der Schweiz lebt, wurde im amerikanischen New Jersey geboren. Aufgewachsen ist sie in Seoul, in Südkorea, wo sie den grössten Teil ihres Lebens verbrachte.

An der Seoul National University besuchte sie ab 2008 den Studiengang Bachelor of Fine Arts, den sie 2011 abschloss. Während dieser Zeit lernte sie auch ihren zukünftigen Ehemann Raphael Kunz kennen. Dieser war während eines Studienaufenthaltes in Seoul. Die folgenden drei Jahre verbrachte das Paar gemeinsam in Südkorea.

Während dieser Zeit konnte Yoon Erfahrungen in der dort ansässigen Modeindustrie sammeln. 2015 beschloss das Paar, auf unbestimmte Zeit in die Schweiz zu ziehen. Hier besuchte sie die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), an der Yoon 2018 den Master of Arts in Modedesign abschloss. Im Zuge ihrer Masterarbeit entstand das Modelabel Nina Yuun.

Ein Hin und Her

Die Entwürfe entstehen in Burgdorf, im Untergeschoss des Hauses ihrer Schwiegereltern. Gefertigt werden die Kleidungsstücke in Yoons Heimat Südkorea. Das Debüt auf Schweizer Laufstegen hatte Nina Yoon, deren Mutter und Grossmutter auch Modedesignerinnen sind, im Herbst letzten Jahres. Während der Talentshow Mode Suisse in Zürich präsentierte sie ihre Frühjahr/Sommerkollektion 2019.

Der Name der Kollektion – «Nabile Ra» auf Koreanisch «Der Flug des Schmetterlings» – ist inspiriert von nordkoreanischen Soldatinnen. Erworben werden kann Ninas Mode auch in Burgdorf. Im Modegeschäft Vestita an der Bahnhofstrasse ist ihre aktuelle Kollektion zu finden.

Geführt wird das Unternehmen von Ninas Schwiegereltern, mit denen sie ein sehr gutes Verhältnis pflegt. Im Nebenerwerb unterstützt sie das Unternehmen mit ihrer Erfahrung und ihrem Fachwissen. «Bei Vestita bin ich zuständig für die Organisation der Shootings und der Konzeption und für die Umsetzung der Werbung», sagt Yoon.

Auch Sonnenbrillen

Neben dem eigenen Modelabel hat Yoon 2017 eine weitere Sparte entdeckt: Unter dem Namen Yuun Eyewear entwirft sie Sonnenbrillen. Laut der Designerin war der Ursprungsgedanke dabei, die Abläufe vom Design bis zur Produktion zu erlernen und zu verbessern.

«Bei Brillen ist das finanzielle Risiko viel kleiner als bei Kleidung», so Yoon. Durch den Auftritt an der Mode Suisse konnte sie viele interessante Bekanntschaften schliessen. Auch die Medien wurden auf sie aufmerksam. So erschien ihr Name bereits in der «Vogue», der «Annabelle» und im Stil-Magazin der NZZ.

Berner Zeitung

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