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Vom uralten Baum zur Skulptur

Die Aushubarbeiten zum Wohnquartier Oberdorf brachten eine etwa 3000 Jahre alte Flusskies-Eiche an den Tag. Inzwischen wurde aus dem zwei Meter langen Fundstück Kunst am Bau.

Sie freuen sich über die Kunstwerke, die aus der alten Eiche gefertigt wurden: Barbara Kummer, Dorfchronistin und Finderin des Strunks, und Rosette Rohrbach Giger (rechts), Mitbesitzerin des Grundstücks, wo er gefunden wurde.
Sie freuen sich über die Kunstwerke, die aus der alten Eiche gefertigt wurden: Barbara Kummer, Dorfchronistin und Finderin des Strunks, und Rosette Rohrbach Giger (rechts), Mitbesitzerin des Grundstücks, wo er gefunden wurde.
Olaf Nörrenberg
Beim Gesundheitszentrum im Oberdorf...
Beim Gesundheitszentrum im Oberdorf...
Olaf Nörrenberg
...sind die Werke zu sehen.
...sind die Werke zu sehen.
Olaf Nörrenberg
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Das um die vorletzte Jahrhundertwende erbaute und nunmehr liebevoll renovierte ehemalige Adam-Schürch-Bauernhaus hat schon etliche Jahre auf dem Buckel. Allerdings ist das geradezu nichts im Vergleich zum hohen Alter des Stammstückes einer Flusskies-Eiche, das im Juli 2015 bei Aushubarbeiten im Oberdorf in Utzenstorf zum Vorschein kam.

Die insgesamt 94 Jahresringe weisen auf ein methusalemsches Alter von etwa 3000 Jahren hin. «Ganz genau konnten die Jahrringe nicht abgeschätzt werden, da es sich dabei ausschliesslich um Kernholz handelt und nicht um Splintholz», erklärt die Dorfchronistin Barbara Kummer.

Der zweite Fund

Sie war es auch gewesen, die vor gut zwei Jahren bei einem ihrer Spaziergänge bei den Aushubarbeiten für die neue Überbauung Oberdorf auf den uralten Eichenstrunk gestossen war. Bereits vor neun Jahren sei man bei Bauarbeiten an der Unterdorfstrasse auf eine etwa 8000 Jahre alte Flusseiche gestossen. Dazu muss man wissen, dass die Region Utzenstorf bis nach Kirchberg Grundwasser aufweist.

Insofern komme bei Bauarbeiten hin und wieder uraltes Schwemmholz zum Vorschein, so Kummer. Um die Bauarbeiten nicht zu ver­zögern, kontaktierte sie den ehemaligen Liegenschaftseigentümer des Bauerngutes. Urs Liechti schaffte das gewichtige Stück Eiche kurzerhand mit einem Traktor zur Seite.

Grosse Freude an der Geschichte des uralten Schwemmgutes bekundete auch die neue Besitzerin der inzwischen mit Mehrfamilienhäusern überbauten Parzelle, Rosette Rohrbach Gyger, von der IP Beteiligungen AG.

Trotzdem weitergewachsen

Die Fachleute des herbeigerufenen Archäologischen Dienstes des Kantons Bern schnitten mit einer Motorsäge eine Scheibe des Eichenschwemmgutes ab, um diese zu analysieren. Dabei sei unter anderem festgestellt worden, dass der Baum im Alter von 60 Jahren eine starke Verletzung erlitten habe, so Kummer. Als Ursache wurden unter anderem Steinschlag oder Blitzschlag vermutet.

«Interessanterweise bildete der Baum ab diesem Ereignis sehr breite Jahrringe», ist auf einer Infotafel an der Fassade des Bauernhauses zu lesen. Und weiter: «Dies lässt darauf schliessen, dass weder Krone noch Wurzelwerk beschädigt wurden und die Verletzung nur lokal in diesem Bereich des Stammes war.»

Auf Grund der Herkunft des Stammes und der Entwicklung der Landschaft sei jedoch anzunehmen, dass der Stamm vor 2000 bis 3000 Jahren abgelagert wurde.

Einen Künstler gesucht

Für die Unternehmerin Rosette Rohrbach Giger, die während dreissig Jahren in Utzenstorf gelebt und gearbeitet hat, war klar, dass das geschichtsträchtige Ei­chenstück der Nachwelt erhalten bleiben sollte. Und zwar in Form von Kunst am Bau. Zusammen mit ihrem Mann Alfred Giger machte sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Künstler, der das Stück Eiche ins beste Licht rücken sollte.

Diesen fanden sie nach langer Suche in der Person des Holzkünstlers Ruedi Anken aus dem bernischen Uebeschi. Mit ganz besonderem Feingefühl und Können habe sich Anken dem uralten Stück Eiche und dessen Geschichte gewidmet, sagt Rohrbach.

Aus dieser Affinität heraus entstanden vier formreduzierte Skulpturen, die heute in und um das historische Bauernhaus stehen. Im Gebäude befindet sich nach der Renovierung nebst Wohnungen auch das Utzenstorfer «Xundheitszentrum».

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