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Die Feuz-Fans feierten, bis der Stalldienst rief

Für den Fanclub von Beat Feuz hat sich das Wachbleiben gelohnt. Seine Anhänger trafen sich in der Roseggli-Bar in Bumbach, um die Olympiaabfahrt ihres Helden gemeinsam zu verfolgen.

Fans fiebern in Bumbach mit Beat Feuz mit. <i>Video: SDA</i>

Um zwei Uhr morgens hat es wenigstens nicht viel Verkehr. Die Fans von Beat Feuz fahren ungestört in das Heimatdorf des Skirennfahrers: nach Schangnau, genauer gesagt nach Bumbach. Dorthin, wo der 31-Jährige aufgewachsen ist und seine ersten Meter auf Skiern zurücklegte. Das Schlafmanko macht sich bei den Anreisenden bemerkbar, doch die Kälte und starker Kaffee schützen vor dem Sekundenschlaf.

Denn manche nehmen lange Fahrten auf sich, um gemeinsam mit dem Fanclub die Olympiaabfahrt der Männer zu verfolgen: Von Langnau, Schüpfheim, Wiggen und Oberdiessbach reisen sie nach Bumbach in die Bar der Restaurants Roseggli. Für einige ist es bereits der zweite Anlauf, nachdem das Rennen letzten Samstag kurzfristig abgesagt worden war.

Rund eine Stunde vor Rennstart ist Schangnau noch nicht aus dem Schlaf erwacht, nur vereinzelt brennt Licht in den Häusern. Doch beim Einbiegen auf den Restaurantparkplatz neben der Bumbacher Skipiste staunt man nicht schlecht über die vielen Autos. Etwa fünfzig Fans wollen Beat Feuz trotz grosser Zeitverschiebung gemeinsam anfeuern. Während die einen mit Wasser und noch mehr Kaffee versuchen, ihren Kreislauf morgens um drei in Schwung zu bringen, um trotz der hohen Temperaturen in der vollen Bar nicht umzukippen, sind andere bereits über das erste Bier hinaus.

Trotzdem ist die Stimmung nicht nur wegen des anstehenden Rennens etwas angespannt: Der grosse Medienauflauf macht den einen oder anderen Einheimischen etwas verlegen. Aber um Beat Feuz sorgen sie sich nicht: «Ich bin überzeugt, dass er in guter Verfassung ist und alles aus sich rausholen wird, was irgendwie möglich ist», sagt ein älterer Schangnauer – und hofft natürlich, wie Beat Feuz selber auch, auf nichts weniger als die Goldmedaille.

Gegen halb vier Uhr sucht sich jeder einen Platz mit guter Sicht auf einen der beiden Fernseher. Es wird ruhiger in der Bar. Mit glänzenden Augen verfolgen die Feuz-Fans die ersten vier Abfahrten. Hier ein «Uiii», da ein Lachen über Fehler der Konkurrenten, aber auch Applaus für gute Leistungen. «Die Spannung steigt», sagt einer und schaut gebannt auf den Bildschirm.

Die Startnummer 7 habe Beat Feuz, liessen sich Banausen vor dem Rennen belehren. Als der Fanclub aber bereits den fünften Starter lauthals anfeuert, ist auch Neulingen klar, dass es nur Beat Feuz sein kann, der jetzt den Berg hinunterrast. Die Koordinatorin seines Fanclubs, Helga Gerber, kann ihre Nervosität nicht verbergen: «Ich kann gar nicht hinsehen!»

Während der Fahrt ist es in der Bar fast mucksmäuschenstill. Nur bei einem kleinen Ausrutscher und den Zwischenzeiten geht ein Raunen durch den Raum: «Yes, heja, das kommt gut!» Die Anzeige der Zwischenzeit ist grün, Beat Feuz ist schneller unterwegs als die vier ersten Fahrer. Genaue Zeitangaben sind auf den relativ kleinen Bild­schirmen aus der Ferne nicht zu erkennen.

Aber die Fanliebe steckt an, die Gänsehaut überträgt sich auch auf Aussenstehende. «Yes, brings nach unten!», schreit jemand. Und das macht Feuz dann auch. Die Zeitdifferenz zum vormals besten Fahrer erscheint nach der Ziellinie in Grün. Die Fans jubeln und fallen sich strahlend in die Arme. «Ich habe bald einen Herzinfarkt», keucht Helga Gerber.

Die Freude hält nicht lange. Svindal und Jansrud übertrumpfen Feuz’ Zeit. Die Fans kommentieren die beiden Abfahrten: «Nein, nicht gut! Gar nicht gut!» Ihr Held fällt auf den dritten Platz zurück. Jetzt heisst es abwarten. Die Mutter des Rennfahrers, Hedi Feuz, sitzt mit Tränen in den Augen am Bartresen. Die Nervosität ist ihr ins Gesicht geschrieben. Gespannt verfolgt sie das erste Interview ihres Sohnes und die folgenden Fahrer. Danach geht sie nach draussen, um frische Luft zu schnappen. Als sie zurückkommt, ist der Fall klar: Beat Feuz hat die Bronzemedaille gewonnen. «Beat freut sich auch über Bronze!», bestätigt die Mutter.

Bei Startnummer 27 gibts Champagner für alle, mit Fangesängen und Trinksprüchen stossen sie auf Beat Feuz’ Leistung an. Während die Fans ausgelassen feiern, machen sich andere auf den Weg nach Hause. Das Gefühl, dass die Welt in Schangnau noch in Ordnung ist, hat sich wieder einmal bestätigt: Ob Gold oder Bronze – man ist stolz auf den heimischen Skirennfahrer.

Kaum losgefahren, kommt ein grosser Transporter entgegen. Er liefert wohl das Feuerwerk, das der Club für den Fall eines Medaillengewinns angekündigt hatte. Der Aufbau sollte aber nun zackig vonstattengehen, denn es ist 4.30 Uhr morgens. Einige der Fans müssen in einer Stunde den Stalldienst antreten.

Freude im Hotel Roseggli über die Fahrt ihres Helden Beat Feuz. Danach heisst es bangen: Reicht die Zeit für einen Medaillengewinn?
Freude im Hotel Roseggli über die Fahrt ihres Helden Beat Feuz. Danach heisst es bangen: Reicht die Zeit für einen Medaillengewinn?
Marcel Bieri
Auch Heidi Feuz (2.v.l.), die Mutter von Beat Feuz, drückt ihrem Sohn die Daumen.
Auch Heidi Feuz (2.v.l.), die Mutter von Beat Feuz, drückt ihrem Sohn die Daumen.
Marcel Bieri
Und dieser geniesst auch den dritten Platz an den Olympischen Spielen.
Und dieser geniesst auch den dritten Platz an den Olympischen Spielen.
Keystone/Jean-Christophe Bott
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