Wie damals zu Hause in der Küche

Ranflüh

Das Alters- und Pflegeheim Dändlikerhaus wurde zur Backstube: Fast alle Bewohner nahmen am grossen Güezibacken teil. Erinnerungen an damals, an die ei­gene Kindheit wurden wach.

Vier Generationen an einem Tisch: Der anderthalbjährige Emilian sticht Sterne aus dem Teig, Mami Fabienne von Gunten, Urgrossmutter Ida und Grossmutter Priska schauen, dass es gut kommt.

Vier Generationen an einem Tisch: Der anderthalbjährige Emilian sticht Sterne aus dem Teig, Mami Fabienne von Gunten, Urgrossmutter Ida und Grossmutter Priska schauen, dass es gut kommt.

(Bild: Andreas Marbot)

Im Aufenthaltsraum des Altersund Pflegeheims herrschte am Wochenende ungewohnte Betriebsamkeit, alle Tische waren besetzt. Zusammen mit ihren Töchtern, Schwiegertöchtern, Gross- und Urgrosskindern – auch einem Sohn und einem Schwiegersohn – durften die Senioren an diesem Nachmittag Weihnachtsgüezi herstellen.

Momente des Glücks

Am Ecktisch der Familie Friedli wird der Teig für Zitronenmöndli ausgewallt. Grosi Priska Friedli hantiert mit dem Wallholz, Urgrosi Ida Friedli schaut zufrieden zu, und der kleine Emilian sitzt auf dem Schoss von Mama Fabienne von Gunten und nascht, wo er kann. Mit anderthalb Jahren ist er das erste Urgrosskind der seit etwa vier Jahren im Dändlikerhaus wohnenden Ida Friedli. «Die Familie bedeutet mir alles, ich bin so glücklich, dass sie da sind», sagt sie. Ihre Hände legt sie müde in den Schoss, die hätten ihrer Lebtag viel Arbeit ­geleistet, meint die 90-jährige ehemalige Bäuerin.

Nun duftet es wieder, wie damals in ihrer ­Küche, wenn sie mit ihren drei Kindern am Güezibacken war. Manchmal hätten sie dazu gesungen, erzählt sie. Das alte Rezept für die Zitronenmöndli stammt natürlich von ihr: «Nur Zucker, geriebene Mandeln, Zitronenzesten und Eiweiss, weder Butter noch Mehl sind im Teig», weiss sie noch. «Aber ich machte natürlich viele Sorten, auch Brunsli, Mailänderli, Haselnussstängeli, Zimtsterne und Änischräbeli – die hatte ich am liebsten.» Heute fehlen diese allerdings im Sortiment, weil sie etwas hart zum Kauen sind. An jedem Tisch wird eine andere Güezisorte zubereitet, die Angehörigen brachten Arbeitsmaterial und Teig mit.

Es gibt zu tun

Inzwischen ist der Teig mit einem halben Zentimeter Dicke parat zum Ausstechen. Alle legen Hand an, es gibt zu tun, nur Urgrosi Ida träumt vor sich hin. Es entstehen nicht nur kleine und grosse Möndli, sondern auch allerlei Kometen, Sterne, Engel und was sonst noch im Himmel herum-fliegt. Bald ist das erste Blech voll und wird mit der Anweisung, «12 Minuten bei 160 Grad», in die Küche geschickt. Es hat noch mehr Teig, aber dem Kleinen ist die Arbeit verleidet, er hat draussen eine Katze entdeckt. Urgrosi Ida lächelt verständnisvoll, zu Hause hatten sie auch immer Katzen.

Umtriebe und Gewinn

«Uns ist es ein Anliegen, dass sich die Senioren zu Hause fühlen», betont Heimleiter Erich Hurni, «auch wenn so ein Güezibacktag Umtriebe mit sich bringt.» Im Dändlikerhaus, das einst das Hotel Emmental und später ein Ferienheim für Diakonissen war, ist heute eine Pension für 21 Senioren. Hier herrscht eine familiäre Atmosphäre. Denn man kennt einander, auch die Angehörigen, die oft und gern hereinschauen. Dazu kommen die Kinder vom nahen Schulhaus ab und an zu ­Besuch.

An Aktivitäten mangelt es nicht: Turnen, Singen, Jassen, Kartenschreiben und vieles mehr. Auf seine Umfrage hin hätten die Angehörigen spontan ihre Mithilfe zugesichert. So konnte dieses erste gemeinsame Güezibacken gewagt werden. Und mit dem köstlichen Duft, der beim Backen durch die Räume zieht, leben alte Zeiten wieder auf – es weihnachtet.

Berner Zeitung

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