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Wie der Ex-Banker zum Beizer wird

Der ehemalige Kreditberater Florian Rau ist heute Besitzer einer Brockenstube, Transportunternehmer und Museumsdirektor. Jetzt kommt noch ein Oldtimerliebhaber-Café in Wasen dazu.

Tausendsassa mit Sammlerflair: Florian Rau in seiner künftigen Gaststube, umgeben von schmucken Gegenständen aus den 50er und 60er Jahren.
Tausendsassa mit Sammlerflair: Florian Rau in seiner künftigen Gaststube, umgeben von schmucken Gegenständen aus den 50er und 60er Jahren.

Eins stellt Florian Rau schon zu Beginn klar: «Ich will keine Suffkumpane in meinem Café.» Was sich nach arroganter Unflätigkeit anhört, begründet der 41-Jährige aber kurze Zeit später. Er wolle nicht um alles in der Welt eine Beiz eröffnen, sondern dies sei eine Begleiterscheinung der Oldtimersammlung, die er seit einem guten Jahr in Wasen ausstellt.

«Das Lokal richtet sich an Museumsbesucher und andere Oldtimerliebhaber», so Rau. Deswegen sehe er auch keine Gefahr, vom umgreifenden Beizensterben im Emmental betroffen zu sein. So konkurrenziere er auch nicht mit dem zwei Häuser weiter gelegenen Restaurant Grütli. Im Gegenteil: «Grosse Speisen werde ich nicht anbieten, sondern Getränke und Snacks. Wer ein Menü essen will, den werde ich ins Grütli schicken.»

Bewunderer bewirten

In der ehemaligen Autogarage an der Dorfstrasse plant der Ex-Banker eine einfache Wirtschaft, wie man sie in jeder beliebigen Garage antreffen könnte. Dem Vater zweier Töchter ist wichtig, dass dabei der Garagencharme erhalten bleibt. Doch auch gesetzliche Vorgaben spielen eine Rolle: Ab 2019 braucht man neu ebenfalls ein Patent, um weniger als dreissig Leute zu bewirten. Rau: «Deswegen habe ich die Genehmigung schon vor längerer Zeit angefordert.» Schon jetzt können Oldtimerfreude bei ihm einen Gruppenanlass mit Bewirtung buchen.

Ehe aber die Gäste zwischen den rund 300 Fahrzeugen regelmässig einkehren können, steht noch viel auf dem Programm. Rau plant etwa einen Anbau ans Haus, der wie auch das Gesuch um Eröffnung einer Apérowirtschaft noch bis Ende Jahr bei der Gemeinde Sumiswald aufliegt.

Entsprechend vage äussert sich der gebürtige Wasener, wenn es darum geht, ein Eröffnungsdatum für die Beiz zu nennen. «Vielleicht im Frühling oder auch erst im Juni. Das Bauprojekt ist natürlich wetterabhängig.» Mit dem Bauprojekt meint Rau den Anbau, der mehr Platz für seine Oldtimersammlung und weitere Kuriositäten bieten soll. Denn die Sammlerlust endet bei ihm nicht bei motorisierten Gefährten und Booten. In der zukünftigen Gaststube stehen allerlei Gegenstände aus den 50er- und 60er-Jahren. Blechdosen, für die manch ein Dekofreak mehrere Banknoten hinblättern würde, Persil-Verpackungen, die nach heutigen Werbegrundsätzen wegen ihrer Schlichtheit unvorstellbar wären, oder eine Türe mit Sprite-Aufkleber, bei dem jüngere Besucher nur wegen des Textes das populäre Getränk erkennen.

«Fast zu wenig Zeit»

So erstaunt es kaum, dass Florian Rau neben seinem Oldtimermuseum in Eriswil eine Brockenstube führt. Auch dort soll bald eine angeschlossene Beiz eröffnet werden. Daneben ist der Berner im Umzugsgeschäft tätig und übernimmt auch Transporte. «Im Moment habe ich fast zu wenig Zeit, um alles unter einen Hut zu bringen», gesteht Rau, «denn ich selbst kann ja immer nur an einem Ort sein.»

Entsprechend will er sich auch nicht auf die Äste rauslassen, wann die Beiz in Wasen jeweils geöffnet sein könnte. «Es ist möglich, dass sie fixe Öffnungszeiten haben wird, aber es ist auch denkbar, dass ich sie aufmache, wenn ich gerade Zeit habe.» Denn: «Es ist überhaupt nicht mein Ding, auf Gäste zu warten, die dann irgendwann vielleicht einen Kaffee bestellen, da werde ich nervös. Ich muss etwas tun.»

Sehen, wie es sich entwickelt

So hofft der Kreditexperte drauf, dass er sich einen Namen machen kann und Leute bei ihm einkehren, die gleichzeitig auch das Museum, die Werkstatt und seine vielen Schätze zu würdigen wissen. Ebenfalls offen lässt Rau, ob er Personen anstellen wird, damit der Betrieb auch bei Abwesenheit weiterläuft. «Schauen wir mal, wie sich das Ganze weiterentwickelt.»

Und zur Not hätte Florian Rau auch noch dreizehn Jahre Berufserfahrung in der Bankbranche aufzuweisen. Er könne sich vorstellen, irgendwann in diesen Bereich zurückzukehren, «der Anzug und die Lackschuhe stehen nach wie vor im Schrank, aber sie setzen langsam Staub an».

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