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Wo der Nachwuchs ausschwärmt

Seit 125 Jahren widmet sich der Verein Trachselwalder Bienenfreunde dem Wohle der fleissigen Bestäuber. Einst hielten vor allem Landwirte Bienen. Heute wird es mehr und mehr zum Hobby einer breiteren Schicht.

Bienenfreunde: Heinrich Leuenberger und Walter Lehmann.
Bienenfreunde: Heinrich Leuenberger und Walter Lehmann.
Olaf Nörrenberg

Ziemlich weit hinter Wasen, im Hornbach, fliegen spezielle Bienen des Vereins Trachselwalder Bienenfreunde. Oberhalb des Restaurants Riedbad am Fusse des Napfs sind sie ungestört. Am Hang gelegen findet sich die sogenannte Belegstation der Trachselwalder Bienenfreunde. Dort schwärmen die fleissigen Bestäuber aus ins bewaldete Hügelgebiet und sorgen für Nachwuchs. «In der Belegstation ­werden Königinnen begattet», erklärt der Verantwortliche Heinrich Leuenberger. Er und die rund 330 Vereinsmitglieder können heuer feiern. Seit dem 9. Oktober 1892 widmet sich der Verein nämlich dem Wohle der Bienen. Das sind nun 125 Jahre.

«Wir freuen uns, auf eine solch lange Vereinsgeschichte zurückzublicken», sagt Präsident Walter Lehmann. Rund zwanzig Bienenhalter gründeten damals den Verein mit dem Ziel, gegenseitig Erfahrungen in Sachen Bienenhaltung auszutauschen und Lehrkurse abzuhalten. Ein weiteres Ziel war es, den Honigverkauf zu regeln. So wurde der Preis für ein Kilogramm Honig auf zwei Franken festgelegt. Wer unter diesem Preis verkaufte, musste mit einer Busse von fünf Franken rechnen.

Über 500 Mitglieder

Der neue Bienenzüchterverein fand in der Region rasch Gehör. So meldeten sich zum ersten Anfängerkurs gleich 21 Teilnehmer an. Und es sollte noch besser kommen. 1942 waren 530 Bienenzüchter im Verein organisiert. «Damals wurden in der Region fast auf jedem Bauernhof ein paar Bienenvölker gehalten», weiss Heinrich Leuenberger. Der Grund war pragmatischer Art: «Landwirte, die Bienen züchteten, konnten Zucker günstiger einkaufen», erklärt er. Zudem sei das Handwerk der Bienenhaltung damals deutlich einfacher gewesen. «Krankheiten und Schädlinge waren kaum bekannt, und die Bienen konnten über den Winter sich selbst überlassen werden», so der Bienenzüchter.

Heute sei das Halten der Bienen aufwendiger. Vorab wegen eines Parasiten, der Varroamilbe und wegen der Krankheiten Faul- und Sauerbrut, brauchen sie deutlich mehr Pflege. Zudem setze den Bienen auch der Einsatz von Chemikalien in der Landwirtschaft und in Gärten zu. Ein Thema unter den Imkern sind aber ebenso die «eintönig grünen Felder im Sommer», sagt Vereinspräsident Walter Lehmann. Denn sobald die Landwirte ihr Heu eingebracht haben, fehlt den Bienen eine Nahrungsgrundlage. «Während solcher Trachtpausen finden sie oft zu wenig Nahrung, und wir müssen nachfüttern», erklärt der Präsident. Ein Problem seien auch die neuzeitlichen Mähmethoden mit kräftigen Maschinen. Den modernen Maschinen würden viele Bienen zum Opfer ­fallen.

Auch wenn die Anzahl Mitglieder in den vergangenen Jahren auf 330 Bienenfreunde zurückgegangen ist, ist die Bienendichte im Vereinsgebiet kein Problem. «Durchschnittlich pflegt jedes Mitglied etwa 15 Völker», sagt Lehmann. Allerdings seien es heute nicht mehr nur Landwirte, die sich der Imkerei widmen. «Auch zahlreiche Privatleute aus unterschiedlichen Berufen haben die Bienen entdeckt. Darunter zunehmend Frauen.»

Dafür, dass die Bienen im Emmental nicht aussterben, sorgen die Bienenfreunde gleich selber mit der vereinseigenen Belegstation beim Riedbad. Dort werden pro Saison bis zu 500 Königinnen in sogenannten Vatervölkern begattet, um später selbst ein neues Bienenvolk aufzubauen (siehe Kasten).

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