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Er lässt Thuns Geschichte neu aufleben

ThunThomas Müller sammelt historische Fotos, Postkarten und Dokumente von und über Thun. Er hat ein

Alte Prospekte, Ansichtskarten und Fotos sind schwer, liegen irgendwo herum. Und brauchen extrem viel Platz. Nach Jahren in der Rolle von Staubfängern geraten sie in Vergessenheit. Niemand interessiert sich mehr für sie, und irgendwann landen sie im Altpapier. Das ist das Schicksal von vielen alten Sachen in privaten Haushaltungen. Bei Thomas Müller aus Thun läuft das ganz anders. «Einmal hat mir eine Kollegin eine Schachtel voller alter Stadtratsprospekte geschenkt», erzählt er. «Ich habe sie eingescannt, damit ich sie nicht im Estrich stapeln muss.» Genau so verfuhr er auch mit alten Fotos, Postkarten mit Sujets von Thun, politischer Propaganda und Werbematerial aus der Hotelbranche. Er begann, das historische Material aktiv zu sammeln und laufend zu digitalisieren. Im Winter 2009 hat er seine Fleissarbeit erstmals im Internet aufgeschaltet. Die Frequenzen waren aber gering, und Müller kümmerte sich nicht mehr so sehr darum. «Erst bei den Thuner Wahlen 2010, als die Stapi-Kandidaten Wahlkampf betrieben, wurde ich daran erinnert, dass ich die Arbeit am Projekt wieder aufnehmen sollte.» Freunde hätten ihn dann dazu ermuntert, daraus etwas Öffentliches zu kreieren. Die Frucht des Schaffens ist das virtuelle Thunarchiv www.thunensis.com – eine digitale Schatztruhe mit über 300 historischen Bildern, die zum Teil mehr als 100 Jahre alt sind und Dokumenten, die bis aufs Jahr 1966 zurückdatieren. Wie ging es in den schmutzigen Arbeitshallen der Schweizerischen Metallwerke Selve & Co. zu und her? Und wie sah das Interieur des EPA-Restaurants aus, als es noch existierte? Welche Visionen und Ziele verfolgten die Stadtratskandidaten von 1966 und was versprachen sie? Historisch Interessierte müssen sich jetzt nicht mehr einen Stapel Bücher anschaffen, um eine Antwort auf diese Fragen zu finden. Private gruben alte Fotos aus Hinter dem Online-Thunarchiv steckt Thomas Müller als treibende Kraft. Doch nicht nur er sorgt dafür, dass die Vergangenheit der Kyburgstadt in zukunftstauglicher Form wieder auflebt. «Zwei bis drei Personen helfen regelmässig mit, Texte zu erfassen und den Archivbestand laufend zu erweitern», sagt Müller, der kein Historiker, sondern gelernter Informatiker ist (vgl. Kasten). Besonders interessante Bilder habe er vom Thuner Fotografen Christian Helmle erhalten. «Ich finde seine Aufnahmen von den Selve-Metallwerken sehr authentisch. Er ist einer, der frech hingeht und einfach abdrückt, ohne Vorwarnung.» Unterdessen haben sich aber auch vermehrt Privatpersonen bei Müller gemeldet, die in ihren staubigen Schubladen historisch wertvolles Material ausgegraben hatten. So ist der Thunensis-Betreiber beispielsweise in Besitz von raren Fotos der ehemaligen Konstruktionswerkstätte auf dem Ruag-Areal gekommen. «Ich wusste gar nicht, dass die in den 20er-Jahren Doppeldecker-Flugzeuge bauten.» Kostenlos und für alle Das Thunarchiv basiert auf privater Initiative. Müller stellt das Material einem breiten Publikum kostenlos zur Verfügung. Thunensis verfolgt keine kommerziellen Absichten und finanziert sich von Sponsoring und freiwilliger Mitarbeit. «Alle, die am Projekt interessiert sind, sind eingeladen, ihre historischen Dokumente und Bilder zur Verfügung zu stellen und so den Ausbau der Website mitzugestalten», sagt Müller. Zu diesem Zweck findet sich auf der Homepage ein Kontaktformular. Müller sagt, er sei auch daran interessiert, künftig mit offiziellen Stellen zusammenzuarbeiten. Das Stadtarchiv Thun habe er bereits kontaktiert, aber bisher noch keine Antwort erhalten.Dino Dal Farrawww.thunensis.com >

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