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Erste Lokführer sind 50 plus

Die Kleineisenbahn auf dem Gurten wurde 1960 gebaut. Am Wochenende wird auf dem Hausberg das 50-Jahr-Jubiläum

«1960 war ich 21 Jahre alt, hatte eben den Leutnant abverdient. Es war Frühling, und mein Studium an der ETH begann erst im Herbst. Also musste ich noch einen Job suchen.» Der heute 71-jährige Berner Architekt und Jazzpianist Franz Biffiger erinnert sich, dass im Anzeiger die Stelle eines Helfers für den Kinderspielplatz auf dem Gurten ausgeschrieben war. Biffiger bewarb sich, und weil der Sohn des damaligen Gurtenbahn-Chefs in Biffigers Band Posaune spielte, erhielt er den Job. «Es gab nur zwei Loks» Am 21.Mai 1960 wurde die Kleineisenbahn eröffnet, nachdem hundert Jugendliche drei Wochen lang geschaufelt, Geleise verlegt und Signale aufgestellt hatten. Die Gurtenbahn suchte dann Leute, die Billette verkauften, den Platz aufräumten, Weichen stellten und die Lokomotiven fuhren. «Es gab in den Anfängen nur zwei Loks, eine elektrische und eine mit Dampf betriebene», erzählt Biffiger. Letztere wurde nur an speziellen Anlässen aus dem Depot geholt und von einem echten, pensionierten Dampflokomotivführer gefahren. «Ich machte eine kurze Einführung und war dann der erste Lokführer auf dem Gurten, durfte aber nur die elektrische Lok bedienen.» Ein paar Monate – «praktisch täglich» – war er auf dem Gurten im Einsatz. Er habe auch etwas verdient, wie viel, wisse er heute nicht mehr. «Es hat Spass gemacht, Probleme gabs mit den Kindern nie, ab und zu aber mit Eltern.» Da habe es Väter gegeben, die an der Kasse vordrängeln wollten, die gemeckert hätten, wenn sie ein bisschen warten mussten. Biffiger ist nicht Lokführer geblieben. Im Herbst 1960 begann er sein Architekturstudium an der ETH. Von 1972 bis 1977 war er für die SP im Stadtrat, von 1975 bis 1992 im Grossrat. Biffiger spielte an renommierten Festivals und mit unzähligen Jazzgrössen zusammen – und im Militär brachte es der Gurten-Kleineisenbahn-Lokführer-Leutnant zum Obersten. 12-jährig im Führerstand 1964, vier Jahre nach der Inbetriebnahme der Kleineisenbahn, wurde der Tunnel gebaut. Und ein Jahr später hatte der damals 12-jährige Peter Weber – wie Dutzende andere Schulkinder – seine Freizeitbeschäftigung als Spielplatzhelfer auf dem Gurten gefunden. «Ich durfte von Anfang an Lokomotive fahren, die grüne Bm 4/4 II, auf welcher schon Biffiger fuhr.» Wenig später fuhr Weber auf der «Ruth», einer roten, dieselelektronischen Lok. Sie fährt heute noch. Zu seinen Aufgaben gehörten nicht nur Zugfahren, sondern auch Stellwerkbedienen, Kasseführen, Billetteverkaufen und -kontrollieren. «Wenn schöne Modis einstiegen, entwertete ich ihr Billett nicht gleich und liess sie noch eine, zwei Runden gratis fahren – da habe ich jeweils ziemlich gepunktet.» Eine Fahrt habe damals 40 Rappen gekostet. «Bei zweifelhafter Witterung mussten wir bei der Gurtenbahn anfragen, ob wir kommen müssen», erinnert sich Peter Weber. Von 1969 bis 1973 war er auch Mitglied des Chutzenrates, eines Vereins, dessen Mitglieder sich verdienstvoll um den Gurten-Spielplatz gekümmert haben. Heute sind auf dem Gurten vier Dampf- und vier Elektroloks im Einsatz. Und ab Samstag fährt ein neuer Zug: Zum Jubiläum wird um 12.15 Uhr die Zahnradbahn «Kometin» auf Jungfernfahrt geschickt. Das Bahntrassee wurde um eine steile Schlaufe erweitert, wo die Zahnräder zum Einsatz kommen. Freiwillige der ersten Stunde werden am Fest teilnehmen, auch Biffiger und Weber. Urs WüthrichSamstag/Sonntag: Spielparkbetrieb ab 10 Uhr. Am 1.5., 11.15 Uhr, beginnt das öffentliche Fest mit Spiel und Spass, einem Wettbewerb und einer Diskussionsrunde. Peter Weber sucht unabhängig vom Fest ehemalige Freiwillige und Chutzenrat-Mitglieder: pmsw@bluewin.ch. >

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