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«Es wird hart gekämpft»

Der Berner Volkswirtschaftsprofessor Reto

Die Lohnerhöhungen fallen in diesem Jahr in der Region Bern im Schnitt um rund 2 Prozent tiefer aus als letztes Jahr. Ist das ein Abbild der Krise? Reto Föllmi: Selbstverständlich spielt die Konjunktur eine bedeutende Rolle. Noch entscheidender werte ich allerdings die Tatsache, dass es dieses Jahr praktisch keine Teuerung gab. Somit fallen Nominallohnerhöhungen entsprechend geringer aus. Dürfen die Arbeitnehmer trotzdem zufrieden sein? Verglichen etwa mit den Rezessionen in den 90er-Jahren, als die Kaufkraft abgenommen hat, werte ich die diesjährigen Ergebnisse als gutes Resultat. Ein Grossteil der Arbeitnehmer kann von einer Reallohnerhöhung profitieren, und das ist in der momentanen konjunkturellen Situation nicht selbstverständlich. Ein Grossteil des Lohnzuschlags wird durch die steigenden Krankenkassenprämien aber gleich wieder aufgefressen. Das stimmt nur teilweise. Die steigenden Gesundheitskosten werden bei der Berechnung der Teuerung durchaus berücksichtigt, wenn auch nicht explizit die Krankenkassenprämien. Viele Arbeitgeber haben noch nicht entschieden, ob sie dem Personal für nächstes Jahr eine Lohnerhöhung gewähren wollen. Befürchten die Unternehmer, dass die Talsohle der Krise noch nicht erreicht ist? Ich stelle jedenfalls eine gewisse Unsicherheit fest. Es ist aber nicht ungewöhnlich, dass in schwierigen Zeiten mit härteren Bandagen um die Löhne gefeilscht wird. Schliesslich ist in einer Krise der zu verteilende Kuchen kleiner. Trotzdem wurde die Volkswirtschaft des Kantons Bern von der Rezession nicht so hart getroffen wie erwartet. Wie erklären Sie sich das? Bern ist der Konjunktur etwas weniger stark ausgesetzt, weil der Anteil an Finanzdienstleistungen kleiner ist als beispielsweise in Zürich, Basel oder Genf. Gleichzeitig gibt es hier sehr viele Arbeitsplätze im öffentlichen Sektor. Interview: phm Reto Föllmi (34) ist Professor für Makro-ökonomie an der Universität Bern. >

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