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Figaro, Figaro, Figaro, Figaro!

Wir Zeitungsschreiber wissen: Geschichten verkaufen sich nicht von selber. Dabei muss man sich schon ein bisschen anstrengen. Zum Beispiel, indem man das zu Berichtende stilistisch flott verpackt und gelegentlich eine griffige Wortschöpfung einstreut. Manche dieser Kreationen erweisen sich in der Folge als derart schmackhaft, dass sie von anderen Schreibenden übernommen und dabei rasch zum unverzichtbaren Würzmittel so mancher Druckspalte werden. Zu dieser Ehre gekommen ist zum Beispiel die altgriechische Sirene: Neuerdings wird jede Chanteuse mit ausgeprägter Kopfstimme und erotischem Touch unweigerlich als «Popsirene» tituliert. Wetten, dass der grösste Teil der Leserschaft dieses Konstrukt mit «Alarmsirene» in Zusammenhang bringt und nicht mit jenen singenden weiblichen Fabelwesen, von denen der klassische Dichter Homer kündet? Aber egal – Hauptsache, es tönt irgendwie gut. Jüngst ist ein neuartiger Begriff von besonderem Charme aufgetaucht. In einer regionalen Zeitung wurde der Meisterkoch Fredi Boss, der im April das Burgdorfer «Stadthaus» übernimmt, geradezu poetisch als «Küchenfigaro» apostrophiert. Figaro? Das ist doch eine burschikose Bezeichnung für «Coiffeur», oder etwa nicht? Ein Blick in den Duden bestätigt: «Figaro, Lustspiel- und Opernfigur, scherzhaft auch für ‹Friseur›». Nun also könnte man diesen nicht ganz korrekt formulierten Ehrentitel für den künftigen «Stadthaus»-Chef als hübsche Stilblüte ad acta legen, würde er nicht eine Woche später in einer anderen Regionalzeitung wiederum auftauchen: Fredi Boss, der kochlöffelschwingende «Küchenfigaro». Wie das wohl zu deuten ist? Man wird kaum annehmen müssen, dass der Kochstar in seiner Küche auch noch Haare wäscht, färbt, schneidet und frisiert. Vermutlich ist «Figaro» eine verzwickte Anspielung auf den Barbier dieses Namens, den Mozart und Rossini in je einer Oper unsterblich gemacht haben. Sänger, die den «Figaro» geben, müssen wahre Meister ihres Fachs sein, Virtuosen eben. So sind denn wohl die Begriffe «Figaro» und «Virtuose» ein wenig durcheinandergepurzelt und haben sich am Ende flugs zum «Küchenfigaro» gefügt. Das ist nun aber dermassen herzerfrischend, dass es schade wäre, wenn man es nicht kopieren und weitertragen würde. Bezeichnen wir also den Burgdorfer Stadtorganisten Jürg Neuenschwander künftig als Orgelfigaro, Gemeinderat Peter Urech als Politfigaro, den Goldschmied Kurt Neukomm als Schmuckfigaro und den Künstler Heinz Egger als Pinselfigaro. Was wäre demnach ein Jüngling, der sich trefflich auf das Frisieren von Mofamotoren versteht? Natürlich ein Mofafigaro, ein Töfflifriseur also – was den Nagel exakt auf den Kopf trifft.Hans Herrmann>

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