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Mit 66 Jahren, da fängt die Schule an

MurtenInteressante Begegnungen und Gespräche: Der Besuch von Seniorinnen und Senioren im Klassenzimmer fördert das Verständnis zwischen Alt und Jung.

Marianne Bart muss im Unterricht gut beobachten können und Geduld haben.
Marianne Bart muss im Unterricht gut beobachten können und Geduld haben.
zvg

Für viele Schulkinder ist es eine Abwechslung, wenn einmal wöchentlich neben der Lehrerin eine Seniorin im Unterricht dabei ist. «Es gibt schöne Begegnungen und Gespräche. Die Kinder gehen offen auf Marianne Bart zu», erzählt Bernadette Aebischer. Die Lehrerin nimmt seit drei Jahren mit ihrer Klasse am Projekt Generationen im Klassenzimmer (siehe Kasten) teil. Alles ist unkompliziert: Marianne Bart macht jeweils dort mit, wo sie gerade gebraucht wird. Einzelne Kinder profitierten manchmal auch davon, dass die Seniorin etwas weniger streng ist als die Lehrerin. Das sei aber kein Problem, fügt Aebischer an: «Das ist nicht ihre Aufgabe, sie hat quasi eine Grossmutterrolle.»

Kinder freuen sich

Wenn Käthi Burri über ihre Erlebnisse in der Klasse von Alice Schmutz erzählt, dann strahlt sie. Sie sei jeweils im Deutsch oder Rechnen da, wenn die Kinder selbstständig oder in kleinen Gruppen lernten. Sie sitze neben einer Gruppe, wenn die Lehrerin mit anderen Kindern beschäftigt sei. Käthi Burri bildet mit Alice Schmutz ein «gut eingespieltes» Tandem. Die Kinder hätten immer eine Riesenfreude, wenn die Rentnerin erscheine, sagt Schmutz. «Die Schule ist für die Kinder attraktiver geworden.» Käthi Burri bastelt und spielt mit ihnen oder erzählt Geschichten. Die Kinder haben sie in ihr Herz geschlossen – und umgekehrt. «Ich habe nicht das Gefühl, dass die Kinder das ausnutzen», sagt Käthi Burri.

Alice Schmutz kam vor zwei Jahren direkt nach dem Studium an die Primarschule Murten. Als sie von den positiven Erfahrungen hörte, war sie bereit, beim Projekt mitzumachen. «Die Anwesenheit von Käthi Burri bereichert den Unterricht und schafft schöne und lustige Begegnungen», erklärt Alice Schmutz. Die Verantwortung für die Klasse liegt aber einzig bei der Lehrerin. «Ich würde ihr nie dreinreden», betont Käthi Burri.

Nie bereut

Die bald 70-jährige Käthi Burri bereut es keine Sekunde, dass sie sich vor zwei Jahren auf ein Inserat meldete. Ermuntert wurde sie von ihrer Tochter. Diese hat schulpflichtige Kinder und findet die Idee gut. Burri erinnert sich an das «Bewerbungsgespräch». Eine andere Person konnte Erfahrungen im pädagogischen Bereich vorweisen. «Ich bin ‹nur› Grossmutter und habe Kinder gern», sagt Burri, die ehemals in der Buchhaltung und am Empfang tätig war. Erleichtert stellte sie fest, dass das reichte. Genau diese Eigenschaften seien eine grosse Chance für alle, sagt Bernadette Aebischer. «Viele Kinder leben in Kleinfamilien, und der Austausch mit älteren Personen fehlt.» Weil alles spontan ist, könne es schon mal zu lustigen Episoden kommen, erzählt Bernadette Aebischer. Einmal hat sie mit ihr Klasse Guetsli gebacken. Dazu hat sie Fertigteig gekauft. Als das Marianne Bart gesehen habe, habe sie gestaunt. Bart ist ausgebildete Bäcker-Konditorin.

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