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Todesschuss auf A1: Thormann unter Druck?

Bei der Untersuchung um den Todesschuss im Autobahntunnel von Sévaz soll Untersuchungsrichter Olivier Thormann in den Ausstand treten. Dies fordert der Pflichtverteidiger des mutmasslichen französischen Autodiebes.

Steht Untersuchungsrichter Olivier Thormann der Polizei zu nahe? Mehrere Kantone haben eine spezielle Untersuchungsstelle für Ermittlungen gegen Polizisten.
Steht Untersuchungsrichter Olivier Thormann der Polizei zu nahe? Mehrere Kantone haben eine spezielle Untersuchungsstelle für Ermittlungen gegen Polizisten.
Keystone

Der Genfer Anwalt Jean-Pierre Garbade ist überzeugt, dass der Freiburger Untersuchungsrichter Olivier Thormann nicht ganz unparteiisch ist: «Der Untersuchungsrichter hat an der ersten Pressekonferenz betont, dass für den Polizisten die Unschuldsvermutung gilt – über meinen Mandanten hat er dies nicht gesagt.» Thormann ermittelt rund um den Todesschuss auf der Autobahn A1 im April. Damals hatten Patrouillen der Freiburger und Waadtländer Polizei auf Alarm der Berner Kantonspolizei hin drei gestohlene Luxusautos verfolgt.

Zu wenig Distanz?

Im Autobahntunnel bei Sévaz errichteten zwei Polizisten eine Sperre. Als sich das eine Auto näherte, schoss einer der Waadtländer Polizisten – und tötete den Fahrer.

Kurz darauf wurde dessen Zwillingsbruder verhaftet: Gegen ihn wird wegen Autodiebstahls ermittelt. Der 18-jährige Franzose störe sich daran, dass derselbe Untersuchungsrichter rund um den Tod seines Bruders und gleichzeitig gegen ihn ermittle, sagt Jean-Pierre Garbade.

Der Pflichtverteidiger findet es zudem problematisch, wenn ein Untersuchungsrichter gegen Polizisten ermittelt: «Untersuchungsrichter arbeiten täglich mit der Polizei zusammen – darum steht der Untersuchungsrichter unter Druck, wenn es um die Frage geht, ob er einen Polizisten vor Gericht bringt oder nicht.»

Der Präsident entscheidet

In anderen Kantonen sei deshalb eine spezielle Untersuchungsstelle für Ermittlungen gegen Polizisten eingerichtet worden. «Aus diesen Gründen verlange ich, dass Olivier Thormann in den Ausstand tritt», sagt Jean-Pierre Garbade und bestätigt einen Bericht der Zeitung «Le Matin».

Untersuchungsrichter Thormann gibt zurzeit keine Auskunft zu diesem Fall. Er liess durch Sophie Perrier vom Untersuchungsrichteramt ausrichten, dass das Ausstandsbegehren am Dienstag eingegangen sei. «Nun nimmt die Prozedur ihren Gang», sagte Perrier auf Anfrage: Thormann werde Stellung nehmen, und dann werde der Präsident des Untersuchungsrichteramts den Fall untersuchen und über das Begehren entscheiden.

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