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Frutigen ist Schmid, er auf dem Olymp

«Ich bin auch ein Schmid», ist auf dem T-Shirt des Frutigers zu lesen. Ist er wirklich ein Schmid? «Ja, zu 100 Prozent!», antwortet er. Guido ist sein Vorname. Er steht auf der Walke-Matte. Und er ist mit jenem Schmid, der den Skiklub Frutigen zur Organisation dieser speziellen Open-Air-Party animierte, weder verwandt noch verschwägert. «Schmids gibt es in Frutigen weit über Hundert», schätzt Schmid. Wie unzählige andere pilgerte er gestern Abend zur Grossleinwand im Dorfzentrum, um Geschichtsträchtiges zu erleben. Namensvetter Mike (25) gilt am Olympia-Skicross zu den ganz, ganz heissen Eisen. Kühl wird es derweil auf der Walke-Matte, klamme Finger werden an Bechern mit glühendem Wein entfrostet. Skiklub-Präsident Martin Egger weiss, was am Vancouver-Skiberg Cypress Mountain Sache ist: «Mike fuhr in den Qualifikationsläufen Bestzeit. Geht nichts schief, macht er es! Der ist mental extrem stark.» Neben einer Grossleinwand wurde eigens eine Bar aufgebaut – die Frutiger lassen sich nicht lumpen. Während sie ihrem Mike die Daumen (er)drücken, tun es die Zweisimmer ihrem Richard Spalinger gleich. Es sind dies die beiden Oberländer Trümpfe an der olympischen Premiere. Letztere sind aus Tradition ein gutes Pflaster für die Hiesigen. Man denke nur an Tanja Friedens Boardercross-Plämpu 2006. «Ich will eine Medaille, daran hat sich nichts geändert», lässt Strassenbauer Mike Schmid nach der Qualifikation TV-Interviewerin Buchli wissen. Die verschobene Super-Kombi der Alpinen hatte den Vorlauf des attraktiven Skicross’ – ein Spektakel Mann gegen Mann – aus dem Liveprogramm verdrängt. Szenenwechsel. Um 21.15 Uhr (MEZ) starten die Finalläufe. Die Spannung im proppenvollen Rustico Pub, der Stammbeiz Mikes, steigt. Frutigen feiert mehrspurig. Der Medaillenhoffnung engster Freundeskreis ist da – und Bruder Peter. Die Eltern weilen bei Schwester Franziska, die am grossen Tag von Mike ihren Geburtstag feiert. Peter erklärt einem Kollegen den Modus, den sein kleiner Bruder bis zum letzten Ende durchlaufen soll. Ab dem Achtelfinale wird im K.-o.-Modus gefahren, die besten zwei von vier Startenden steigen eine Runde auf. Vier Läufe bis zum olympischen Halleluja, zum Skicross-Olympiagold. Mike Schmid startet in Lauf eins, die Menge tobt. Sofort an der Spitze, zieht der 3.-Liga-Fussballer seinen Lauf souverän runter. Viertelfinal – Jubel total! Ebenso beim 34-jährigen Spalinger, der als Zweiter seines Runs nachzieht. Hoffen, bangen, zittern… das Spektakel nimmt seinen Lauf. Schmid reüssiert klar, ist unter den besten acht. Spalinger aber wird im Viertelfinal von einem Konkurrenten unsanft von der Piste gedrängt – des Obersimmentalers Traum landet jäh im Schnee. Klar zeigt er sich im Ziel-Interview sehr enttäuscht. Zieht Schmid die Sache durch? «Das hoffe ich doch sehr», sagt einer, der nicht Schmid heisst. Es ist der Frutiger Peter Thönen. «Wir feiern ihn so oder so», verspricht Pub-Zeremonienmeister Klaus Teuscher. Oder auch so Denn Mike Schmid, der 193 Zentimeter grosse und 100 fast Kiloschwere «Kleiderschrank», lässt seinen Halbfinal-Kontrahenten nicht den Hauch einer Chance. Er fährt um Edelmetall! Kennt der Jubel im Music-Pub – und am Open-Air – bald keine Grenzen mehr? Feiert Frutigen kurz nach 22.20 gar seinen ersten Olympiasieger? Die Spannung ist fast greifbar – ausatmen! Start! Mike Schmid fährt weiter wie von einem anderen Stern. Auch seine Finalgegner sehen nur den hintern Teil seiner Bindungen «Jaaa!», hallts um 22.22 Uhr durchs Pub. Gold! «Ganz Frutigen steht Kopf, wir feiern durch», brüllt Klaus Teuscher. Schon fliesst der Schampus. Peter, des Siegers grosser Bruder, kann es kaum fassen: «Äs isch unglooooblig!», schreit er freudetrunken. «Ich bin auch ein Schmid», war bis in die Morgenstunden hinein Programm. Auch für alle, die einen anderen Namen tragen – oder Schmid heissen und nicht Olympiasieger geworden sindJürg Spielmann>

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