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Für 5 Euro die Alltagssorgen vergessen

Obwohl Albanien Sportgeschichte geschrieben hat, ist nicht anzunehmen, dass sich Volley Köniz morgen in Tirana überraschen lässt.

Fussball und Volleyball sind in Albanien beliebte Sportarten. Sie helfen der leidgeprüften Bevölkerung im ehemaligen Armenhaus Europas, die Alltagssorgen für einen Augenblick zu vergessen. Gewinnt zur Überraschung die eigene Landesauswahl, wird mit viel Pathos gefeiert. Unvergessen bleibt der wohl wertvollste Sieg der albanischen Fussballer: 2:1 setzten sich die «Rot-Schwarzen» 2004 in der WM-Qualifikation gegen den damaligen Europameister Griechenland im Qemal-Stafa-Stadion von Tirana durch. Aber auch das 0:0 gegen Deutschland diskutieren ältere albanische Zeitgenossen noch heute angeregt. «Die Schmach von Tirana», wie deutsche Zeitungen 1967 titelten, verhinderte im Endeffekt die Qualifikation Deutschlands für die EM ein Jahr später. «Unsere Fussballer waren Volkshelden», sagt Vangel Koja, 77. Die albanische Volleyball-Legende sitzt morgen im Stadion Aslan Rusi als Betreuer auf der Bank, wenn Tirana im Rückspiel des Challenge-Cups gegen Köniz antritt. Privilegierter Beruf Nach dem 0:3 (18:25, 18:25, 15:25) im Hinspiel ist nicht davon auszugehen, dass der 14-fache albanische Meister seinen Anhang in einen kollektiven Freudentaumel stürzt – Volley Köniz ist das international erfahrenere und abgeklärtere Team. In einen Hexenkessel wird sich die Halle in Tirana nicht verwandeln: Der für lokale Verhältnisse hohe Eintrittspreis von fünf Euro habe zur Folge, erklärt Koja, dass am Samstag statt 4000 nur 500 Zuschauer zum Spiel erwartet würden. «Das monatliche Durchschnittseinkommen in Albanien beträgt 150 Euro.» Tiranas Volleyballerinnen gehörten einer privilegierten Schicht an, sagt Koja, der mit Dinamo 23 Mal das Championat gewonnen hatte. «Die Besten verdienen bis zu 500 Euro pro Monat.» Im Ensemble der Südosteuropäerinnen figurieren vier Nationalspielerinnen: Captain und Leaderin Kleda Shkurti, Xhozafa Sejfullai, Iva Xhixha und Enkeleda Braho. Einen nachhaltigen Eindruck hat das Quartett bei den Könizer Meisterinnen nicht hinterlassen. Die neue Mittelblockerin Angie Bland sagt diplomatisch: «Im Team von Tirana steckt viel Leidenschaft. Die Spielerinnen gehen motiviert zur Sache.» Volley Köniz fliegt heute vom Belpmoos via München in Albaniens Hauptstadt. Der Gastgeber zeigt sich aufmerksam. «Das Hotel hat uns angerufen und gefragt, welche kulinarische Wünsche wir haben», sagt Dirk Gross. So konnte der Könizer Teamchef durchgeben, dass er aus hygienischen Gründen lieber Suppe als Salat auf dem Menüplan hätte. «Wir wissen nicht, wie sauber das Wasser ist, und möchten keine Magen-Darm-Infektion riskieren.» Voléro Zürich im Hinterkopf Der Berner Vorortsklub benötigt noch einen Satzgewinn, um sich erwartungsgemäss für die zweite Runde zu qualifizieren. «Sollten wir den ersten Durchgang gewinnen, werden wir uns bemühen, nicht nachzulassen», sagt Gross. «Die weiteren Sätze dienen der Vorbereitung auf das Spiel vom nächsten Mittwoch gegen Voléro Zürich.» Gross dürfte in Tirana rekonvaleszenten Spielerinnen wie Antonina Poljakowa, Patricia Schauss, Beth Ann Karpiak und Anna Protasenia vermehrt Einsatzzeit gewähren. Thomas Wälti>

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