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«Für eine Strategie ist es nie zu spät»

«Ein unternehmerisches Fitnesstraining für turbulente Zeiten», wird im Programm der Volkswirtschaft Berner Oberland zum Wirtschaftstreffen versprochen. Das Gebotene müsste in delikaten Zeiten ein Strassenfeger sein. Der Lötschbergsaal Spiez ist am Mittwochabend mit Geschäftsleuten, Gemeindevertretern und Grossratskandidierenden gut besetzt, wenn auch nicht ganz gefüllt. Und wer sitzt schon gern in den ersten Reihen? «Man könnte fast meinen, ich beisse», findet Peter Wälchli, begrüssender Präsident der Wirtschaftskommission. 150 Anmeldungen seien eingegangen, «das Thema interessiert», folgert er richtig. Was wird hier und heute geboten? «Strategie als Element des Erfolges in KMU», lautet der verheissungsvolle Referat-Titel. «Ich bin mir nicht sicher, ob alle im Saal eine zukunftsgerichtete Strategie haben», sagt Christiane Griessen auf die Frage, ob eine Strategie nicht eh für jede Firma unabdingbar sei. Die Geschäftsfrau ist in ihrer Funktion als Zweisimmer Gemeindepräsidentin angereist. Das Referat wird sie später als «Augen öffnend» rühmen. Es referiert Prof. Dr. Urs Frey. Der gebürtige Thuner ist vor 20 Jahren ostwärts gezogen und heute 41-jährig Geschäftsleitungsmitglied am Schweizerischen Institut für Klein- und Mittelunternehmen an der Uni St. Gallen. Eines vorneweg: Eine allgemein praktikable Patentlösung zaubert der KMU-Experte nicht aus dem Ärmel. Aber er liefert, seine Ausführungen von 48 (!) Folien begleitet, jede Menge Tipps. Er wolle keine Krise herbeireden, eröffnet Frey. «Sie ist teils schlimmer und teils weniger. Was wir haben, ist eine Absatz-, eine Umsatzkrise.» Er warnt davor, den Kampf um den Kunden über den Preis auszufechten. Besser seis, leicht die Absatzmenge zu senken. «Oft wird das Wachstum als Heilmittel angesehen. Die demografischen Ausgangslage betrachtet, ist das in der Schweiz schwierig.» Es gelte Strategien zu erstellen – die richtigen, notabene. «Das sollte man tun, wenn es gut läuft und nicht erst dann, wenn es schlecht geht.» Eine Strategie muss laut Frey einfach und fassbar sein. Hätte er nicht in den guten Jahren als Referent eingeladen werden sollen? Susanne Huber, Volkswirtschaft-Geschäftsführerin, findet unsere Frage eine gute: «Dann wäre wohl nicht so gut zugehört worden» In guten Zeiten werde hinterfragt, ob es die Volkswirtschaft überhaupt brauche, «in schwierigen Zeiten werden unsere Angebote geschätzt». Die richtige Strategie führe zu einem Wertzuwachs – keine früher oder später ins Verderben, sagt Frey. «Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum», zitiert er Einstein. Irren sei menschlich, Fehler dürfe man machen. Und er sagt, was wichtig ist: Die richtigen Leute in der richtigen Position etwa. Auch müssten Aufgaben stufengerecht erledigt werden. «Ein Chef hat anderes zu tun, als am Morgen zur Post zu fahren», nennt Frey ein simples Beispiel. Wichtig erachtet er, die Einzigartigkeit als Wettbewerbsfaktor zu entdecken: «Brechen Sie aus, werden Sie anders als die Marktbegleiter.» Oder: «Be different or die!» (sei anders oder stirb) – so hart das klingen möge. Das beherzigt, folgt für die Gäste nach der Präsentation der Vernetzungsplattform BEOeco (www.xing.com/net/beoeco) reales «Networking». Bei Oberländer Bier und Brötchen. «Ich bin da, weil mich das Thema angesprochen hat», sagt Hanspeter Feuz, Geschäftsführer von ITProjects Thun. «Eine Strategie ist ein Hygienefaktor für Firmen.» Silvan Schmid, Geschäftsleitungsmitglied der Adelbodner Künzi + Knutti AG, bringts auf den Punkt: «Es ist wichtig, dass man es überhaupt tut – für eine Strategie ist es nie zu spät!»Jürg Spielmann >

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