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«Für mich ist alles, was ich tue, völlig normal»

Das Duo George Bastl/Dustin Brown ist in Gstaad unverhofft zur Attraktion geworden. Der Deutsch-

Betritt Dustin Brown am Morgen im Hotel den Frühstücksraum, trägt er einen grossen, silbernen Kopfhörer – genauso, wie wenn er mit wippendem Schritt durch das Tennisdorf des Allianz Suisse Open Gstaad geht oder im Spielerbereich vor dem Computer sitzt. Eigentlich trägt er den Kopfhörer immer, ausser er steht auf dem Tennisplatz. «Ich bin halt etwas musikverrückt», sagt er schulterzuckend. Er hört in erster Linie Hip-Hop, R&B und Dancehall, eine schnelle Variante des Reggae. Letzteres ist nicht ganz zufällig, denn der 25-Jährige mit den Rastazöpfen ist Deutsch-Jamaikaner. Die ersten elf Jahre seines Lebens verbrachte er in der Heimat seiner Mutter, 1996 zog er dann auf die Karibikinsel, wo sein Vater herkommt. Er habe aus beiden Kulturen etwas mitgenommen. «Früher war ich verwöhnt, fing zu jammern an, wenn ich auf dem Tennisplatz hinfiel», erzählt er in akzentfreiem Hochdeutsch. «Auf Jamaika merkte ich rasch, dass dort das Leben etwas härter ist.» Courts gibt es auf der Insel zwar genug, aber unterstützt ist Brown vom Verband bis heute nie geworden, obwohl er seit Jahren die nationale Nummer 1 ist. «Die Federation macht ihren Job nicht richtig», berichtet der Rechtshänder. 2004 kehrte er schliesslich nach Deutschland zurück, um seine Tenniskarriere weiterzuverfolgen. Die Eltern leisteten «einen letzten finanziellen Effort», wie Brown sagt, und kauften ihm ein Wohnmobil, mit dem er fortan von Turnier zu Turnier reiste. Begeisterte Zuschauer Mittlerweile kann er sich Flüge leisten, denn Autodidakt Brown hat sich in den vergangenen zwölf Monaten in der Weltrangliste exakt um 300 Plätze auf Position 98 verbessert. In Gstaad kam er allerdings mit der Höhenlage nicht zurecht und unterlag in der ersten Runde Michael Lammer. Im Doppel aber sorgte er an der Seite George Bastls, der wie Brown für den TC Dählhölzli lizenziert ist, für Aufsehen – und zwar in mehrerer Hinsicht. Optisch hat es noch selten ein auffälligeres Duo gegeben als den feingliedrigen Deutsch-Jamaikaner mit seinen Rastalocken und den bulligen, auf Platz 805 zurückgefallenen Westschweizer, der derzeit einen Furcht erregenden Vollbart zur Schau stellt. Und dann spielten die beiden nicht nur spektakulär, sondern auch noch erfolgreich. Sie schlugen überraschend die Russen Michail Juschni und Igor Andrejew – das Publikum war begeistert. Die Sache mit der Taktik Langweilig sind die Partien mit Brown eigentlich nie. Seine unorthodoxe Spielweise macht ihn zum perfekten Entertainer. Er sucht diese Rolle freilich nicht aktiv. Der grosse Unterhaltungswert sei «nur ein Nebeneffekt. Ich versuche, auf dem Platz in erster Linie Spass zu haben.» Und Erfolg, müsste er noch anfügen, denn der ist für ihn enorm wichtig. Weil er über keine Sponsoren verfügt, ist er auf die Preisgelder angewiesen. Wenn der 1,96 Meter grosse Schlaks, der seine Tennisschuhe mit zwei verschiedenfarbigen Schnürsenkeln bindet, knallharte Aufschläge mit samtweichen Stoppbällen mischt, wenn er auf der Vorhandseite die Rückhand einsetzt und umgekehrt, wenn er scheinbar unvorbereitet ans Netz stürmt und nach der Filzkugel hechtet, kann weder der Gegner noch das Publikum eine klare Taktik erkennen. Brown aber sagt: «Mein Tennis mag wild aussehen, aber ich weiss auf dem Platz genau, was ich mache.» Keine Verbindung zu Bolt Dustin Brown hat auf der ATP World Tour den Ruf eines Paradiesvogels. Das Image stört ihn nicht, aber er pflegt es auch nicht bewusst. Show sei nicht Programm, er spiele keine Rolle. «Ich bin, wie ich bin. Für mich ist alles, was ich tue, völlig normal – aber ich kenne mich auch schon seit 25 Jahren», erzählt er schmunzelnd. Nicht persönlich kennt er hingegen Usain Bolt, den grössten Sportstar, den Jamaika bisher hervorgebracht hat. «Wahrscheinlich weiss er nicht einmal, wer ich bin», sagt Brown. Der Wundersprinter mag von seinen Landsmann bisher noch keine Notiz genommen haben, aber Brown ist daran, sich in der weiten Tenniswelt einen Namen zu machen. Zumindest in Gstaad, wo er heute an der Seite Bastls wieder im Einsatz steht, ist er schon ein Begriff. Adrian Ruch >

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