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Gemeinderäte werfen Bettel hin

Eklat in Oberbipp: Die Gemeindepräsidentin und ein Gemeinderat treten zurück. Und auch die Gemeindeschreiberin geht.

Die Bombe platzte erst am Schluss. Beim «Verschiedenen» meldete sich an der Oberbipper Gemeindeversammlung Vize-Gemeindepräsident Kurt Zobrist (SVP) zu Wort: Er verglich die Gemeinde mit einem Kreuzfahrtschiff, auf dem die Kommunikation zwischen Crew und Passagieren gestört sei. «Heckenschützen» im Dorf Danach ergriff Gemeindepräsidentin Doris Gehriger (FDP) das Wort – sie leitete ihre erste Gemeindeversammlung – und verlas ihr Rücktrittsschreiben. «Ja, es läuft bei uns vieles nicht, wie es sollte», gab sie ihrem Vize recht. Und wurde dann konkreter: Im Gemeinderat seien für einige Mitglieder Kollegialität, Sachpolitik und Schweigepflicht offenbar zu Fremdwörtern geworden. Aber auch in der Dorfbevölkerung gebe es zahlreiche «Heckenschützen», die dem Gemeinderat das Leben schwer machten. Düstere Prognose Den «Rest», so Doris Gehriger, habe ihr dann die Kündigung von Gemeindeschreiberin Gabriela Roos gegeben. Diese sei ebenfalls zu Unrecht angefeindet und sogar ihre Kompetenz in Frage gestellt worden. Dabei sei die gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung eine der wenigen Freuden ihres Amtes gewesen. Fazit der abtretenden Gemeindepräsidentin: «Wenn es so weitergeht, kommt es nicht gut mit Oberbipp.» Nun hatte Gemeinderat Peter Brechbühl (FDP) ebenfalls eine Mitteilung zu machen: Auch er wolle nicht mehr in diesem Gemeinderat mitarbeiten und trete zurück. Die Anwesenden waren perplex und einige wohl auch echt betroffen. Erst seit März Präsidentin Doris Gehriger, zuvor fünfeinhalb Jahre im Gemeinderat, war erst im vergangenen März in stiller Wahl Gemeindepräsidentin geworden. Sie ersetzte den im Januar tödlich verunglückten Rudolf Bieri (SVP), der sich als Grossrat auch kantonsweit einen Namen gemacht hatte. Turbulenzen nach Bieri-Tod Seit dem Tod des markanten Politikers gehts in Oberbipp drunter und drüber. Ein Beispiel dafür ist der gescheiterte Logistikcenter-Neubau der Schöni Transport AG: Das 70-Millionen-Projekt – hinter dem der Gemeinderat und der Kanton standen – hätte über 200 bis 300 Arbeitsplätze ins 1500-Seelen-Dorf gebracht. Doch verschiedene Bürgergruppierungen kritisierten das Grossprojekt derart massiv, bis die Firma ihr Bauvorhaben schliesslich von sich aus aufgab – und jetzt woanders bauen will. Der Vize übernimmt Die Gemeindepräsidentin und ein Gemeinderat sind schon Ende Juni weg, und in zehn Tagen geht auch die Gemeindeschreiberin: Wer übernimmt jetzt das Steuer? Es ist Vizepräsident Kurt Zobrist (SVP), wie dieser auf Anfrage erklärte. Der 48-jährige Unternehmensentwickler war bereits nach Rudolf Bieris Tod vom Gemeinderat zum Vizepräsidenten aufgerückt. Zobrist betont allerdings, er werde das Präsidium vorerst nur interimistisch ausüben. Bereits heute Mittwoch findet eine erste Sitzung statt, an der er mit dem Restgemeinderat das weitere Vorgehen beraten will. Eines ist für den Interimspräsidenten jedoch schon jetzt klar: «Diese Krise zu meistern, ist eine grosse Herausforderung.» Stefan AerniKurt Nützi>

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