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Goldene Premiere dank Mike Schmid

Mike Schmid, die Nummer 1 auf der Brust, streckt in Cypress Mountain die Arme in die Höhe und hat ein breites Lachen im Gesicht. Er überragt die anderen – und das nicht nur, weil er zuoberst auf dem Podest steht. Der 25-Jährige ist ein Modellathlet; 1,93 Meter gross und rund 100 kg schwer. Und vor allem ist er der erste Olympiasieger im Skicross. Der Frutiger hat die Erfolgsserie von Schweizer Athleten in Premierendisziplinen fortgesetzt: 1994 in Lille gewann Sönny Schönbächler in der Skiakrobatik, vier Jahre später in Nagano Gian Simmen in der Halfpipe, 2002 in Salt Lake City Philipp Schoch im Parallel-Riesenslalom und 2006 in Turin die Thunerin Tanja Frieden im Snowboardcross. Das ist alles Vergangenheit, die Gegenwart gehört Mike Schmid. Der Reihe nach: Schon der erste Achtelfinallauf, in dem Schmid unter anderen auf Daron Rahlves trifft, zeigt, was Skicross ausmacht – Sprünge, Steilwandkurven, Positionskämpfe und... Stürze. Schmid fährt vorne weg, doch der ehemalige Kitzbühel-Sieger sowie Ted Piccard fahren Schulter an Schulter auf den vorletzten Sprung zu; sie kollidieren in der Luft, stürzen brutal auf den Rücken – die Zuschauer halten den Atem an. Doch Skicross ist nichts für Weichlinge; innert Sekundenbruchteilen ist Rahlves, der sich vor knapp zwei Wochen die Hüfte ausgekugelt hat, wieder auf den Skiern, überwindet den hohen Zielsprung und wird doch noch überholt. Aus der Traum vom Edelmetall. Das Beispiel des Amerikaners zeigt, dass ein hervorragender Alpinfahrer im Skicross nicht zwingend dominant sein muss. Um zu reüssieren, ist eine gute Skitechnik zwar unabdingbar, doch in der jungen Disziplin spielen neben dem Speed auch andere Faktoren eine wichtige Rolle: Ist man zu viert auf der Piste, entscheidet oft die Taktik respektive das Gespür für die Situation. Zudem sind die vielen Sprünge und der Start für den Ausgang eines Laufes bedeutend. «Es ist eine andere Startbewegung, also wird auch eine anders ausgeprägte Muskulatur benötigt», erklärt Christoph Perreten, Chef Freestyle bei Swiss-Ski. Erschwerend für Quereinsteiger kommt hinzu, dass die Leistungsdichte an der Spitze schon erstaunlich gross ist. In der Qualifikation lag der 20. nach knapp 75 Fahrsekunden exakt 2,01 Sekunden hinter dem Schnellsten zurück – und das war, Sie ahnen es, Mike Schmid. Der zweite Berner Oberländer, Richard Spalinger, erreicht den Viertelfinal, stösst in der ersten Kurve auf Position 2 vor und landet nach der zweiten im Fangnetz. Er habe die Innenbahn nicht ganz schliessen können, worauf ihm Tomas Kraus mit den Skispitzen in den Schuh gefahren sei, schildert er die Szene. Spalinger ist zwar enttäuscht, macht dem Tschechen aber keinen Vorwurf: «Es war seine Chance zu überholen –ich hätte es gleich gemacht.» Ähnlich reagiert Piccard auf den Crash mit Rahlves. «Er hat mich mit dem Unterarm gestossen, aber ich will nicht Jammern. Das gehört zum Skicross; nach jedem Wettkampf gibt es Verletzte», erzählt der Franzose. Spalinger ist schon vor dem Halbfinal guten Mutes: «Mike schafft es, ich bin mir sicher.» Das Gefühl trügt den 35-Jährigen aus Zweisimmen nicht. Schmid reiht Start-Ziel-Sieg an Start-Ziel-Sieg – bis zum grossen Triumph. Silbermedaillengewinner Andreas Matt, der Bruder von Slalom-Weltmeister Mario Matt, anerkennt die Überlegenheit des Berners neidlos: «Mike ist einfach sauschnell. Ich versuchte mich, gleich hinter ihm einzureihen.» Der Olympiasieger sagt derweil, «ich spürte schon Druck, denn ich durfte keinen Fehler machen. Zum Glück ist mir das gelungen – es war ein perfekter Tag.» Wer mag ihm widersprechen? Adrian RuchCypress Mountain>

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