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«Heute ist meine Heimat hier»

Ihr Vater wurde Ende der 60er-Jahre noch in die Schweiz geholt. Heute haben Personen aus Ex-Jugoslawien oft einen schlechten Ruf. Branka Cvijanovic erklärt, warum die Sprache der Einheimischen das A und O der Integration ist.

Sie kam als Jugoslawin, heute ist sie Serbin und Schweizerin, Branka Cvijanovic, Beraterin in der Abteilung Accessoires beim Loeb. Nur wenige Meter vom Haupteingang entfernt ist sie zwischen Handtaschen, Portemonnaies, Schals und Schirmen anzutreffen, in adretter Arbeitskleidung mit Namensschild. Wenn sie spricht, klingt sie sehr bernerisch, nur beim genaueren Hinhören schleicht sich ein Akzent ein, der nicht von einem anderen Dialekt stammt, sondern von einer anderen Muttersprache. Jugoslawisch, damals die Hochsprache von verschiedenen Dialekten, die heute serbisch, kroatisch oder bosnisch genannt werden und als eigenständige Sprachen gelten. «Das war schmerzhaft» In Jugoslawien lebte Branka Cvijanovic bis im Alter von 13 Jahren. Als ihr Vater Arbeit in einer Schweizer Fabrik fand, zog die Familie 1970 nach: «Ich wollte überhaupt nicht von zu Hause weg», erinnert sie sich, «all meine Freundinnen und Verwandten musste ich verlassen. Das war sehr schmerzhaft.» Ja, damals habe die Schweiz die Jugoslawen noch aktiv angeheuert und als Arbeitskräfte geholt. «Wir waren willkommen.» Die Familie zog in den deutschsprachigen Teil des Kantons Freiburg – ein warmer Empfang. «Meine Schwester und ich waren die einzigen Ausländerkinder in der Klasse. «Heute», sagt sie, «ist die Schweiz meine Heimat.» Strengere Schule Abgesehen von den sprachlichen Hürden empfand Branka Cvijanovic den hiesigen Schulunterricht recht locker. «In den Schulen Jugoslawiens war es viel strenger. Wir hatten mehr Lektionen, mehr Fächer und deutlich mehr Aufgaben», erinnert sie sich. Während in Jugoslawien in allen Schulräumen ein Bild von Staatspräsident Tito hing, waren die Wände hier leer. «Man muss es wollen» Um die sprachlichen Probleme zu lösen, wurden Branka Cvijanovic und ihre Schwester vom Französischunterricht befreit und erhielten dafür Deutschlektionen. Die Integration damals sei wohl einfacher gewesen als heute. Für alle war klar: «Die Sprache ist der allererste Schritt, um anzukommen, Fuss zu fassen und einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Und man muss es wollen.» Eine angenehme Stadt Drei Jahre später und mit guten Kenntnissen in Deutsch und Schweizerdeutsch machte sich Branka Cvijanovic auf Lehrstellensuche. Bern reizte sie. «Ich sah die Stadt zum ersten Mal auf einer Schulreise ins Bundeshaus», erzählt sie. Sie sei ihr von Anfang an als angenehme Stadt von einer übersichtlichen Grösse aufgefallen, die man zudem von ihrem Wohnort im Kanton Freiburg gut erreichte. So reiste sie in Begleitung ihrer Mutter zum Vorstellungsgespräch bei Loeb – und bekam die Stelle. «Damals waren Lehrstellen noch nicht so rar wie heute», sagt sie. Und sie hat danach nie an einem anderen Ort gearbeitet? «Doch, doch», antwortet sie. Zurück nach Bern Nach der Lehre blieb sie 5 Jahre im Unternehmen. In den folgenden 10 Jahren arbeitete sie in verschiedenen Branchen, auch in Zürich. Doch vor 20 Jahren zog es sie wieder zurück nach Bern, zurück zu Loeb. Die Menschen seien in Bern generell zuvorkommender, und die Kunden nähmen sich hier mehr Zeit, um sich beraten zu lassen. Hier herrsche trotz der Grösse des Unternehmens eine familiäre Stimmung beim Personal. Für die Jubilare werden regelmässig Apéros organisiert. «Sogar Nicole Loeb vom Verwaltungsrat kommt. Sie kennt alle 357 Mitarbeitende hier.» Hannah Einhaus >

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