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Hirsch Amor machts mit dem Kopf

münchenbuchseeMit Geweih ist Amor der Chef. Wenn er dieses jeweils im April wieder abstösst, schubsen ihn die Hirschkühe respektlos herum. Bei Züchter und Noch-Gemeinderat Fritz Grunder lernt man viel über Statussymbole.

Der Jäger steht auf dem Läubli des Bauernhauses. Von dort schiesst er die Hirsche, die Tierhalter Fritz Grunder vorher in ein Gehege getrieben hat. Mehr als 40 Hirsche sterben auf seinem Hof in Münchenbuchsee so. Das ist zwar nicht ganz die Art des edlen Grosswildjägers. Aber es ist waidmannsgerecht und tierschützerisch absolut in Ordnung. Der Metzger verarbeitet die toten Tiere im Auftrag Grunders weiter. Je rund die Hälfte des Fleischs verkauft der Hirschzüchter an Private und an Restaurants. Ein Kilo Hirschfilet kostet bei Fritz Grunder 65 Franken. Unterdessen hat er so viele Kunden, dass er vorläufig keine weitere Abnehmer berücksichtigen will. Kurzes Leben Der 55-jährige Grunder ist Landwirt. Und noch bis Ende Jahr SVP-Gemeinderat von Münchenbuchsee (siehe Kasten). Auf seinem 30 Hektaren grossen Hof betreibt er unter anderem Ackerbau. Bis 1997 hielt Grunder Milchkühe. Dann verkaufte er diese und stellte auf Hirschzucht um. 80 Tiere leben zurzeit in den vier Hektaren grossen Gehegen beim Golfplatz. Die Hirschkühe gebären die Kälber im Juni und Juli. 15 Monate später, im Herbst des Folgejahres also, beendet der Jäger das Leben aller männlichen Tiere und schiesst einen Teil der Weibchen. Am Anfang des Lebenskreises stehen in Münchenbuchsee Amor und Potenzo. So heissen die zwei Hirschstiere von Fritz Grunder. Die beiden tragen ihre sinnigen Namen zu Recht. Jeweils von Mitte Oktober bis Mitte November legen sie sich mächtig ins Zeug. Dann ist Deckzeit. Einen Grossteil der 42 Hirschkühe beansprucht der neunjährige Platzhirsch Amor. Er ist der Chef und verteidigt mit dem Geweih seine wohlerworbenen Rechte. Geweihe sind wichtig für das Beziehungsleben der Hirsche. Weil Parallelen zum menschlichen Balzverhalten auffallen, lohnt es sich, genauer hinzugucken. Solange die Stiere Geweihe haben, sind sie die Chefs und dominieren die Kühe. Jeweils im April stossen sie das Geweih ab. Sie verlieren damit nicht nur ihr Statussymbol, sondern auch ihre Macht. Bis die Geweihe im September wieder zu respektabler Grösse gewachsen sind, schubsen die Kühe die Stiere nach Belieben herum. Doch jetzt, an diesem Winternachmittag, herrscht Friede im Gehege. Schnee und Nässe machen den Tieren nichts aus. Jöö-Park im Frühsommer Waidmänner, die auf wehr- und chancenlose Hirsche schiessen, könnten Jagdgegner und Tierschützer mobilisieren. Grunder musste sich bisher noch nie mit negativen Reaktionen auseinandersetzen. Im Gegenteil: Wenn im Frühsommer jeweils mehrere Dutzend Bambis herumspringen, werden seine Gehege zum Jöö-Park. Sogar Füttern ist erlaubt. Fritz Grunder hat zwar keine Freude, wenn Besucher den Tieren Brot oder sonst etwas Ungeeignetes geben. Doch wenn Kinder den Hirschen abgerupftes Gras durch den Maschenzaun entgegenstrecken, schmunzelt er. Die Kinder freuen sich, dass ihnen die Wildtiere aus der Hand fressen. Als Fritz Grunder mit Futter erscheint, kommen sie auch jetzt. Allen voran Amor. Majestätisch und selbstbewusst. Er ist der Chef. Er hat ein Geweih. Peter Steiger >

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