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Hirt der Bürger und der Schafe

Hier die Schulstube, dort der Stall: Zwischen diesen beiden Polen bewegte sich Andreas Wäfler fast ein Leben lang: Er wuchs im Schulhaus Rinderwald als Sohn der Lehrerin auf und gleich nebenan führte die Grossmutter einen Landwirtschaftsbetrieb. Dort zog es Dres hin, aber weil sein Vater Schieferarbeiter und nicht Bauer war, landete der Sprössling doch am Lehrerpult, so wie es seine Mutter vorausgesagt (und wohl auch gehofft) hatte. Den Traum vom Bauern bewahrte er auf. Andreas Wäfler ging nach Frutigen in die Sekundarschule und dann nach Bern ins Seminar Muristalden. Als frisch gebackener Schulmeister kam er via Brienz nach Gstaad. Nicht bloss eine Stelle fand er im Saanenland, sondern auch seine nachmalige Ehefrau. Elisabeth Müller aus Kirchdorf war Drogistin, der voll entflammte Dres musste auffallend oft die Drogerie aufsuchen und hatte bald einen beträchtlichen Haufen «Müsterli» daheim. Aber was Frutiger Wurzeln hat, kann bekanntlich anderswo nicht so richtig anwach-sen und so kehrte Andreas Wäfler 1971 in die Heimat zurück, wo sich das Ehepaar an der Reichen-mattestrasse niederliess. Fortan war Dres nicht nur Lehrer, sondern auch Feuerwehrmann (zuletzt Chef des Pikettzuges), Sekretär des Fussballklubs, treffsicherer Schütze an Reinisch und leidenschaftlicher Skifahrer, auch als Ausbildner. Im Jahr 1985 zog er mit einem Glanzresultat in den Gemeinderat ein. Wäfler war ein umsichtiger Chef des Bauressorts und bald auch ein geschätzter Vize-Obmann, aber als es um Trachsel Edis Nachfolge ging, liess er Walter Donzé den Vortritt, «denn die Ämter des Gemeinderatspräsidenten und eines Lehrers mit Vollpensum hätten sich nicht vertragen». Aber 1996 berief man ihn zum Vize-Gemeindepräsidenten unter Alfred Schmid und 2002 trat er dessen Nachfolge an. Parteipolitisch gehört Wäfler zur FDP, aber als notorischer Selberdenker verhält er sich nicht immer linientreu, was ihm etwa den Vorwurf eingetragen hat, seine Haltung weiche vom Parteiprogramm ab. Das pflegte er jeweils listig mit einem einzigen, aber speziell betonten Wort zu parieren: frei-sinnig Dres Wäflers Rückblick auf seine Zeit als Gemeindepräsident fällt rundum positiv aus: Er hat 18 Gemeindeversammlungen ohne nennenswerte Probleme geleitet (die letzte gestern Abend) und Frutigen an vielen Anlässen vertreten. Dazu kommen die zusammen mit Gemeinderatspräsident Karl Klossner durchgeführten Bürgergespräche, «bei denen wir manches Anliegen aus der Bevölkerung einfach und rasch haben lösen können», wie der höchste Frutiger festhält. 1997, sieben Jahre vor der Pensionierung, packte Andreas Wäfler die Chance, am Bodenweg ein Bauernhaus mit Umschwung zu erwerben; fortan weideten seine schwarz-braunen Bergschafe nicht nur an Reinisch, sondern auch am Bodenweg. 17 Stück stehen momentan im Stall, aber «zwo Ouwi wärde no lammärä» (Für die Leserschaft nördlich von Spiez: zwei Muttertiere werden noch Junge kriegen.) Dres Wäfler hat ein inniges Verhältnis zu seinen Schafen und sie erkennen ihn sofort, wenn er in den Stall kommt oder im Sommer aufs Lohnerbergli. Bald, wenn er nicht mehr Frutigens Oberhirte sein wird, dürfte Wäfler noch öfter ein fröhliches «Chumm, Häle, Häle» ertönen lassen. Mit Füttern, Ausmisten und Klauenschneiden sowie mit Heuen, Holzen und Flicken bleibe ihm reichlich zu tun, erklärt der Gemeindepräsident. Hin und wieder wird er einen zünftigen Jass mit Kollegen geniessen. Ja, und dann will er natürlich an den Gemeindeversammlungen aufkreuzen – «möglichst als stiller Zuhörer», wie er sagt.Erich Kobel Nachfolger von Andreas Wäfler als Gemeindepräsident von Frutigen ist Kurt Zimmermann.>

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