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Im Rausch der grossen Emotionen

Am zweitletzten Zeltkonzert des Menuhin Festivals Gstaad wurde romantisch geschwelgt und den grossen Gefühlen gehuldigt. Dirigent Philippe Bach und vor allem der neue Shootingstar Khatia Buniatishvili setzten starke Akzente.

Doch, doch, sie wird diesen Sommer überleben. Mehr scherzend als ernst natürlich hatte Khatia Buniatishvili in einem Interview mit dieser Zeitung Anfang Juli zu verstehen gegeben, was für grosse Herausforderungen sie alleine in den warmen Festivalmonaten zu bewältigen hat – und gehofft, sie könne den hohen Ansprüchen im Zusammenspiel mit grossen Persönlichkeiten gerecht werden. Am Menuhin Festival Gstaad demonstrierte die zierliche Pianistin zum Ausklang des musikalischen Sommers eindrücklich, warum sie so begehrt ist. Khatia Buniatishvili, dieser schwer aussprechbare, aber sehr klangvolle Name, ist am Freitag Abend mit Sergej Rachmaninows populärem und schwermütigem 2. Klavierkonzert c-Moll «eingefahren». Fast «weggespült» In den heftigen, immer wieder aufbrausenden Klangwogen hielt sie mit hartem, nie brachialem Anschlag und Akkorden von wilder Düsternis dagegen. Die erst 22-jährige Georgierin setzte dabei mit perlenden Läufen von subtiler Finesse mehrere Gegen- und Lichtpunkte. Sie gestaltete die bedrängenden, eruptiven Stimmungen mit ihrer ganzen Spannkraft und Wachheit und unterstrich mit grossem musikalischem Gespür das Wechselbad der Gefühle, das Rachmaninow in seinem schwelgerischen, emotionenstarken Klavierkonzert zelebriert. Khatia Buniatishvili behauptete sich gegen das fulminant aufspielende Orchestra della Svizzera Italiana, das die Pianistin mit instrumentalen Sturmkaskaden regelrecht «wegzuspülen» drohte. Auch die rund 1200 Zuschauer im Zelt waren hin und weg. Sie antworteten auf den Klangrausch mit verdienten Standing Ovations. Philippe Bachs Feuerwerk Dass die Gefühlswogen so gut rüberkamen, war auch das Verdienst des Saaner Dirigenten Philippe Bach, der nach dem letzten Jahr sein zweites «Heimspiel» in Gstaad bestreiten durfte. Er schien sich an diesem slawischen Abend wohl zu fühlen. Schon bei den «Tänzen aus Galanta» von Zoltan Kodály zündete er mit den Tessiner Musikern ein von volkstümlich-ungarischen Klängen inspiriertes und geprägtes Feuerwerk. Sinnigerweise gewichtete er den tänzerischen Esprit entsprechend stark. Bach arbeitete die verschiedenen, sich überlagernden Klangströme mustergültig heraus und hielt sich selbst und das Orchester mit seinem körperstarken, gestenreichen Dirigierstil auf Trab. In der «Shéhérazade», der symphonischen Suite aus «Tausend und eine Nacht» von Nikolaj Rimski-Korsakow, konnte während dreiviertel Stunden nochmals richtig dem romantischen Pathos und den instrumental fein umgesetzten Erzähl-episoden aus der grossen orientalischen Märchensammlung gelauscht werden. Wie sich beachtliche Bläserqualität manifestierte, wie die schweren Celloklänge dunkel wummerten oder wie die erste Violine mit einschmeichelnden Melodien bezirzte – das Orchester behauptete sich in den Details wie in den grossen Bögen und Stimmungslinien auf hohem Niveau. Inklusive Philippe Bach, der völlig zu Recht ebenfalls mit reichem Applaus bedacht wurde. Svend Peternell•www.menuhinfestivalgstaad.com>

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