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Im Reich von Faden, Nadel und Schere

Burgdorf144 Garderoben, geschneidert und vorgeführt von 28 Frauen und einem Mann: Das Nähcenter Staub-Amacker feiert ein Doppeljubiläum. Vor 20 Jahren hat die heutige Inhaberin das 75-jährige Geschäft übernommen.

Wie lässt sich das Firmenjubiläum eines Nähcenters feiern? Mit einer Ausstellung von Nähmaschinen? Oder einer Präsentation von Merceriewaren aus alter und neuer Zeit? Christina Staub-Amacker, gelernte Damenschneiderin, kam auf eine andere Idee: Sie feiert das 75-Jahr-Jubliäum des Burgdorfer Nähcenters an der Metzgergasse 6, das sie vor 20 Jahren übernommen hat, übermorgen Sonntag mit einer öffentlichen Modeschau. Gezeigt werden Kleider aus eigener Produktion – sprich Kleider, die von den Teilnehmenden der Nähkurse eigens für das Spektakel angefertigt wurden. «Als ich fragte: ‹Frauen, wer hilft mit, eine Modeschau auf die Beine zu stellen?›, bekam ich lauter spontane Zusagen», freut sich Christina Staub-Amacker. So machten sich 28 Frauen im Alter zwischen 13 und 73 Jahren und ein Mann ans Werk und schufen insgesamt 144 Garderoben, die sie im Rahmen der gut 50-minütigen Modeschau selber präsentieren werden – auf einem professionellen Laufsteg mit stilechter Beleuchtung und Musik. Auch eine Ausbildungsstelle Der Verkauf von Knöpfen, Nieten, elastischen Bändern, Nähfaden, Nadeln und Ähnlichem, die Vertretung der Nähmaschinenmarken Elna und Brother, das Schneideratelier sowie die alljährlichen Nähkurse sind die Standbeine des Nähcenters im Kornhausquartier. Hinzu kommt der Reparaturservice für alle Marken in der hauseigenen Werkstatt, betrieben von Christoph Staub, dem Ehemann von Christina Staub-Amacker. Im Nähcenter sind, zusammen mit der Chefin und der Auszubildenden, fünf Frauen tätig; hinzu kommen die drei Männer in Werkstatt und Verkauf. Ursprünglich war das Geschäft ein Mercerieladen, also ein Spezialladen für Nähzubehör. «Diese Artikel sind nach wie vor sehr gefragt, aber die Umsätze sind dennoch zu tief, als dass man allein davon leben könnte», sagt die Inhaberin. Im Zusammenspiel mit den anderen Standbeinen gehe die Rechnung jedoch auf. Im Geschäftslokal fällt sogleich die markante Schubladenwand auf, die der Aufbewahrung von Knöpfen aller Farben, Formen und Grössen dient. Das dekorative Möbel ist das letzte Überbleibsel aus den alten Zeiten; den Rest des Ladens hat die Inhaberin den heutigen Bedürfnissen angepasst. «Die alten Regale waren für die modernen Verpackungen zu klein», sagt sie. Zudem müsse heute alles gut sichtbar präsentiert werden, sodass die Kundin nur auf den gewünschten Artikel zu deuten brauche. Das sei durchaus hilfreich, denn heute seien die korrekten Begriffe für viele Nähartikel nicht mehr bekannt. Wer es nicht lernt Nach wie vor nähen viele Frauen gerne. Entsprechend sind die Kurse von Christina Staub-Amacker gut besucht. «Dass der obligatorische Haushaltskurs an der Schule abgeschafft wurde, wirkt sich spätestens dann negativ aus, wenn man einen eigenen Haushalt und eine Familie hat», stellt die Schneiderin fest. «Oft sind die Frauen sehr wohl daran interessiert, Kinderkleider zu flicken, hier etwas zu ändern und da etwas zu verweben – aber wenn man es nie gelernt hat, wird es halt schwierig.» In dieser Situation biete ein Nähkurs willkommene Hilfe. Wer dabei entdecke, wie kreativ Nähen sei, fange oftmals Feuer und wende sich definitiv dieser Tätigkeit zu, stellt die Fachfrau fest. Das sei denn auch der Grund, weshalb sie in ihren Nähkursen immer wieder auch langjährige Teilnehmerinnen begrüssen könne.Hans HerrmannModeschau: Sonntag, 3.April, Alpina-Keller Burgdorf, 14Uhr, Türöffnung 13.15Uhr, Eintritt frei.>

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