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Initianten hatten sich mehr erhofft

Ein langer Abend mit einem letztlich deutlichen Ergebnis: Die Saaner Gemeindeversammlung hat die Spitalinitiative mit 393 Ja- zu 157 Nein-Stimmen abgelehnt. Der Gemeinderat ist erleichtert, die Ini-

Ausführlich waren die Erläuterungen von Gemeindepräsident Aldo Kropf. Lange wogten die Voten hin und her. Dann endlich, kurz nach 23 Uhr am Freitagabend, stand das Ergebnis in der Tennishalle des Gstaader Sportzentrums fest. 576 Personen hatten an der Saaner Gemeindeversammlung teilgenommen. 561 Stimmen gingen ein, wovon 11 leer oder ungültig waren. Und die Auszählung der gültigen 550 Stimmzettel ergab ein klares Verdikt: 393 (71,45 Prozent) sprachen sich gegen die Spitalini-tiative aus, 157 (28,55 Prozent) dafür. Hinfällig geworden Damit war klar, dass sich der Saaner Gemeinderat und die Bevölkerung nicht aktiv für ein Akut-Spital in Zweisimmen einsetzen müssen. Dies hatte die Initiative vorgesehen. Der erste Punkt des Initiativtextes, dass die Gemeinde Saanen der Spital STS AG im Saanenland kein eingezontes und erschlossenes Bauland für einen Spitalneubau zur Verfügung stellt, war schon vor Monaten hinfällig geworden. Der Regierungsrat (RR) hatte dem Verwaltungsrat (VR) der STS AG im Juni dieses Jahres geraten, aus politischen Überlegungen auf den Standort Saanenmöser zu verzichten – danach wurden sämtliche Verhandlungen um Landerwerb und -abtausch (Beispiel: Land Umbehri für Alp Gfell) in Saanenmöser fallen gelassen. «Keine Verhinderer» Hanspeter Grundisch, einer der vier Initianten der Spitalinitiative, die im März mit 1010 Unterschriften eingereicht wurde, gab nach dem deutlichen Ergebnis seiner Enttäuschung Ausdruck. «Viele Leute sind gar nicht gekommen. Viele sind unsicher geworden und wollten sich nicht mehr mit der Sache befassen. Wir haben mit demokratischen Mitteln gekämpft und wollten ein Zeichen setzen, die Gesundheitsversorgung weitsichtiger an die Hand zu nehmen. Wir standen für ein Akut-Spital in der Region ein. Und da hätten wir zugunsten einer Lösung in Zweisimmen in Saanen auf ein Akut-Spital verzichten wollen.» Kritik am RR (der den Akut-Spital-Standort hätte definieren sollen), am VR der STS AG (der die Entscheidung hätte ausführen sollen) und am Gemeinderat Saanen («er soll jetzt die Hände aus dem Sack nehmen») blieben nicht aus. Immerhin attestierte er dem Gemeinderat, er habe mit seinen Argumenten besser zu überzeugen vermocht und «das Heft wieder in die Hand gekriegt». Grundisch: «Unser Engagement ist damit abgehakt.» «Wir schauen zur Region» Gemeindepräsident Aldo Kropf zeigte sich mit dem klaren Ergebnis auf der anderen Seite erleichtert, nicht an der Bevölkerung vorbeizupolitisiert zu haben. «Ich bin froh, dass uns im weiteren Engagement für eine Spitallösung nicht die Hände gebunden sind. Mit einem Ja zur Spitalinitiative hätten wir unsere Kompetenzen nur noch für Zweisimmen gehabt. Wir hätten uns für ein Gesundheitszentrum mit Akut-Versorgung in Saanen nicht mehr stark machen können – auch in weiterer Zukunft nicht.» Wie geht er mit dem an der GV geäusserten Vorwurf, die Saaner Exekutive handle nicht regionalpolitisch, um? «Wir reden mit dem Gemeinderat Zweisimmen und haben einen guten Kontakt zu ihm. Aber in der Spital-Standort-Frage gehen die Ansichten auseinander.» Und: «Wir schauen zur Region.» Kropf nennt als Beispiel die Unterstützung für den Kauf des Schlosses Blankenburg (als Traulokal). Oder die Übernahme der Transportkosten für Lenker Schüler, die Gymnasialklassen im Saanenland besuchen. Oder das Engagement zugunsten der Bergbahnen. Die vorherige Diskussion – sie alleine dauerte rund 80 Minuten – war bewegt verlaufen und wiederspiegelte auch die Unsicherheit in der Bevölkerung nach dreijährigem erfolglosem Verhandeln um einen Spitalstandort für die Akutversorgung. Grossrätin Bethli Küng appellierte an den Pioniergeist der Vorfahren, die sich im Saanenland schon 1905 mit einem Spitalbau für eine regionale Gesundheitsversorgung eingesetzt hatten. Sie konnte nicht verstehen, dass die Initianten die Aussicht auf das Betreiben eines Akutspitals im Saanenland versperren wollen. Samuel Reichenbach brachte das Bauland für ein Spital ins Spiel, das in Zweisimmen vorhanden wäre –in Saanen allerdings auch, wie Aldo Kropf später ergänzte. Und Bethli Küng hielt – wie das auch die Spital STS AG kommuniziert hatte – fest: «Ein Spital-Neubau in unserer Region ist vom Tisch. Das hat der Regierungsrat entschieden.» «Ich bin enttäuscht» Peter Schläppi riet, vom lokal- zum regionalpolitischen Denken überzugehen und geisselte die Obrigkeitsgläubigkeit: «Ich halte nicht viel von Katastrophen-Szenarien. Es gibt auch den gesunden Menschenverstand.» Walter Jungen gestand seine völlige Verunsicherung ein: «Ich bin enttäuscht und kann euch nicht glauben», sagte er zum Gemeinderat. Eine weitere Frage zur Ausgestaltung der Gesundheitszentren konnte Aldo Kropf («Das Spitalwesen ist im Umbruch») nicht konkret beantworten: «Der Spitalbetreiber muss sagen, was mit den Gesundheitszentren läuft.» Der nächste Sprecher bat, dem Gemeinderat nicht die Hände zu binden. «Wir wollen Akut-Spital» Peter Matti, ein weiterer der vier Initiativurheber, äusserte den Verdacht, keine Region möge der anderen etwas gönnen: «Jetzt müssen wir über die Scholle springen.» Ein paar Frauen unterstützten den Standort Zweisimmen. Irène Baumer, Vertreterin der Angestellten des Spitals Saanen, bat, um den Standort Saanen zu kämpfen. Fritz Würsten, ebenfalls aus dem Quartett der Initiativurheber, rief dazu auf, gegenüber RR und STS AG ein Zeichen zu setzen und ein zur Region passendes Spital in Zweisimmen zu realisieren. «Wir alle wollen ein Akut-Spital und nicht nur Gesundheitszentren.» Ein Mann, der die Initiative auch unterschrieben hatte, empfahl, zugunsten der blockierten Situation die Spitalinitiative abzulehnen: «Der Gemeinderat muss frei sein, um in alle Richtungen die Augen offen zu halten.» Brigitte Zahnd brachte die betriebswirtschaftlichen Überlegungen ins Spiel, die Zweisimmen von Saanen unterscheiden. Andreas Hurni als VR der STS AG schilderte die ungemütliche Lage mit den drei verzögerten Jahren in der Spitalplanung, wodurch es kein Geld aus dem Spitalfonds zu holen gibt.« Und: »Es ist illusorisch, dass der Kanton Bern Geld hat. Als VR sind wir im Clinch: Sollen wir die Studien und Gutachten befolgen oder muss die politische Einflussnahme höher gewichtet werden?»Svend Peternell Die beiden anderen Traktandenwurden einstimmig gutgeheissen. Es sind dies der Mietvertrag der Gemeinde mit der Eisbahn Gstaad AG für das Eisbahnareal und die Änderung der Nutzungsplanung in der Überbauungsordnung Schneesportgebiet Eggli-Pra Cluen. >

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