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Inspirierende Begegnung mit dem Altmeister

Sommets Musicaux de Gstaad, das ist auch eine wichtige Plattform für Nachwuchstalente. Jeden Tag um 16 Uhr spielen sie in der Kapelle Gstaad vor Publikum. Und werden von Maestro Dmitri Bashkirov begutachtet. Der kanadische Jungpianist traf den grossen Pädagogen und Altmeister.

F lugs aus Calgary angereist, steht der 15-jährige Jan Lisiecki in der Kapelle Gstaad vor dem interessierten Festivalpublikum der Sommets Musicaux de Gstaad. Unter den Zuhörern sitzt Dmitri Bashkirov. Der 79-jährige Pianist und Musikpädagoge wird am Festival die Auftritte aller acht Nachwuchstalente verfolgen. «Ich hoffe, Sie werden das Konzert lieben», sagt der blonde Jüngling. Der Kanadier mit polnischen Wurzeln spricht neben seiner Muttersprache fliessend Englisch und Französisch. Auf dem Programm stehen Stücke von Bach, Mozetich und Chopin. Dmitri Bashkirov sitzt auf einer hölzernen Kirchbank im Publikum. Er lehnt sich zur Seite, um einen Blick auf den Spieler zu werfen. Später schliesst er die Augen und vertieft sich ganz in die Musik. Der junge Musiker spielt konzentriert. Nach Bachs Präludium und Fuge in f-Moll, BWV 857 verbeugt Lisiecki sich einmal kurz und setzt sich gleich wieder ans Piano, um weiterzuspielen. Die Finger jagen über die Tasten. Ist das wirklich ein 15-Jähriger, der da spielt? Jan Lisiecki hatte sein Orchesterdebüt mit neun Jahren, seine erste CD erschien 2010. Der Jungpianist bereist in Begleitung seiner Mutter die Welt. «Ich bin rund fünfzig Prozent des Jahres unterwegs», sagt er. Da sei es hilfreich, jemanden aus der Familie um sich zu haben. Er spielt zum ersten Mal in der Schweiz. Ein weiteres Konzert mit dem Zürcher Tonhalle-Orchester ist dieses Jahr bereits geplant. «Gerne würde ich später mit einem Orchester in Gstaad auftreten», verrät das Talent. «Und wenn es geht, auch etwas Ski fahren.» Tonwellen schwellen an und ebben wieder ab. Die Zuhörer recken sich, um hier und da einen Blick auf den jungen Pianisten zu werfen. Virtuos, mit einer grossen Klangvielfalt, gestaltet sich das Spiel. Ein wilder Sturm schreckt aus den sanften Tönen auf. Die Arme aufgestützt, lauscht Dmitri Bashkirov den Klängen und spendet herzhaft Applaus. «Wenn Sie ein Foto machen wollen, ist das kein Problem – aber bitte nicht zu viele!», sagt Jan Lisiecki, bevor er nach 70 Minuten sein Programm mit einer Zugabe beendet. Sogleich wird der Jugendliche von Journalisten belagert. Sie machen Fotos, Filmsequenzen und Interviews. Kurz darauf begrüsst Dmitri Bashkirov den jungen Pianisten. Eigentlich möchte der Pädagoge die Besprechung zu einem späteren Zeitpunkt machen. Da der junge Musiker jedoch am nächsten Tag früh abreist, gibt der Altmeister sein Feedback gleich im Anschluss ans Konzert. Zuerst setzt sich Bashkirow an den Flügel, um einen Eindruck vom Instrument zu erhalten. Wenig später sind die beiden in ein Gespräch vertieft. «Es ist nett, Komplimente zu erhalten», meint der junge Künstler. Ein Musiker lebe von den Reaktionen des Publikums. Doch ein Austausch mit Dmitri Bashkirov mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung sei selten und sehr wertvoll. «Solche Feedbacks bringen mich weiter, wenn ich erkenne, wo ich mich verbessern kann», ist Jan Lisiecki überzeugt. Dazu entdecke er selber bei jedem Auftritt Dinge, die er ändern möchte. Zum Schluss meint das Jungtalent: «Die Begegnung mit Bashkirov inspiriert mich. Er wirkt nach all den Jahren so glücklich und zufrieden. Diese Lebensperspektive motiviert mich, meinen manchmal nicht einfachen Weg als Musiker zu verfolgen.» Susi Heiniger >

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