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Kampf dem «weissen Fleck»

Die Stärken der Region und ungeliebte weisse Flecken: Das – und anderes – waren Themen am Wirtschaftstreffen Berner Oberland.

«Wir sind kein weisser Fleck auf der Landkarte und müssen uns nicht verstecken!», Das rief Peter Wälchli der Gästeschar im Spiezer ABC-Zentrum zum Auftakt des traditionellen Treffens zu. Vielmehr gelte es, sich immer wieder auf die Stärken zu besinnen, fand der Präsident der Wirtschaftskommission der Volkswirtschaft Berner Oberland. Diese hatte gerufen – und alle sind sie gekommen. 150 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und von Behörden folgten der Einladung zum Wirtschaftstreffen. Dessen Thema: «Forschung und Entwicklung im Berner Oberland». Das liess sich auch der höchste Berner, Grossratspräsident Gerhard Fischer, nicht entgehen. Im Fokus stand mit Hansruedi Wandfluh auch ein nationaler Politiker. Zusammen mit Marc Cadisch, dem als Leiter des international geschätzten Labor Spiez zugleich die Gastgeberrolle zuteil wurde, und Tobias Bichsel, Betriebsleiter der Interlakner Laboratorium Dr. G. Bichsel AG, sprach Wandfluh über Entwicklungen und Innovationen «Made in Oberland». Cadisch etwa sagte, dass sein Labor «ein kleines in einem kleinen Land» sei. Darum werde ein reger Fachaustausch an internationalen Konferenzen gepflegt. Er sprach von einem speziellen Jahr. «Mit dem neuen Sicherheitslabor können wir nun eine Lücke im B-Schutz der Schweiz schliessen.» Geschlossen wird sie Mitte 2011, wenn das 30-Mio.-Labor seinen operativen Betrieb aufnimmt. Fürs Herz von Merz Tobias Bichsel von der gleichnamigen Arzneimittelherstellerin verriet, dass der Hauptrohstoff des Familienunternehmens mit rund 150 Mitarbeitenden bestes Oberländer Wasser sei. Jährlich fliessen circa 70000 Kubik «Blaues Gold» in die Produktion von Standard-, Infusions- und Dialyselösungen. Und: Die in den letzten zwei Jahren von Bichsel entwickelte Cardioplexollösung soll bei der Herzoperation des abtretenden Bundesrates Hans-Rudolf Merz mit zum guten Gelingen beigetragen haben. Eine Herzenssache ist das Oberland für den Unternehmer Hansruedi Wandfluh. Er, dessen Gruppe unter anderem hochwertige ölhydraulische Ventile und Systeme in die weite Welt verkauft, verriet ein Erfolgsgeheimnis: «Wir versuchen, ein kreatives Klima, eine kreative Kultur zu schaffen.» So kommt es vor, dass Strategiesitzungen nach einer Skitour in einer SAC-Hütte stattfinden oder das Kader auch mal einen Klettersteig zu erklimmen hat. «Wir müssen besser und anders sein», gab der Frutiger in Spiez mit auf den Weg. Wo drückt der Schuh? Zuvor fühlte die Volkswirtschaft-Geschäftsführerin Susanne Huber in Vertretung des beruflich in den USA weilenden Präsidenten Peter Rychiger dem Trio in einer Podiumsrunde auf den Zahn. Welche Vorteile bringt der Standort Berner Oberland? Wo gibt es Verbesserungspotenzial? Labor-Leiter Cadisch lobte zwar die zentrale Lage für internationale Konferenzen, fand jedoch, dass die ÖV-Anbindung nicht reduziert und der Flughafen Belp gestärkt werden sollte. «Zentraler als in Interlaken kann man in der Schweiz kaum sein», fand Tobias Bichsel. Wie Wandfluh ortet er Handlungsbedarf in der Anbindung an die Hauptverkehrsachsen. Der Frutiger Nationalrat sieht Verbesserungspotenzial in der Steuersituation. Traditionell waren die Stäken des Oberlandes ein Thema. «Wir wollen hier über Standortvorteile reden. Jammern können wir immer – und im Oberland gut», wählte Huber markige Worte. Ehe sich die Gäste beim Apéro ganz dem Networking widmen konnten, wollte sie wissen, was es mit dem weissen Fleck auf sich habe. Die These von Avenir Suisse bezeichnet das Oberland als solchen – und empfiehlt ab Thun eine Konzentration auf den Tourismus. Es brauche wirtschaftliche Alternativen zum anfälligen Tourismus, konterte Tobias Bichsel. Marc Cadisch erinnerte an die hohe Lebensqualität, verbunden mit einer vielfältigen Wirtschaft: «Das Oberland ist kein weisser Fleck!»Jürg Spielmann >

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