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18 Berner Gemeinden hängen voll am Tropf des Finanzausgleichs

Eine neue Auswertung zeigt das Ausmass der Umverteilung unter den Gemeinden im Kanton Bern: 2008 gab es 18 Gemeinden, die aus dem Finanzausgleich mehr Geld erhielten, als sie selber Steuern einnahmen.

Es ist immer wieder bemerkenswert: Im Kanton Bern gibt es in der Tat Gemeinden, die von den anderen Gemeinden und vom Kanton mehr Geld einnehmen als von ihren eigenen Steuerzahlern. Sie leben damit faktisch auf Kosten der «anderen». Ihre Einnahmen aus dem Finanzausgleich übersteigen den Steuerertrag. Dies traf 2008 auf nicht weniger als 18 Gemeinden zu, wie der Kanton im neusten Bericht zu den Gemeindefinanzen aufzeigt. Es geht dabei vor allem um Gemeinden im Berner Jura, im Emmental und im Oberland (siehe Grafik). Zuoberst steht die 75-Seelen-Gemeinde Seehof ganz im Norden Berns, die dem Finanzausgleich mehr als doppelt so viel Geld verdankt wie den eigenen Steuerzahlern.

Extrembeispiel Seehof

Inzwischen sind bereits Detailzahlen zum Finanzausgleich im Jahr 2009 verfügbar, die auf den durchschnittlichen Steuereinnahmen der Gemeinden in den Jahren 2006 bis 2008 basieren. Damit lassen sich Einzelbeispiele gut veranschaulichen. Seehof zum Beispiel verbuchte mit einer Steueranlage von 1,74 ordentliche Steuern von 56'800 Franken; aus dem Finanzausgleich erhielt die Gemeinde 118'600 Franken. Das sind nahezu 1500 Franken pro Kopf.

Ein anderes Beispiel: Trub. Die Emmentaler Gemeinde zählt an die 1500 Einwohner, die knapp 1,5 Millionen Franken Steuern bezahlen. Diesen gegenüber stehen 1,8 Millionen Franken aus dem Finanzausgleich sowie 200'000 Franken als Beitrag an die topografischen Lasten (grosse Gemeindefläche und/ oder langes Strassennetz).

Muri liefert 40 Prozent ab

Am anderen Ende des breiten Spektrums stehen die grossen Zahler-Gemeinden, allen voran natürlich Muri. Laut den Zahlen von 2008 musste der Berner Vorort 39,3 Prozent seiner Steuereinnahmen zugunsten der weniger begüterten Berner Gemeinden abliefern. In absoluten Zahlen (Stand 2009): Muri nahm von den rund 12800 Einwohnern 36,5 Millionen Franken Steuern ein und musste davon 14,2 Millionen Franken an den Finanzausgleich (inklusive Zentrumslastenbeitrag an Bern) weiterleiten. Zahlt also ein Muriger 10 Franken Gemeindesteuern ein, bezahlt er etwa 4 Franken für die anderen Gemeinden im Kanton.

Die meisten profitieren

Annähernd so viel tragen Niederönz (1500 Einwohner) und Guttannen (300) bei: Die beiden Gemeinden, die stark von je einem Unternehmen profitieren (Bystronic Laser AG in Niederönz und Kraftwerke Oberhasli in Guttannen), mussten 2008 beide rund 30 Prozent ihrer ordentlichen Steuern an den Finanzausgleich abtreten.

Jenseits der Extrembeispiele von Muri bis Seehof sind die meisten Gemeinden weitaus unauffälliger. Die grosse Masse von 274 Gemeinden profitierte 2008 unter dem Strich vom Finanzausgleich, wobei ihr Bezug weniger als 50 Prozent der eigenen Steuereinnahmen entsprach. Bei 42 Gemeinden machten die Subventionen 50 bis 100 Prozent des Steuerertrags aus. 18 übertrafen die 100-Prozent-Marke.

Der Mittelwert aller Gemeinden lag bei 11 Prozent. Laut Kanton bezog damit mehr als die Hälfte der Gemeinden netto Leistungen, die mindestens 10 Prozent ihres ordentlichen Steuerertrags entsprachen.

Der «Speckgürtel» zahlt

Nur 61 Gemeinden mussten einzahlen. Sie sind vor allem im «Speckgürtel» um Bern zu finden, wo neben Muri namentlich Ittigen und Bolligen grosse Teile der Steuereinnahmen abliefern mussten (18 und 16 Prozent), sowie vereinzelt im Seeland und im Berner Jura. Im Oberland ist die Gemeinde Saanen zu erwähnen, die fast 20 Prozent des Steuerertrags in den Finanzausgleich einzahlt.

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