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2030 werden die Berner städtischer wohnen

Der Kanton Bern rechnet mit einem Bevölkerungswachstum von 10,5 Prozent bis in 25 Jahren. Der Landverbrauch muss aber markant abnehmen. Darum soll gemäss revidiertem Richtplan dichter gebaut werden.

Christoph Aebischer
Bis in 25 Jahren soll die Bevölkerung im Kanton Bern um rund 100'000 Menschen auf 1,1 Millionen ansteigen. Beim Platz müssen sie sich aber einschränken. Die neuen Vorgaben  sehen vor, dass der Landverbrauch  auf ein Drittel der letzten Jahre reduziert wird.
Bis in 25 Jahren soll die Bevölkerung im Kanton Bern um rund 100'000 Menschen auf 1,1 Millionen ansteigen. Beim Platz müssen sie sich aber einschränken. Die neuen Vorgaben sehen vor, dass der Landverbrauch auf ein Drittel der letzten Jahre reduziert wird.
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Das neue Gesicht des Kantons Bern wird dem heutigen gleichen, obwohl die Bevölkerung bis in 25 Jahren um 10,5 Prozent wachsen soll. Das ist die Absicht des gestern in die Vernehmlassung geschickten Richtplans 2030. Um das gesteckte Ziel zu erreichen, müssen die Vorgaben aber strenger werden, machte Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) vor den Medien klar. Künftig werden dort Baukräne aufgestellt, wo heute schon Gebäude stehen. Die Wiese dagegen wird geschont – sofern sie nicht zu den 1244 Hektaren eingezontem Bauland oder den künftig nur noch wenig zu erweiternden Bauzonen gehören.

Wendepunkt im Jahr 2013

Den Wendepunkt bildete das erneuerte Raumplanungsgesetz (RPG), das vom Schweizer Stimmvolk am 3. März 2013 angenommen wurde. «Siedlungen sollen nach innen wachsen und nicht mehr an den Rändern ausfransen», sagte Neuhaus. Damit dies gelingt, muss in Zukunft konzentrierter, dichter und höher gebaut werden. Statt wie bisher 85 Hektaren sollen künftig nur noch jährlich maximal 35 Hektaren Land neu eingezont und überbaut werden.

Bis in 15 Jahren wären das 525 Hektaren neue Bauzonen. Die Siedlungsfläche würde dann inklusive Strassen und Freizeitanlagen rund 28'000 Hektaren betragen, was etwa 5 Prozent der Gesamtfläche des Kantons ausmacht.

Kanton reizt Spielraum aus

Weil dieses Wachstum über jenem liegt, das der Bund für Bern vorsieht – dessen Schätzung basiert auf Berns Entwicklung in der Vergangenheit –, muss der Kanton seine höheren Prognosen begründen. Daniel Wachter, Leiter des Amts für Gemeinden und Raumordnung (AGR), ist überzeugt, dass dies gelingt.

Erstens, ergänzte Neuhaus, sei Bern in jüngster Zeit sowohl bei der Wohnbevölkerung wie bei den Arbeitsplätzen schneller als erwartet gewachsen und habe sich wieder dem Schweizer Durchschnitt angenähert.

Zweitens habe man ein Pendlerproblem: «Die knapp 40000 Zupendler, die ausserkantonal wohnen, verursachen heute viel Verkehr», sagte Neuhaus. Er möchte sie darum näher an ihren Arbeitsplatz locken.

Drittens sei es auch im Interesse der Schweiz, wenn der finanziell klamme Kanton Bern sich im Tempo des Schweizer Durchschnitts entwickle.

Fünf Raumtypen

Der Unterschied in den Prognosen hat unmittelbare Folgen: Dank dem Szenario des Kantons soll Bern statt eines Stopps in bescheidenem Umfang Bauland einzonen dürfen. Etwa auf dem Stadtberner Viererfeld: Diese 16 Hektaren könnten so ohne Kompensation an einem anderen Ort eingezont werden. Doch auch so wird der Hauptteil der Entwicklung, nämlich 75 Prozent, in Kernzonen und Agglomerationen stattfinden. Die restlichen 25 Prozent sind zwar im Richtplan für das übrige Kantonsgebiet vorgesehen, aber auch dort möglichst konzentriert.

Entscheidende Grundlage für die Zukunftsperspektiven der ab 2015 356 Gemeinden ist die überarbeitete Raumtypologie des Kantons: Jede Gemeinde gehört einem der fünf Typen an. Zwar können Gemeinden vorstellig werden, wenn sie mit der Zuordnung nicht einverstanden sind, wie Kantonsplanerin Katharina Dobler ausführte. Letztlich habe aber der Kanton das letzte Wort, hielt sie fest.

Für Gemeinden im ländlichen Raum heisst das de facto, es gibt kein neues Bauland mehr. Ihr Tummelfeld wird damit das Umnutzen bestehender Gebäude. Viele davon liegen ausserhalb der Bauzone und unterliegen damit rigiden Vorschriften. Die Berner Regierung will sich dafür einsetzen, dass die Regeln in diesem Bereich vereinfacht werden. Auf Bundesebene steht deren Überarbeitung bevor.

Ein besonderes Augenmerk will der Kanton auch dem Erhalt der besten Ackerböden, sogenannten Fruchtfolgeflächen, schenken. Weil er gegenwärtig die Anforderungen des Bundes nicht erfüllt, hat er neue Flächen ausgeschieden, die im Rahmen dieser Richtplanrevision erfasst werden sollen.

Druckmittel im Baugesetz

Insgesamt wird Bauland im Kanton Bern künftig zwar knapper, aber die Verantwortlichen gehen davon aus, dass genügend vorhanden sein wird. Das Problem sei eher die Verfügbarkeit, erläuterte gestern Daniel Wachter vom AGR. Im Rahmen der laufenden Teilrevision des Baugesetzes sollen Gemeinden hier stärkere Handhabe erhalten. Das vorgeschlagene Instrumentarium reicht bis zur Enteignung von Land, falls der Eigentümer sich gegen dessen Überbauung sträubt.

Revisionen unter Zeitdruck

Sowohl bei der Anpassung des Richtplans wie bei jener des Baugesetzes steht der Kanton unter Zeitdruck. Solange der Richtplan nicht vom Bund genehmigt und vom Grossen Rat abgesegnet ist, darf nur Land eingezont werden, wenn anderswo gleich viel ausgezont wird. Diese Frist möchte der Regierungsrat möglichst kurz halten. Gemäss seinem Zeitplan könnte der Richtplan Ende 2015 in Kraft treten.

Beim Baugesetz schwebt das Damoklesschwert über dem Datum vom 1. Januar 2018. Bis dahin muss klar sein, wie ein Teil des Planungsmehrwerts bei Einzonungen abgeschöpft werden soll. Dies verlangt das neue RPG. Mit dem Geld können Gemeinden unter anderem dafür sorgen, dass die Aussenräume in den städtischeren Siedlungen von Morgen die Lebensqualität von heute bewahren können.

Hier finden Sie die Zuordnung sämtlicher Gemeinden im Kanton Bern zum jeweiligen Raumtyp (pdf-Datei).

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