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50 Berner Bauern rebellieren

Im Kanton Bern hat sich ein Komitee gebildet, das sich gegen das Blauzungen-Impfobligatorium wehrt. Es gehe nicht an, dass sie für ihr «eigenverantwortliches Handeln» kriminalisiert würden, sagen die Initianten.

An Biokühe kommen Tierärzte mit ihren Impfdosen nicht so leicht heran. Vorab Biobauern verweigern die Blauzungenimpfung.
An Biokühe kommen Tierärzte mit ihren Impfdosen nicht so leicht heran. Vorab Biobauern verweigern die Blauzungenimpfung.
Keystone

Vor zwei Wochen hatte Fritz Sahli die Polizei auf seinem Biohof Schüpfenried in Uettligen. Sie habe Dokumente beschlagnahmt und ihn auf den Polizeiposten beordert, berichtete der Bauer gestern, als auf seinem Hof eine Medienkonferenz stattfand. Das Vergehen, das dem Bauern angelastet wird: Er hat sein Rindvieh nicht gegen die Blauzungenkrankheit impfen lassen. Er hat also gegen die Tierseuchengesetzgebung verstossen. Jetzt ist es am Untersuchungsrichter, über die Höhe der Strafe zu entscheiden.

Knapp ein halbes Prozent

Wie Fritz Sahli in Uettligen müssen im Kanton Bern noch eine ganze Reihe weiterer Bauern mit einem Strafbefehl rechnen. Von den insgesamt rund 12000 Bauernbetrieben, in denen Rinder geimpft werden mussten, haben sich laut Kantonstierarzt Reto Wyss etwa deren 50 dem Obligatorium widersetzt. Das sind weniger als ein halbes Prozent, «aber sie geben viel zu tun», sagt Wyss. Zuerst lud der Veterinärdienst die Verweigerer zu einer Stellungnahme ein. Dann erhielten sie die Verfügung mit der ultimativen Aufforderung zum Impfen. Wer sich widersetzte, dessen Tierbestand wurde für den Tierverkehr gesperrt, zudem wurde er gemäss des Tierseuchengesetzes angezeigt.

An Untersuchungsrichtern ist es nun, Strafmandate auszustellen. Beschwerden, die gegen die Verfügungen ergriffen wurden, hatten keine aufschiebende Wirkung. So hat es das Verwaltungsgericht diesen Sommer entschieden.

Dass der ganze Justizapparat in Gang gesetzt wurde, verstehen die Organisatoren der gestrigen Medienkonferenz nicht. Sie, die aus Sorge um ihre Tiere und aus Angst vor negativen Wirkungen nicht impfen liessen, wehren sich dagegen, «derart kriminalisiert» zu werden. Schliesslich seien sie selber verantwortlich für ihre Tiere.

Wenn, dann freiwillig

Nun haben sie im Kanton Bern ein Komitee gegründet, das die Freiwilligkeit der Impfung will. Mitgetragen wird dies von den Bärner Bio Buure, der Kleinbauern-Vereinigung, Demeter und der Schweizer Bergheimat. Nicht nur Impfgegner stünden dahinter, sondern auch Impfbefürworter und Impfdulder, sagte Andreas Schneider, Präsident der Bärner Bio Buure. Das Komitee will Bio Suisse unterstützen, die sich auf nationaler Ebene für die Freiwilligkeit der Impfung einsetzen wird.

«Ignorant und schikanös»

In Uettligen wurde harsche Kritik am Berner Veterinärdienst und an Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher laut. «Die Kriminalisierung der Impfverweigerer ist eine untragbare und unangemessene Überspitzung der staatlichen Bekämpfung der Blauzungenkrankheit», sagte etwa Grossrätin Kathy Hänni (Grüne, Kirchlindach). Der Kanton habe bisher «nichts Nennenswertes» getan, um verunsicherte Tierhalter zu unterstützen. Ulrike Minkner, Biobäuerin auf dem Mont Soleil, sprach von «innerkantonalen Disziplinierungsübungen». Die Berner Behörden handelten «ignorant und schikanös», doppelte Magdalena Schatzmann aus Diemtigen nach, während Heidi und Beat Garo aus Tschugg mit einem Bericht von Fehlgeburten und Fruchtbarkeitsstörungen aufwarteten, die sie der Impfung zuschrieben.

Kritik an Tierärzten

Weiter klagte die Gruppe, Tierärzte würden Folgeschäden als Zufall abtun, statt sie ans Institut für Viruskrankheiten und Immunprophylaxe in Mittelhäusern weiterzuleiten. Mit diesem Vorwurf konfrontiert, sagt Kantonstierarzt Reto Wyss: Es sei sinnvoll, wenn der Tierarzt eine Triage vornehme und Schäden, die nichts mit der Impfung zu tun haben könnten, nicht weiterleite. «Aber ich gehe davon aus, dass alle andern korrekt gemeldet werden.» Zudem, gibt er zu bedenken, könne jeder Bauer das Formular im Internet herunterladen und die Schäden selber melden.

Reto Wyss wartet gespannt auf eine Veranstaltung im Oktober, an der das Bundesamt für Veterinärwesen aktuelle Daten zur Blauzungenkrankheit präsentieren wird. Auf Grund dieser – und nach Anhörung landwirtschaftlicher Organisationen – wird der Bund entscheiden, ob die Impfung auch 2010 obligatorisch sein soll. «Der Kanton Bern wird die Impfung sicher nicht gegen den Widerstand der Mehrheit der Bauern fordern», sagt Wyss.

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