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90'000 Menschen im Kanton Bern sind arm oder armutsgefährdet

Am Tag der Armut fordert Caritas Bern eine bessere Koordination im Kampf gegen Armut. Die Caritas-Kampagne wird vom YB-Trainer Vladimir Petkovic unterstützt.

Kanton Bern: Viele Menschen leiden unter Armut.
Kanton Bern: Viele Menschen leiden unter Armut.
Valérie Chételat

Das Hilfswerk anerkenne die - im nationalen Vergleich überdurchschnittlichen - Anstrengungen des Kantons Bern, sagte Geschäftsleiter Thomas Studer am Freitag vor den Medien in Bern. Vonnöten sei aber eine bessere Koordination und Vernetzung der bestehenden Angebote. Denn im Kanton sind laut Caritas Schweiz 90'000 Menschen arm oder armutsgefährdet.

Dieselbe Stossrichtung hat eine Motion im Grossen Rat, die auch von Bürgerlichen unterzeichnet wurde: Der Regierungsrat soll einen Massnahmenplan zur Bekämpfung der Armut erarbeiten. «Wir brauchen mehr Interdisziplinarität», sagte Motionsunterzeichner Blaise Kropf (Grüne/Bern) an der Caritas-Pressekonferenz.

Bei jeder Vorlage des Kantons müsste systematisch geprüft werden, welche Auswirkungen auf die Armut zu erwarten seien. Als Beispiel nannte Kropf die aktuellen Diskussionen um die Tarife der Kindertagesstätten (Kitas). Werde der Minimaltarif erhöht, gehe dies zu Lasten der schon heute armutsbetroffenen Menschen.

Kantonale Fachstelle für Armut

Grossrätin Andrea Lüthi (SP/Wynigen) räumte ein, dass der Kanton Bern eines der modernsten Sozialhilfegesetze der Schweiz habe. Zudem habe die Gesundheits- und Fürsorgedirektion einen wertvollen Aktionsplan erarbeitet. Doch für die Umsetzung der vorgeschlagenen Massnahmen sei kein Verantwortlicher bestimmt worden.

Abhilfe schaffen könnte zum Beispiel eine kantonale Fachstelle für Armut. Die breit abgestützte Motion, die im Juni ins Parlament kommt, lässt das konkrete weitere Vorgehen allerdings offen.

Caritas Bern will am Samstag auf dem Waisenhausplatz auf den Kampf gegen Armut aufmerksam machen, wie Geschäftsleiter Studer ankündigte. «Wir werden die Armut halbieren, leider nur symbolisch.»

Petkovic: «Fairness für alle»

Die Caritas-Kampagne wird von Prominenten unterstützt: So fordert YB-Trainer Vladimir Petkovic, der früher selber beim Hilfswerk gearbeitet hat, den «Platzverweis für die Armut» und «Fairness für alle». Weitere Caritas-Botschafterinnen sind alt Regierungsrätin Leni Robert und die Schauspielerin Heidi Maria Glössner.

Caritas macht am Samstag auch in zwölf weiteren Kantonen auf das Thema aufmerksam. So tragen Theaterschaffende in Zürich auf dem Hirschengraben Texte vor. In Lausanne und Luzern sammeln über 200 Läuferinnen und Läufer Geld für Armutsprojekte.

Caritas Schweiz will sich dafür einsetzen, dass die Zahl der armutsbetroffenen Personen in der Schweiz bis 2020 halbiert wird.

SDA/aw

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