Kantonsparlament bricht eine Lanze für Schullager

Wie kann der Kanton Bern Skilager unterstützen, ohne sich direkt finanziell zu beteiligen? In zwei Postulaten wird gefordert, ein Konzept für die Erhaltung und Förderung der Lager zu erstellen.

Um Gemeinden bei den Kosten für Skilager zu entlasten, soll der Kanton die Förderung der Lager unterstützen.<p class='credit'>(Bild: Adrian Moser)</p>

Um Gemeinden bei den Kosten für Skilager zu entlasten, soll der Kanton die Förderung der Lager unterstützen.

(Bild: Adrian Moser)

Die Berner Kantonsregierung soll prüfen, wie sie die Durchführung von Lagern und Exkursionen an Schulen möglichst wirksam unterstützen kann, ohne sich direkt finanziell daran zu beteiligen. Der Grosse Rat hat am Dienstag zwei entsprechende Postulate deutlich überwiesen.

Verschiedene Grossrätinnen und Grossräte schwelgten am Rednerpult in Erinnerungen an ihre Skilager oder Schulreisen. Von alten roten Holzskis, knallgrünen Plastikskischuhen, in der Suppe mitgekochten Socken und ominösen Abschlussabenden wurde erzählt.

Kurzum: «Lager und Exkursionen sind unglaublich wichtige Momente für Kinder und Jugendliche» , fand auch Erziehungsdirektorin Christine Häsler (Grüne). Heute sei die Durchführung von Lagern und Ausflügen aber keine Selbstverständlichkeit mehr, betonten Daniel Wildhaber (SP/Rubigen) und Peter Gasser (PSA/Bévilard), die je ein Postulat zum Thema eingereicht hatten.

Das Bundesgericht fällte im Jahr 2017 einen heftig diskutierten Entscheid, wonach die Volksschule grundsätzlich unentgeltlich sein muss. Aus diesem Grund dürfen schweizweit praktisch keine Elternbeiträge mehr für obligatorische Lager und Exkursionen erhoben werden.

Elternbeiträge für Skilager von 200 bis 300 Franken pro Lagerwoche gelten als zu hoch. Das Bundesgericht geht von einem Beitrag - je nach Alter der Schulkinder - von maximal 10 bis 16 Franken pro Tag aus. Dieser Betrag entspricht den Kosten für das Essen, das die Eltern während der Abwesenheit der Schulkinder einsparen. Viele Kantonen und Gemeinden empfahlen bisher Elternbeiträge zwischen 20 und 30 Franken pro Tag.

Gemeinden müssen in die Bresche springen

Im Kanton Bern müssen die Gemeinden in die Bresche springen. Je nach Finanzkraft einer Gemeinde würden Lager oder Ausflüge nicht mehr drin liegen, befürchteten viele Grossrätinnen und Grossräte. Auch Familien mit geringem Einkommen könnten ihren Kindern keine Lagerteilnahme mehr bezahlen.

Die Postulanten forderten daher unter anderem von der Regierung ein Konzept für die Erhaltung und Förderung der Lager. In seiner Antwort betonte der Regierungsrat den pädagogischen Wert solcher ausserschulischer Erlebnisse. Dass nach dem Bundesgerichtsentscheid möglicherweise weniger Lager und Ausflüge durchgeführt werden, sei problematisch.

Dennoch pochte die Regierung auf die vereinbarte Aufgabenteilung zwischen dem Kanton und den Gemeinden. Diese sieht vor, dass der Kanton 70 Prozent der Gehaltskosten der Lehrpersonen trägt, die Gemeinden die verbleibenden Kosten, also auch solche für Lager und Ausflüge. Dem Kanton sei es aufgrund der Aufgabenteilung und aufgrund seiner eigenen finanziellen Situation nicht möglich, direkte Beiträge zu bezahlen.

Häsler skizzierte aber Möglichkeiten, wie die Schulen anders unterstützt werden könnten, zum Beispiel durch die vermehrte Zusammenarbeit mit Dritten, also Organisationen wie Jugend und Sport oder «Gosnow».

Auch mit Tourismusdestinationen oder Sportverbänden könne eine Zusammenarbeit geprüft werden. Die Erziehungsdirektion will eine kantonale Plattform aufbauen, die den Lehrkräften Möglichkeiten aufzeigt und sie bei der Planung unterstützt.

SVP befürchtet Bürokratie

In diesem Sinn überwies das Parlament die beiden Prüfungsaufträge mit grossem Mehr. Einzig die SVP lehnte sie mehrheitlich ab. «Nicht etwa, weil wir gegen solche Lager wären», wie Samuel Krähenbühl (Unterlangenegg) namens der Volkspartei betonte. Vielmehr befürchtet die Partei, dass «wieder eine riesige Bürokratie entsteht».

Parteikollege Fritz Wyss gab dem Rat zu bedenken, dass Geldmangel oft nur vorgeschoben werde, wenn Schulen auf Lager verzichteten. Vielmehr sei es heute Schulen und Lehrkräften zu heikel, solche Lager durchzuführen und eine Woche lang rund um die Uhr die Jugendlichen im Zaum zu halten. Dazu kämen auch noch Ansprüche von Eltern und vieles mehr. Hier müsste man ansetzen, befand Wyss.

tag/sda

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