Affäre Sonko: Käser ist froh, kam es nicht zur Racheakten

Polizeidirektor Hans-Jürg Käser hält es weiter für unzumutbar, dass der Bund dem Kanton den gambischen Ex-Innenminister als Asylbewerber zugewiesen hat. Damit seien allfällige Übergriffe oder Unruhen in Kauf genommen worden.

Hans-Jürg Käser, Polizeidirektor: «Es hätte zu einer gefährlichen ­Situation im  Durchgangs­zentrum kommen können. Und wir hätten uns danach rechtfertigen ­müssen.»

Hans-Jürg Käser, Polizeidirektor: «Es hätte zu einer gefährlichen ­Situation im Durchgangs­zentrum kommen können. Und wir hätten uns danach rechtfertigen ­müssen.» Bild: Andreas Blatter

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Es waren aufwühlende Tage für den Berner Polizeidirektor. Die Diskussion um den früheren ­Innenminister aus Gambia, Ousman Sonko, hielt Hans-Jürg ­Käser (FDP) in Trab. Dem Afrikaner wird in der Heimat unter anderem Folter vorgeworfen; während zweier Monate ging er im Durchgangszentrum Lyss-Kappelen unbehelligt ein und aus. Käser wiederholt seine Kritik am Staatssekretariat für Migration (SEM) auch nach dessen gestriger Rechtfertigung: «Dieser Mann hätte unter keinen Umständen einem Kanton zugewiesen werden dürfen.»

Die Antwort des SEM, der Kanton Bern sei bei der Zuweisung Mitte November darüber informiert worden, dass es sich bei dem Asylsuchenden um einen ehemaligen Minister handle, sei zwar wahr. «Mehr Informationen flossen aber nicht. Es ist die Aufgabe des SEM, Auskünfte über Asylsuchende einzuholen, nicht die der Kantone.»

Die Kantone seien lediglich verantwortlich dafür, die Asylbewerber während der Dauer des Verfahrens zu beherbergen. Für alles andere fehlten dem Kanton Bern sowohl der Auftrag als auch die Mittel. «Gerade wenn es sich um Würdenträger aus dubiosen Staaten handelt, muss der Bund diese Personen in seiner Obhut behalten, bis genug Informationen vorliegen.»

Die Angst vor einer Eskalation

Der Polizeidirektor ist vor allem deshalb erzürnt, weil das SEM mit diesem «fahrlässigen Vorgehen» eine allfällige Eskalation in Kauf genommen habe: «Dieser Mann ging im Durchgangszen­trum unbehelligt ein und aus. Der Gedanke, dass ein mutmasslicher Verbrecher sich frei in einer Berner Gemeinde bewegen konnte, beschert mir ein mulmiges Gefühl.»

Nicht zuletzt gehe es auch darum, solche Personen vor allfälligen Racheakten zu schützen: «Was wäre etwa, wenn andere gambische Flüchtlinge erfahren hätten, dass unter ihnen ein Vertreter des gefürchteten ehemaligen Regimes weilt? Es hätte zu einer gefährlichen Situation im Durchgangszentrum kommen können. Und wir hätten uns danach rechtfertigen müssen.» Der Kanton Bern habe aber schlicht nicht die Befugnis und auch nicht die Möglichkeit, Asylsuchende zu isolieren oder in Haft zu nehmen.

Deshalb hofft Käser, dass das SEM seine Praxis anpasst und die Kontrollmechanismen künftig besser greifen. «Zum Glück war es bisher ein Einzelfall.» Käser wird nächste Woche das Gespräch mit SEM-Direktor Mario Gattiker suchen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.01.2017, 08:16 Uhr

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