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AKW-Standorte: Bern hat viel Konkurrenz

Das Rennen um die AKW-Standorte ist auch ein Wettbewerb unter den Kantonen: Bern hat ein wirtschaftliches Interesse daran, dass Mühleberg zum Handkuss kommt. Solothurn, Zürich und der Aargau halten dagegen.

Mühleberg muss als Erstes vom Netz: Bereits 2012 droht dem Atomkraftwerk der BKW das Aus. Die Anlage ist seit 1972 in Betrieb.
Mühleberg muss als Erstes vom Netz: Bereits 2012 droht dem Atomkraftwerk der BKW das Aus. Die Anlage ist seit 1972 in Betrieb.
Andreas Blatter

Diese Woche geht das Buhlen der Stromkonzerne um die künftigen AKW-Standorte in die nächste Runde: Die grossen Stromkonzerne Axpo, BKW und Alpiq vertraten gestern vor der Energiekommission des Ständerats ihre Pläne für den Ersatz jener Atomkraftwerke, die in den nächsten Jahren abgeschaltet werden müssen. Heute wertet die Energiekommission die Hearings aus und will dann die Öffentlichkeit über das weitere Vorgehen informieren.

Bis voraussichtlich 2019 müssen drei Atomkraftwerke vom Netz, eines bis maximal zwei könnten realistischerweise mittelfristig ersetzt werden. Die Frage ist nur, wo die neuen AKW gebaut werden. Die Stromfirmen Axpo und BKW wollen in Mühleberg und Beznau zwei neue, deutlich leistungsfähigere Atomkraftwerke bauen und haben dazu ein gemeinsames Rahmenbewilligungsgesuch eingereicht. Gegenspielerin von Axpo und BKW ist die Alpiq, die im Kanton Solothurn ein zweites AKW bauen will.

Kantone mischen mit

Deutlich wird langsam, aber sicher, dass das Ringen um die AKW-Standorte längst nicht nur ein Streit der Stromriesen ist. Auch die Standortkantone schalten sich immer stärker öffentlich in die Debatte ein. Das zeigt sich auch daran, dass gestern vor der ständerätlichen Energiekommission auch Regierungsräte aus den Kantonen Bern, Aargau, Solothurn und Zürich auftraten. Diese Kantone sind finanziell an den grossen Stromkonzernen beteiligt.

Beispiel Kanton Bern: Der Entscheid der rot-grünen Regierung, sich aktiv für den AKW-Standort Mühleberg einzusetzen, kam am Wochenende für viele überraschend. Rein volkswirtschaftlich betrachtet ist der Beschluss aber nachvollziehbar: Die Rede ist von 400 Millionen Franken, welche das AKW dem Kanton jährlich generiert. Und als Mehrheitsaktionär – der Kanton Bern hält einen Aktienanteil an der BKW-Gruppe von 52,5 Prozent – hat der Regierungsrat ein Interesse daran, dass es dem Konzern wirtschaftlich gut geht.

Solothurn will Gösgen 2

Aber: Mit diesen monetären Interessen steht der Kanton Bern nicht alleine da. Ein Konkurrent ist der Kanton Solothurn. Er ist daran interessiert, dass mit Gösgen 2 ein zweites Atomkraftwerk ans Netz geht. Denn ein AKW im eigenen Kanton zu haben bedeutet auch höhere Steuereinnahmen.

Der Kanton Solothurn ist finanziell an der Alpiq beteiligt, allerdings nicht im gleichen Ausmass wie der Kanton Bern an der BKW: Solothurn hält 5,6 Prozent aller Alpiq-Aktien.

Fünf Kantone für Beznau

Der Stromversorger Axpo hat AKW-Pläne in Beznau: Er möchte im Kanton Aargau einen Ersatz für Beznau 1 und Beznau 2 bauen, die beide in ungefähr zehn Jahren abgeschaltet werden müssen.

Hinter der Axpo stehen gleich fünf Kantone: Zürich, Aargau, Schaffhausen, Glarus und Zug sind finanziell am Stromkonzern beteiligt. Dabei hält Zürich mit 18,3 Prozent am meisten Aktien. Dahinter folgen der Kanton Aargau mit 13,9 Prozent, Schaffhausen mit 7,9, Glarus mit 1,7 und Zug mit 0,9 Prozent.

Dass sich die drei Stromkonzerne auf zwei Standorte einigen können, ist eher unwahrscheinlich. Umso wahrscheinlicher ist deshalb, dass den Kantonen im Wettrennen um die AKW-Standorte eine entscheidende Rolle zuteilwerden könnte.

Für den Verlierer winkt immerhin eine Minderheitsbeteiligung: Es ist gut möglich, dass sich der unterlegene Stromkonzern beim Gewinner einkauft und sich mit beispielsweise 25 Prozent Aktienanteil 25 Prozent der Stromproduktion sichert. Dieses Modell ist in der Stromwirtschaft ein gängiges. Mit leeren Händen steht am Schluss demnach womöglich niemand da.

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