Amstutz: «Es gibt nichts zu beschönigen»

Adrian Amstutz (58) nimmt die Abwahl aus dem Ständerat auf seine Kappe. Aber er sagt: «Die politische Konstellation hat dazu beigetragen, dass ich diesen Kampf fast nicht gewinnen konnte.»

Verlierer des Tages: Adrian Amstutz (SVP) muss nach einem halben Jahr vom Ständerat wieder zurück in den Nationalrat zügeln.

Verlierer des Tages: Adrian Amstutz (SVP) muss nach einem halben Jahr vom Ständerat wieder zurück in den Nationalrat zügeln.

(Bild: Keystone)

Urs Egli

Adrian Amstutz, enttäuscht sind Sie sicher, dass das Bernervolk Sie aus dem Ständerat abgewählt hat – doch sind Sie auch überrascht? Adrian Amstutz: Ich bin ins Rennen gestiegen, um zu gewinnen. Wenn man verliert, ist man immer enttäuscht, ob im Sport, im Geschäft oder in der Politik. Jetzt bin ich einmal auf der Verliererseite, aber deswegen geht die Welt nicht unter.

Was dachten Sie bezüglich Wahlausgang, als Sie am Sonntagmorgen erwacht sind? Dass es so herauskommen wird, wie es jetzt Tatsache ist. Eine realistische Analyse im Vorfeld der Wahl liess keinen anderen Schluss zu. Der Rest hat sich gegen mich gestellt.

Ist dies eine Niederlage für Sie oder für die SVP? Wenn ich als Person zu einer Wahl antrete, habe ich die Niederlage persönlich zu verantworten.

Da Sie Vizepräsident der SVP Schweiz sind, ist es auch eine Niederlage für die Partei. Natürlich präge ich diese Partei als Vizepräsident mit, also habe ich auch die Verantwortung zu tragen. Da gibt es nichts zu beschönigen. Ich stehe dazu, die SVP ist meine politische Heimat.

Was lief schief in Ihrem Wahlkampf? Versagt hat niemand. Die politische Konstellation hat dazu beigetragen, dass ich diesen Kampf fast nicht gewinnen konnte. Aber wenn man verliert, hat man stets ein paar Fehler gemacht. Noch liegt aber keine Analyse vor, damit sauber reagiert werden kann.

Reagieren? Sauber reagieren heisst, die Fehler zu erkennen, damit diese beim nächsten Mal nicht wiederholt werden.

Ein Fehler war sicher Ihr Schmusekurs gegenüber der BDP. Diesen Schachzug hat Ihnen niemand geglaubt. Nein, dieser Entscheid war richtig, und ich stehe noch jetzt dahinter. Kurzfristig hat sich dies nicht ausbezahlt, doch bin ich überzeugt, dass dieser Kurs für den bürgerlichen Schulterschluss richtig ist. Den Kurs habe ich auch mit Blick auf die Regierungsratswahlen 2014 forciert. Ich will zu einer bürgerlichen Regierungsmehrheit beitragen – einen ersten Schritt dazu habe ich gemacht. Dieser Schritt hat mir und meiner Kandidatur vielleicht geschadet; doch dies spielt keine Rolle: Es muss der Sache dienen.

Die BDP hat Ihnen die Unterstützung versagt, der bürgerliche Schulterschluss scheint deshalb nicht sehr realistisch zu sein. Das glaube ich nicht. Unsere Basis ist interessiert an einem bürgerlichen Schulterschluss.

Welche Basis meinen Sie? Die Basis der SVP. Wir respektieren seit den Nationalratswahlen, dass SVP und BDP zwei eigenständige Parteien sind. Dies hindert uns aber nicht daran, konstruktiv zusammenzuarbeiten.

Die FDP unterstützte jetzt zwar Ihre Wahl, doch wären die Freisinnigen nicht zum ersten Wahlgang angetreten, wäre Adrian Amstutz wohl auf Anhieb gewählt gewesen. Ja, das wäre möglich gewesen. Aber es ist müssig, nach gehabten Freuden Karten zu verteilen, das liegt mir fern. Ich bin ein zu überzeugter Demokrat, um nach dem Vorliegen des Resultates eine Niederlage zu bejammern. Das Bernervolk hat entschieden, ich habe da nur zu sagen: Verstanden.

Sie visieren 2014 die bürgerliche Mehrheit im Regierungsrat an – werden Sie kandidieren? Im Moment ist dies ganz sicher kein Thema. Es geht auch nicht um meine Person, sondern um das Ziel der bürgerlichen Regierungsmehrheit. Dies im Interesse der Bevölkerung, der Wirtschaft und damit der Arbeitsplätze.

Berner Zeitung

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