Die Gartenbauschule ist gerettet

Zwei Millionen Franken pro Jahr wollte der Regierungsrat bei der Gartenbauschule Hünibach sparen. Doch der Grosse Rat stellte sich gegen die Regierung – und hinter die Schule.

Bei den Gartenbauschulen Oeschberg und Hünibach wollte der Kanton über 2 Millionen Franken sparen. Den Grosse Rat folgte aber einem Antrag der Grünen, der den Erhalt der Schulen vorsah.

Bei den Gartenbauschulen Oeschberg und Hünibach wollte der Kanton über 2 Millionen Franken sparen. Den Grosse Rat folgte aber einem Antrag der Grünen, der den Erhalt der Schulen vorsah.

(Bild: Michael Gurtner)

Stefan Geissbühler

Die Szene spielt sich am Montagnachmittag im Berner Rathaus fernab von Mikrofonen und TV-Kameras ab: Die grüne Thuner Grossrätin Andrea de Meuron und Marianna Serena, Direktorin der Gartenbauschule Hünibach, fallen sich im Gang hinter der Zuschauertribüne in die Arme. Sie feiern ihren Sieg nach der gewonnenen Schlacht. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler der Gartenbauschule können den Entscheid des Grossen Rates noch nicht richtig fassen, Hilterfingens Gemeindepräsident Gerhard Beindorff (FDP) beobachtet die ­Szenerie.

«Hart gekämpft»

«Es ist unglaublich, die Freude ist sehr gross», sagt Andrea de Meuron strahlend. «Eine knappe Mehrheit des Grossen Rates anerkennt, dass die Gartenbauschule Hünibach gute Arbeit leistet und kantonal und schweizweit wichtige Ausbildungsplätze anbietet, das Pflänzli wurde heute gestärkt», so die Grossrätin und Mitinitiantin der Motion «Rettet die Gartenbauschule Hünibach!».

Deren Direktorin Marianna Serena wirkt erschöpft: «Wir haben hart gekämpft», stellt sie fest. Glücklicherweise habe man aber auf eine «breite Befürworterbasis» zählen können. Die über 35'000 Unterschriften aus Region und Kanton, aber auch aus der restlichen Schweiz für die Erhaltung der Schule sprächen für sich.

«Hinter den Kulissen aktiv»

Und: «Die Unterstützung unseres Anliegens durch den Thuner Stadtpräsidenten Raphael Lanz war sehr wichtig», sagt Serena. Dieser habe den Weg für den Erfolg bis weit in bürgerliche Kreise geebnet. Lanz geniesst still: «Ja, ich war hinter den Kulissen aktiv, und es freut mich, wenn meine Arbeit gewürdigt wird», gibt er zu Protokoll.

Hilterfingens Gemeindepräsident Gerhard Beindorff kritisiert derweil seine Partei: «Die Haltung der FDP-Fraktion zu dieser wichtigen Schule enttäuschte mich», so Beindorff. Nur sehr wenige FDP-Parlamentarier hätten für die Schule gestimmt.

«Licht löschen»

Die Debatte im Berner Rathaus wurde emotional geführt: «Der Regierungsrat will das Licht unseres Leuchtturms löschen», startete Andrea de Meuron. Dies würde das Aus für 50 Arbeits­plätze und 50 integrative Ausbildungsplätze bedeuten. «Schliessen wir die Schule, generieren wir neue Sozialhilfeempfängerinnen und -empfänger», so de Meuron weiter.

Raphael Lanz (SVP) schlug in dieselbe Kerbe: «Die Gartenbauschule bildet junge Menschen aus, die im dualen System keine Chance hätten.» Schliesse man die Schule, drohten Mehrkosten.

«Nicht gerne vorgeschlagen»

Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) versuchte vergeblich, den Standpunkt des Regierungsrates zu verdeutlichen: «Ich habe diese Massnahme auch nicht gerne vorgeschlagen, und ohne Spardruck hätten wir darauf verzichtet», so der Regierungspräsident. Aber: Kein anderer Kanton führe wie der Kanton Bern mit Hünibach und Oeschberg zwei Gartenbauvollzeitschulen. «Manchmal muss man halt etwas abbauen», sagte Pulver weiter. Und: Der nächste Erziehungsdirektor müsse dann die zwei Hünibach-Millionen woanders einsparen.

«Das war knapp»

Schliesslich stimmte das Kantonsparlament mit 76 Ja- zu 67 Nein-Stimmen der Planungserklärung zu, welche den Verzicht auf die Streichung des Kantonsbeitrags an die Gartenbauschule Hünibach forderte.

Den Vorstoss «Rettet die Gartenbauschule Hünibach!» überwies das Parlament darauf äusserst knapp: Bei 70 Ja- zu 70 Nein-Stimmen verhalf Ratspräsidentin Ursula Zybach (SP, Spiez) der Motion mit ihrem Stichentscheid zum Durchbruch. Diese fordert unter anderem, dass mit der Gartenbauschule eine neue Leistungsvereinbarung ausgehandelt wird, die einerseits den Fortbestand der Schule sichert und andererseits die Basis für eine Steigerung des Eigenfinanzierungsgrades legt.

«Wir wussten zwar, dass es knapp werden würde», sagte Gartenbauschule-Direktorin Marianna Serena, «aber so knapp...»

Thuner Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt