BLS rudert bei Seeabsenkung zurück

Thunersee

Eine lange Geschichte nimmt ein Ende, zumindest vorläufig: Die BLS rüttelt nicht länger an der Seeabsenkung. Sie verzichtet auf sämtliche Gesuche zu deren Änderung.

<b>Der Thunersee</b> wird wie 2010 weiterhin alle vier Jahre abgesenkt. Die BLS gibt ihren Widerstand vorerst auf.

Der Thunersee wird wie 2010 weiterhin alle vier Jahre abgesenkt. Die BLS gibt ihren Widerstand vorerst auf.

(Bild: Patric Spahni)

Seit Jahren würde die BLS die Winterschifffahrt gerne ausbauen. Das Problem dabei: Beim tiefen Seespiegel im Winter können ausschliesslich wintertaugliche Kursschiffe mit geringem Tiefgang verkehren. Gegenwärtig ist das gerade mal eines, nämlich das relativ kleine Motorschiff Schilthorn.

Mit einem Gesuch wollte die BLS zuletzt erreichen, dass der Seepegel im Winter konstant gehalten wird. Ein Pegel bei mindestens 557,45 Metern über Meer würde dem Unternehmen nämlich ermöglichen, nebst der MS Schilthorn auch die weitaus grössere MS Berner Oberland einzusetzen und entsprechend mehr Fahrgäste zu befördern.

Mit Vorschlägen aufgelaufen

Im Januar 2018 legte die BLS vorerst zwei Vorschläge zur Änderung des kantonalen Regulierungsreglements vor: Eine generelle Erhöhung des Seepegels oder der Verzicht auf ausserordentliche Seeabsenkungen. Diese erfolgen alle vier Jahre unter anderem mit dem Zweck, Bau- und Sanierungsarbeiten am Ufer zu vereinfachen.

In der Mitwirkung zeigte sich jedoch rasch, dass beide Vorschläge Schiffbruch erleiden würden. Die BLS legte also einen dritten Vorschlag nach: Die ausserordentliche Absenkung solle nur alle fünf statt alle vier Jahre erfolgen.

Volle Kraft zurück

Nun rudert das Transportunternehmen zurück: In einer Pressemeldung teilte die BLS am Montag mit, sie sehe davon ab, überhaupt ein Änderungsgesuch einzureichen. Damit nimmt das Unternehmen die Einschränkungen bei der Winterschifffahrt weiter in Kauf.

Die BLS habe auch die dritte Variante mit allen Beteiligten diskutiert, steht im Communiqué. «Es zeigte sich, dass sich nicht voraussagen lässt, wie sich eine Änderung des Seepegels auf Tiere und Pflanzen auswirken würde. Die BLS nimmt das ernst und hat deshalb entschieden, kein Gesuch einzureichen.»

Handelt die BLS also aus purer Liebe zur Natur? Die Nachfrage bei der BLS-Medienstelle lässt erahnen, dass man nach den Diskussionen auch der dritten Variante kaum Chancen einräumte: «Die öffentliche Mitwirkung hat gezeigt, dass Widerstand gegen eine Änderung des Regulierungsreglements besteht», sagt Mediensprecherin Tamara Traxler. Die Gegner des Vorschlags führten offenbar vorwiegend ökologische Gründe ins Feld.

Zum Entscheid habe aber auch beigetragen, dass die Seeabsenkungen von Thuner- und Brienzersee aufeinander abgestimmt seien, schreibt die BLS weiter. «Hätte die BLS also die Regulierung des Thunersees ändern wollen, so wäre auch beim Brienzersee eine Prüfung des Umwelteinflusses nötig gewesen.»

Wenn der Kanton den Spiegel des Thunersees alle vier Jahre auf bis zu 557,00 Meter über Meer senkt, sind die Aare in Thun, der Schiffskanal Interlaken und auch die Zufahrt zur BLS-Werft im Gwatt jeweils nicht mehr schiffbar.

Durch Ausbaggerungen könnte die Situation zwar entschärft werden. Von dieser Massnahme sieht die BLS jedoch ab, «da die Kosten hoch wären und eine Finanzierung erst geklärt werden müsste», sagt Tamara Traxler.

Grosse Absenkung 2020

Bei der nächsten ausserordentlichen Seeabsenkung 2020 wird die BLS also erneut in den sauren Apfel beissen und die Schifffahrt massiv abspecken: Voraussichtlich stationiert das Unternehmen die Schiffe in Spiez und fährt mit der MS Schilthorn den Kurs Spiez–Hünibach–Neuhaus retour.

Ab den Bahnhöfen Thun und Interlaken-West werden Busse verkehren, welche die Gäste zu den Schiffsstationen bringen, welche auch während der grossen Seeabsenkung angefahren werden können.

Thuner Tagblatt

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