Denkzettel für den Insel-Chef

Doppelmandate wie jenes von Insel-Chef Uwe E. Jocham werden an öffentlichen Spitälern nicht per se verboten. Der Grosse Rat will aber keine langfristige Machtkumulation.

Nachdem Uwe E. Jocham neben dem seinem Mandat als Verwaltungsratspräsident auch zum CEO gewählt worden war, wurden kritische Stimmen aus der Politik laut.

Nachdem Uwe E. Jocham neben dem seinem Mandat als Verwaltungsratspräsident auch zum CEO gewählt worden war, wurden kritische Stimmen aus der Politik laut.

(Bild: Adrian Moser)

Marius Aschwanden

Seit Anfang Jahr ist Uwe E. ­Jo­cham der starke Mann an der Spitze der Berner Insel-Gruppe. Nach dem Abgang von CEO Holger Baumann übernahm der neue Verwaltungsratspräsident auch gleich den Posten des Direktionspräsidenten. Zwar ist für Jocham klar, dass er das Präsidium des Verwaltungsrats wieder abgeben wird, sobald eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger ­gefunden ist. Er möchte aber einfaches Verwaltungsratsmitglied bleiben.

Diese Machtkumulation gab am Dienstag im Grossen Rat zu reden. In einer Motion forderten Grossrätinnen von GLP, BDP, Grünen und SP, dass in öffentlichen Spitälern die Funktion des Verwaltungsrates von jener der Geschäftsleitung klar getrennt sein müsse. Insbesondere deshalb, weil der Kanton und der Steuerzahler im Fall von Misswirtschaft bezahlen müssen. Das Anliegen war im Kantonsparlament weitgehend unbestritten – wenn auch nur in der abgeschwächten Form eines Postulats.

Beispiel Postauto

Bei einem Doppelmandat seien Rollenkonflikte vorprogrammiert, argumentierten die Motionärinnen. Barbara Mühlheim (GLP, Bern) etwa sagte, dass dies insbesondere auf den Krisenfall zutreffe, und verwies auf die aktuelle Affäre rund um die Subventionen der Postauto Schweiz AG. «Stellen Sie sich vor, Postchefin Susanne Ruoff wäre auch im Verwaltungsrat gewesen. Dann hätte sie mitentscheiden müssen, ob ihr das Vertrauen entzogen werden soll», so Mühlheim.

Auch Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP) machte klar, dass der Regierungsrat ein langfristiges Doppelmandat in den öffentlichen Spitälern nicht gutheisst. In Ausnahmefällen jedoch könne ein solches durchaus sinnvoll sein. «Gerade in Umstrukturierungsphasen und als Übergangslösung sollte die Möglichkeit genutzt werden können», so Schnegg. Ein striktes Verbot lehnte er deshalb ab.

Deutliches Ja

Das sah letztlich auch Motionärin Mühlheim ein. Sie wandelte den Vorstoss deshalb in ein Postulat. Im Grossen Rat fand sie damit eine deutliche Mehrheit. Mit 132 zu 14 Stimmen wurde der Vorstoss überwiesen.

Damit dürften die Pläne von Uwe E. Jocham vom Tisch sein, als CEO langfristig im Insel-Verwaltungsrat vertreten zu sein. Wie genau es beim Unispital weitergeht, soll in der zweiten Jahreshälfte bekannt werden. Dann will der Regierungsrat über die Nachfolge von Jocham als Verwaltungsratspräsident informieren.

Berner Zeitung

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