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Die Auflagen dürfen nicht zur Schikane für die Fans werden

Die Auflagen der Behörden dürfen die Fans nicht schikanieren, fordert Peter Jost in seinem Kommentar zur Verschärfung des Hooligan-Konkordats.

Das Berner Kantonsparlament hat sich mit 108 Ja zu 39 Nein bei 4 Enthaltungen sehr deutlich für den Beitritt zum verschärften Hooligan-Konkordat ausgesprochen. Das Kernstück dieses Konkordats ist die Bewilligungspflicht für Fussball- und Eishockeyspiele der obersten Ligen. Damit können die Standortgemeinden der Stadien den Klubs in Zukunft verbindliche betriebliche Auflagen machen. Dazu gehören zum Beispiel Einschränkungen beim Alkoholausschank im Stadion, strengere Zutrittskontrollen oder auch bestimmte bauliche Massnahmen.

Dass die Klubs daran keine Freude haben, liegt auf der Hand. Die behördlichen Auflagen schränken den Handlungsspielraum der Veranstalter ein. Besser: die Auflagen können den Handlungsspielraum einschränken. Denn die allermeisten Empfehlungen im Konkordat basieren auf «Kann»-Formulierungen. Wie so oft wird auch in der Umsetzung des Hooligan-Konkordats der Teufel im Detail stecken. Werden die Behörden nur die ganz heissen Partien als Risikospiele deklarieren und mit entsprechend restriktiven Auflagen versehen? Nützt man die vorgesehenen Massnahmen zum Beispiel beim Alkoholverbot voll aus? Oder sucht man Kompromisse - etwa mit dem Ausschank von Leichtbier im Stadionsektor der gegnerischen Fans? Genau diese Details werden letztlich darüber entscheiden, ob die Verschärfung des Hooligan-Konkordats tatsächlich Wirkung erzielt oder bloss provoziert.

Klubs und Sportfans haben in den letzten Monaten stark gegen die Verschärfung des Konkordats und damit für ihre Interessen gekämpft. Das ist legitim und im Sinne eines demokratischen Meinungsbildungsprozesses. Geht man vom jeweils schlimmstmöglichen Fall, das heisst von den repressivsten Massnahmen und Auflagen aus, die in den Empfehlungen erwähnt sind, ist der Widerstand gut nachzuvollziehen. Der Dialog war deshalb lange blockiert. Doch nun wäre ein guter Zeitpunkt, um alte Widerstände aufzugeben.

Denn nun sind alle gefordert. Es liegt zu gleichen Teilen an Behörden, Klubs und Fans, dass die Empfehlungen des Konkordats in ihrem Sinn umgesetzt werden. An den Behörden liegt es, dass die Auflagen für die Klubs nicht zur Schikane werden, sondern mit Augenmass und gesundem Menschenverstand verhängt werden. An den Klubs ist es, die Auflagen so zu erfüllen, dass sie von den Behörden als vertrauenswürdige Partner anerkannt werden. Und die Fans haben es mit ihrem Verhalten im Stadion und um die Stadien herum in der Hand, dass die Risiken von Sportveranstaltungen je länger, je tiefer eingeschätzt werden. Gewaltfreie Sportanlässe sind ein hehres Ziel. Es lohnt sich, gemeinsam auf dieses Ziel hinzuarbeiten.

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