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«Die Bildung muss im Zentrum stehen»

Wenn der Unterricht in den Gymnasien später starten soll, dürfe nicht die Verkehrsentlastung der Hauptgrund sein. So lautet der Tenor aus den städtischen Gymnasien – gefolgt von eher skeptischen Voten.

Rolf Maurer und André Lorenzetti, die Rektoren der Stadtberner Gymnasien Neufeld und Kirchenfeld, stehen der Aufhebung von Frühstunden skeptisch gegenüber.
Rolf Maurer und André Lorenzetti, die Rektoren der Stadtberner Gymnasien Neufeld und Kirchenfeld, stehen der Aufhebung von Frühstunden skeptisch gegenüber.
zvg

Der Kanton möchte ausprobieren, ob ein zum Teil späterer Schulbeginn in Gymnasien sinnvoll wäre. Die Idee dazu wurde nicht von der Erziehungsdirektion, sondern von Verkehrsdirektorin Barbara Egger (SP) angestossen – weil sie darin eine Möglichkeit sah, den öffentlichen Verkehr zu Spitzenzeiten zu entlasten. Ein erster fiktiver Stundenplan wurde gemeinsam mit den Gymnasien Neufeld, Kirchenfeld und Köniz-Lerbermatt erstellt. Nun möchte der Kanton auf ein Pilotprojekt mit diesen Gymnasien hinarbeiten.

«Ich habe mir noch keine Meinung darüber gebildet, ob ein solches Verschieben des Unterrichts sinnvoll wäre», sagt Rolf Maurer, Rektor des Gymnasiums Neufeld. Vorerst gelte es die Konsequenzen zu klären, die ein Verschieben des Unterrichts für Schüler, Lehrkräfte und den Schulbetrieb haben würde. In diesem Prozess stecke zurzeit eine Arbeitsgruppe, in der auch die drei Gymnasien vertreten seien.

«Vorteile sollen überwiegen»

Für André Lorenzetti, Rektor des Gymnasiums Kirchenfeld, ist klar: «Die Vorteile sollen überwiegen, egal, bei welcher Variante.» Die beiden Schulleiter betonen, dass für sie dabei die Bildung im Zentrum stehen müsse. «Der Verkehr hat lediglich eine Supportfunktion für unser Hauptgeschäft, die Bildung. Also sollte sich der Verkehr der Ausbildung anpassen und nicht umgekehrt», sagt Maurer. Das Argument, das auf der Bildungsebene für einen späteren Unterrichtsstart spricht, ist der Biorhythmus von Jugendlichen. Dieser ist gemäss Studien in der Regel nach hinten verschoben – die Schüler sind erst später richtig fit.

Schulschluss erst nach 19 Uhr

Der fiktive Stundenplan habe gezeigt, dass es mit einem teilweise späteren Schulstart weniger Gedränge im öffentlichen Verkehr gebe. «Wir könnten die erste Lektion von 8 bis 9 Uhr um etwa 500 Schülerinnen und Schüler entlasten», sagt Maurer.

Die Konsequenzen gelte es allerdings nicht zu unterschätzen: Heute ist der Unterricht im Gymnasium Neufeld normalerweise um 17.10 Uhr, manchmal aber auch erst um 18.10 Uhr beendet. Würden die Lektionen erst um 9 Uhr morgens starten, dann würde der Unterricht regulär um 18.10 Uhr und manchmal um 19.10 Uhr enden. Das könnte mit abendlichen Musik- und Sportstunden, Vereinsaktivitäten und dem Familienleben zum Teil nur schwer vereinbar sein. «Gerade, wenn die Schüler nicht in der Stadt Bern wohnen und einen längeren Heimweg haben», findet Lorenzetti.

Sowohl Maurer wie auch Lorenzetti unterrichten selber. Dass ihre Schüler in den Morgenstunden noch nicht richtig fit sein sollen, haben sie nach eigenen Angaben bislang nicht konstatiert. «Sie sind morgens in der Regel aufnahmefähiger und frischer als in den späteren Nachmittagsstunden», so Lorenzetti. Einer der Kirchenfeld-Schüler habe kürzlich in einer Maturaarbeit das Schlafverhalten von 500 Mitschülern untersucht und festgestellt, dass es zwei Modi gebe: den Wochenend- und den Wochenmodus. «Wirklich schwierig ist der Montag, weil der Körper dann noch auf Wochenendmodus eingestellt ist. Danach geht es in der Regel besser», erklärt André Lorenzetti.

Rolf Maurer bezweifelt, dass der Biorhythmus von Schülern unverrückbar ist. «Sie passen sich ja auch sehr schnell an die Sommer- oder Winterzeit an», sagt er. Also wäre es möglich, dass die Schüler bei einem späteren Schulbeginn länger aufbleiben und damit einfach noch später erst richtig fit sein würden.

Hanspeter Rohr, Rektor des ebenfalls an der Arbeitsgruppe beteiligten Gymnasiums Köniz-Lerbermatt, war nicht erreichbar.

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