Dieser Plan wird in vielen Dörfern für Ärger sorgen

Die Regionalkonferenz legt insgesamt 23 Standorte fest, wo in den nächsten 35 Jahren Kies gewonnen und Aushub abgelagert werden sollen.

An 23 Standorten in der Region sollen neue Kiesgruben und Aushub-Deponien entstehen. Oder bestehende sollen erweitert werden.

An 23 Standorten in der Region sollen neue Kiesgruben und Aushub-Deponien entstehen. Oder bestehende sollen erweitert werden.

Hans Ulrich Schaad

Es sind immense Mengen Kies, die in der Region Bern in den nächsten 35 Jahren verbaut werden. Der Inhalt von 360 olympischen Schwimmbecken jedes Jahr. Oder 31,5 Millionen Kubikmeter total. Zum Vergleich: Der Wohlensee hat ein Volumen von 25 Millionen Kubikmeter. Sogar etwas grösser ist der Bedarf an Deponien, wo unverschmutztes Aushubmaterial abgelagert werden darf.

Die Verantwortlichen der Regionalkonferenz Bern-Mittelland (RKBM) spielten gestern mit vielen Zahlen, als sie den regionalen Richtplan Abbau, Deponie, Transporte ADT vorstellten. Dieser soll sicherstellen, dass in den nächsten 35 Jahren die Versorgung mit Kies gewährleistet und genügend Deponievolumen für Aushubmaterial vorhanden sind. Die Standorte sollen zudem so über die Region verteilt sein, dass die Transportwege kurz sind.

Langer Prozess

Die Arbeiten für den Richtplan ADT dauerten zweieinhalb Jahre. «Es war wegen der komplexen Materie ein langes Verfahren», sagte Jörg Zumstein, Präsident der Kommission Raumplanung. Auf die Ausschreibung im Herbst 2012 reichten Unternehmen rund 30 Standorte ein. Dabei handelte es sich je zur Hälfte um bereits bestehende Anlagen, die erweitert werden können, und um neue Projekte. 23 figurieren nun im Richtplan, 12 sind neue Standorte. Die 7 nicht berücksichtigten Eingaben schieden aus, weil sie im Wald liegen, die Landschaft zu stark beeinträchtigen oder den Boden zu wenig effizient nutzen.

Einer der wichtigsten Grundsätze bei der Prüfung der Dossiers war eine konfliktarme Erschliessung. «Der Lastwagenverkehr sorgt bei den Anwohnern für das grösste Konfliktpotenzial», sagte Jos Aeschbacher, Leiter Bereich Raumplanung bei der RKBM. Ferner galt das Prinzip der kurzen Wege und dass bestehende und neue Standorte gleich behandelt wurden bei der Interessenabwägung.

Die Region wurde in drei Teilräume plus die Stadt Bern eingeteilt. Weil es im Aare- und Kiesental tendenziell einen Überschuss gibt, hielten sich die Planer dort zurück, neue Standorte festzulegen. Im Norden hatten sie dagegen wenig Spielraum: Es besteht ein Defizit, und es gab wenige Eingaben. Jos Aeschbacher betonte, dass er alle Standorte mit «gutem Gewissen» vorschlage und die Anforderungen nicht etwa gelockert wurden. Am meisten Dossiers wurden für den Westen eingereicht, wo es auch ein grosses Manko an Aushubdeponien besteht.

Die Hälfte ist Reserve

Von den 23 zur Diskussion stehenden Standorten sind rund die Hälfte als längerfristige Reserve gedacht und sollen erst nach dem Planungshorizont von 35 Jahren definitiv festgelegt werden. Als strategisch wichtige neue Standorte im Richtplan bezeichnete Aeschbacher das Obermoos bei Münchenbuchsee, das Gebiet Louelen oberhalb von Schliern und den Grossacher bei Wileroltigen.

Jörg Zumstein ist überzeugt, dass mit dem vorliegenden Konzept die Versorgung in allen Bereichen langfristig gesichert werden kann. Und er hofft noch auf einen Nebeneffekt. Durch die berücksichtigten Reserven und die neuen Unternehmen würde der Markt gefördert. Die Kiesabbaufirmen waren in den letzten Monaten in die Schlagzeilen geraten, weil sie verdächtigt werden, Preis- und Mengenabsprachen gemacht zu haben.

«In der Region gibt es keinen Notstand»

Es ist noch ein weiter Weg, bis ein im Richtplan neu definierter Standort betrieben werden kann. Als Erstes geht der Richtplan ADT bis am 29. Mai in die öffentliche Mitwirkung. Nach deren Auswertung wird der Plan bereinigt. Danach nimmt der Kanton eine Vorprüfung vor. Die Regionalversammlung der Regionalkonferenz Bern-Mittelland (RKBM) wird den Richtplan frühestens im Sommer 2016 genehmigen.

Die grössere Hürde dürfte auf Stufe Gemeinden kommen. Diese müssen ihre Nutzungspläne anpassen und die Überbauungsordnungen genehmigen. Ob der zusätzliche Lastwagenverkehr oder die Sorge um eine intakte Landschaft: Die Argumente und Taktiken der Gegner sind vielfältig (siehe Kästchen).

Die Opposition kann aber unter Umständen nutzlos sein, wie das Beispiel Thierachern bei Thun zeigte. Dort lehnte die Gemeindeversammlung eine Aushubdeponie ab. Weil aber in der Region Thun ein Deponienotstand herrsche, setzte sich der Kanton über die Entscheide der Gemeinde hinweg und führte eine kantonale Überbauungsordnung durch.

Ausweichmöglichkeiten

Jörg Zumstein, Präsident der Kommission Raumplanung der RKBM, erwartet, dass es in der Region Bern nicht so weit kommen und der Kanton zurückhaltend sein werde. «Es besteht kein Notstand.» Der Richtplan sei ausgewogen und so ausgerichtet, dass die Versorgung sichergestellt sei, auch wenn ein Standort herausfällt. «Wir haben Ausweichmöglichkeiten», sagte Jörg Zumstein.

Berner Zeitung

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