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Eine solide Lösung für den Kanton Bern

Das Berner Wahlvolk hat den Erfolg der grünen Kraft relativiert – Regula Rytz ist die grosse Verliererin. Der Kommentar von BZ-Chefredaktor Simon Bärtschi.

Das Berner Wahlvolk bleibt pragmatisch und wählt mit Hans Stöckli und Werner Salzmann eine grundsolide Lösung für den Kanton. Der bürgerliche Kanton hat damit wie in den letzten 16 Jahren eine geteilte Standesstimme im Bundeshaus – das ist gut so. Der rot-grüne Politbruch am Superwahltag bleibt Bern erspart. Auch das ist in Ordnung.

Die grosse Überraschung: Regula Rytz schafft den Einzug in den Ständerat nicht. Ihr Pokerspiel mit dem Antritt im zweiten Wahlgang ist nicht aufgegangen. Die grüne Welle verebbt just bei der Präsidentin der erfolgsverwöhnten Partei.

Das Berner Wahlvolk ist offenbar von der Wucht der grünen Kraft im Oktober überrascht worden und hat den Erfolg jetzt klar relativiert. Dasselbe ist in Zürich passiert. Regula Rytz war wohl für viele nicht wählbar, weil sie links aussen politisiert. Sie gilt auf dem Land augenscheinlich als Stadtgrüne und konnte die Leute nicht genug mobilisieren. Selbst in der Stadt Bern holte sie keinen Vorsprung heraus.

Rytz ist die grosse Verliererin im rot-grünen Duell. Mit etwas weniger Ehrgeiz hätte die ehemalige Berner Gemeinderätin diese Schmach verhindern können. Nun kommt für sie eine Bundesratskandidatur nicht mehr in Frage.

Der Gewinner ist Doyen Hans Stöckli. Er ist erfahren, männlich, eingemittet – und das pure Gegenteil der jungen Unverbrauchten, die den Politbetrieb im Bundeshaus neuerdings auffrischen. Ihm ist die Verteidigung des Sitzes gelungen, weil er die bewährte Kraft im Rennen war und Stimmen aus dem bürgerlichen Lager sowie aus der Mitte holte.

Der Aufsteiger heisst Werner Salzmann – er sorgt für Erstaunen im Berner Wahlherbst. Salzmann holt für die hiesige SVP den Sitz nach 11 Jahren zurück. Der gelernte Bauer konnte auf eine treue Gefolgschaft auf dem Land zählen und mobilisierte diese im zweiten Durchgang noch zusätzlich. Das Volk hat honoriert, dass Salzmann stets Klartext spricht. Er ist ein Hardliner, stramm staatskritisch und wirtschaftsfreundlich und steht für Selbstbestimmung und Unabhängigkeit.

Das Resultat zeigt: Für Bernerinnen und Berner war das bürgerliche Tandem eine Notlösung, keine echte Option. Christa Markwalder konnte im zweiten Wahlgang nicht genug zulegen. Der SVP-Erfolg könnte allerdings der Anfang für eine neue bürgerliche Berner Politik unter dem Diktat der Volkspartei sein. Der Architekt einer solchen Allianz steht mit Aufsteiger Salzmann parat.

Bern schickt ein Duo in den Ständerat, dessen Positionen ziemlich weit auseinanderliegen: Stöckli und Salzmann sind fast wie Tag und Nacht. Damit repräsentieren die Herren die Vielfalt in unserem Mischkanton.

Beide werden mit der bürgerlichen Kantonsregierung zusammenarbeiten müssen, um die Interessen des Kantons beim Bund vertreten zu können. Die neue Konstellation mit dem ungleichen Paar macht Lösungen sicher nicht einfacher, aber vielleicht langlebiger.

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