Galenica ist intensiv auf Brautschau

Die Berner Pharmagruppe Galenica will sich bis spätestens in vier Jahren aufspalten. Derzeit sucht Galenica-Präsident Etienne Jornod mit allen Kräften nach einem Übernahmeobjekt für den Pharmabereich.

Galenica konnte auch 2014 positive Zahlen präsentieren.

Galenica konnte auch 2014 positive Zahlen präsentieren.

(Bild: Susanne Keller)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Das trifft auch für die Berner Pharmagruppe Galenica zu. Die Dramaturgie der gestrigen Bilanzmedienkonferenz unterstrich, dass Galenica sich in den nächsten zwei bis vier Jahren aufspalten wird. Dieser Plan ist seit dem vergangenen August bekannt.

Aus eins mach zwei

Der exekutive Verwaltungsratspräsident Etienne Jornod machte nur eine kurze Einleitung. Danach stellten Sören Tulstrup, der Chef von Vifor Pharma, und Jörg Kneubühler, der Chef von Galenica Santé, die Ergebnisse ihrer Bereiche vor. Der Plan von Etienne Jornod sieht vor, aus den ziemlich unterschiedlichen Bereichen zwei selbstständige, börsenkotierte Unternehmen zu machen. Sie sollen so «erfolgversprechender» auf ihren Märkten tätig sein. In zwei bis vier Jahren wird die Aufspaltung erfolgen.

Die Perle der Galenica-Gruppe ist Vifor Pharma. Diese Geschäftseinheit ist auf die Herstellung von Präparaten gegen Eisenmangel spezialisiert. Die beiden Hauptprodukte Ferinject (188 Millionen) und Venofer (133 Millionen) erzielen Umsätze von deutlich über 100 Millionen Franken. Und Ferinject weist eine stolze Wachstumsrate von knapp 20 Prozent aus. «Doch Vifor Pharma ist noch nicht bereit, um alleine bestehen zu können», schränkt Jornod ein. «Wir suchen deshalb ein Pharmaunternehmen, welches eigene Produkte mit grossem Potenzial hat», sagt Jornod.

Am liebsten wäre ihm ein Unternehmen, das in einem ähnlichen Geschäftsfeld tätig ist wie Vifor Pharma. «Es gibt solche Unternehmen. Die Frage ist einfach, welchen Preis wir bereit sind, dafür zu zahlen», sagt Jornod. Aufgrund der aktuellen Börsenhausse sind derartige Firmen hoch bewertet.

Der Kostenrahmen für einen Zukauf setzt sich aus rund einer Milliarde an Fremdkapital und einem dreistelligen Millionenbetrag an Eigenkapital zusammen. Offen ist Jornod in Bezug auf die Art der Transaktion. «Das kann eine Übernahme oder eine Fusion sein», sagt er. Viel wichtiger ist ihm, dass das künftige Unternehmen eine hohe Börsenkapitalisierung aufweist. Dies sei der beste Schutz gegen eine Übernahme durch einen Pharmariesen.

Gross und solid

Dagegen steht für Jornod fest, dass der Bereich Galenica Santé im Alleingang überlebensfähig ist. Dieser weist mit einem Umsatz von 2,7 Milliarden Franken und 5700 Mitarbeitern eine stattliche Grösse auf.

Galenica betreibt in Niederbipp, Ecublens VD und Burgdorf Logistikzentren für die schweizweite Verteilung von Medikamenten. Zudem besitzt die Gruppe die Apothekenketten Amavita und Sun Store und betreibt mit Coop die Coop-Vitality-Kette. Allerdings kann Galenica keine Story über künftiges Wachstum erzählen. Jörg Kneubühler, Chef von Galenica Santé und Finanzchef, glaubt, dass dieses Unternehmen mit seinem Betriebsgewinn von 100 Millionen dennoch ein interessantes Investitionsobjekt sein wird. Beispielsweise für Pensionskassen.

Berner Zeitung

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